USA

Warum Joe Biden die besten Chancen hat, Trump herauszufordern

Michael Bröning06. August 2019
Joe Biden will im kommenden Jahr bei der US-Präsidentschaftswahl als Kandidat der Demokraten antreten.
Joe Biden will im kommenden Jahr bei der US-Präsidentschaftswahl als Kandidat der Demokraten antreten.
Der Hamburger Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi war in der vergangenen Woche in den USA unterwegs. Im Interview spricht er über die atmosphärischen Unterschiede zwischen Demokraten und Republikanern und wieso Joe Biden die besten Chancen besitzt, Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2020 herauszufordern.

Sie haben in der vergangenen Woche sowohl an der Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten in Detroit als auch an einem öffentlichen Auftritt von Präsident Trump in Cincinnati teilgenommen. Welche atmosphärischen Unterschiede waren auffällig?

Die beiden Veranstaltungen konnten unterschiedlicher nicht sein. Die Debatte in Detroit fand vor 4 000 Gästen statt, die zwar natürlich ihre jeweiligen Kandidaten unterstützten, aber insgesamt ein neugieriges Publikum waren, das hören wollte, wie sich die Kandidatinnen und Kandidaten unterscheiden.

In Cincinnati ging es von Anfang an nur um eine Demonstration: Der Präsident wollte sich seinen Anhängern zeigen und sich feiern lassen. Es war viel lauter in Cincinnati, fast wie bei einem Eishockeyspiel oder einem Rockkonzert, mit über 17 000 Besuchern. Donald Trump wurde immer wieder von dem typischen „trump´schen Chor“ begleitet: „USA USA  USA“, „build that wall  build that wall  build that wall“ oder „lock her up  lock her up  lock her up“.

In Greenville reagierten in der Woche zuvor aufgeheizte Republikaner mit „Schick sie nach Hause“-Sprechchören auf rassistische Trump-Äußerungen. Wie war die Stimmung in Cincinnati? Stimmt das Bild der wütenden weißen Männer, die einen Großteil der Anhänger Trumps ausmachen?

Dieses Thema ist gar nicht zur Sprache gekommen. Das Thema Grenzmauer schon. Es waren dort nicht nur Männer anwesend, sondern auch viele Frauen, Jugendliche und Kinder. Allerdings: Es waren wirklich fast alle weiß. Von 17 000 Besuchern waren vielleicht ein Dutzend African Americans. Ich habe noch nie eine so große Ansammlung von Amerikanern gesehen, die ethnisch so homogen, in diesem Falle weiß, war.

Im Übrigen hatte ich den Eindruck, dass sich hier nicht der repräsentative Durchschnitt der Trump-Unterstützer eingefunden hatte, zu denen ja auch die sehr gut verdienende Mittel- und Oberschicht gehört, sondern in großen Teilen Menschen aus den ärmeren Bevölkerungsschichten Ohios.

In Greenville kritisierte Trump zuletzt dezidiert die deutsche Bundesregierung und die Kanzlerin. Was waren in Cincinnati die inhaltlichen Schwerpunkte? 

Deutschland und die EU waren gar kein Thema. China wurde wegen des Handelskrieges kurz erwähnt. Inhaltlich am häufigsten wurden immer wieder zwei Themen betont: die Größe des US-Militärs und die Stärke der amerikanischen Wirtschaft.

Am Tag nach der Debatte der Demokraten in Detroit hat Donald Trump die Demokraten natürlich angegriffen. Dabei hat er einerseits auf ihre Uneinigkeit hingewiesen und gleichzeitig das Gespenst des Sozialismus an die Wand gemalt: „The US will never be a socialist country.“

Haben die demokratischen Präsidentschaftskandidaten bereits überzeugende Konzepte zu den politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der USA präsentiert? 

Die Demokraten haben an beiden Abenden intensive inhaltliche Debatten geführt. Die Schwerpunkte Krankenversicherung, Einwanderung und Rassismus wurden ausgiebig und inhaltlich kontrovers diskutiert.

Wer sind die aussichtsreichen Kandidaten nach dieser Debattenrunde?

Der zweite Abend der demokratischen Debatte verlief deutlich aggressiver. Joe Biden wurde von vielen seiner Mitbewerber hart angegangen. In den Tagen nach der Debatte gab es von führenden Demokraten Warnungen, dass eine zu offensiv geführte Auseinandersetzung in den Primaries die Wahlchancen des demokratischen Herausforderers schmälern könnte.

Biden ist aber immer noch klarer Favorit, er hat die besten Umfragewerte. Und es gibt eine weit verbreitete Überzeugung innerhalb der demokratischen Partei. Auch viele, die Biden inhaltlich nicht sonderlich zugeneigt sind, sind der Ansicht, dass er die besten Aussichten bei der Wahl gegen Donald Trump im November 2020 hätte. So lange diese Meinung bei den Demokraten vorherrscht, ist Joe Biden der klare Favorit für die Herausfordererposition.

Dieser Artikel erschien zunächst im ipg-Journal.

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Kommentare

Wohin SPD ?

Josef Biden ist der Kandidat des Establishments der Demokratischen Partei, die letzte Kandidatin dieses Flügels verlohr gegen Trump ! Biden hat sämtliche sozialpolitischen Misstaten seit William Clinton mitgetragen, inclusive Gefängnisindustrie, förderung der Finanz"industrie" und die ganzen "Antiterror" Kriege. Welchen Grund sollte es für einen denkenden USBürger geben diesen Mann zu wählen? Warum unterstützt der Hamburger SPD Abgeordnete nicht Bernie Sanders, Tulsie Gabbard oder von mir aus gar Elisabeth Warren - sozialdemokratische Inhalte sind bei denen zu finden.
Aber wir kennen das seit 1914 - die Staatsraison, der Pakt mit den militärisch und wirtschaftlich Mächtigen ist diesem Parteiflügel ja wichtiger als sozialdemokratische Politik.
So kann man die SPD nicht erneuern, so gehts weiter in Richtung Wählerverlust, Politikerverdrossenheit und Proteststimmen für die afd.

Irreführend.

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Joe Biden

Warum diese Parteinahme vor Joe Biden? Tritt er etwa ähnlich auf wie Trump? Dann wäre dies keine Qualifikation.

Wichtig wäre doch eine Unterstützung von Bernie Sanders, der als Abgeordneter und als Gouverneur wesentliche Argumente für eine Gesellschaft formuliert hat, die unseren Grundsätzen entsprechen.

Empfehlenswert ist Bernie Sanders Buch: Unsere Revolution Wir brauchen eine gerechte Gesellschaft. Man mag mich vielleicht deshalb für einen linken Spinner halten, der bestimmte Ideale hochhält. Aber gerade wegen dieser Ideale hat Bernie Sanders viele Anhänger, auch bei der Jugend, gefunden, ebenso wie Corbyn in Großbritannien. Man kann auch das Wort "Ideale" durch "Visionen" ersetzen, die Willy Brandt noch hatte, aber inzwischen leider der SPD ebenso abhanden kommen wie Mitglieder und Wähler.

Biden

Es ist keine Parteinahme, sondern die Einschätzung des Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi.

Wie alt müssen

Wie alt müssen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten in den USA eigentlich sein - Ü75? Ob es Sleepy Joe auch mal mit einer Barfuß-Rede versuchen sollte, die Jugend zu begeistern:
https://www.vip.de/cms/prinz-harry-barfuss-rede-bei-google-camp-4380983....

Warum Joe Biden ?

Wie auch hierzulande wird nicht Etwa der für die Bevölkerung "Beste" d.H. im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung handelnde Mensch auf den Chefsessel geschoben sondern solche Menschen wie Donald Trump oder eben hierzulande eine Angela Merkel.
Joe Biden hat in der Tat eine der besseren "Chancen".
Was mit ernsthaft an Korrekturen der verkorksten Systeme interessierten Politikern geschieht sah man an Bernie Sanders.

Es zählt erkennbar viel zu oft keinesfalls Wählerwille oder gar Qualifikation, Konzept oder meinetwegen "Vision" sondern allein, wer vom Parteiapparat bzw. den Spendern gewollt ist.

Allein deshalb hat der Autor meiner Meinung nach sehr wahrscheinlich Recht mit seiner Einschätzung.

Wie auch hierzulande und auch in der EUrokratie sollte man sich nicht davon ablenken lassen, wer besser geeignet oder gar vom Wähler gewollt ist sondern allein beobachten wer wie oft in wie vielen Hinterzimmern und Kungelrunden sitzt oder vom Parteiapparat "vorgeschlagen" und dann als "Spitzenkandidat" dem staunenden (oder resignierenden) Wähler vorgeführt wird.