Islamismus-Experte Ahmad Mansour

Islamischer Judenhass in Deutschland? "Man möchte nicht darüber sprechen"

Fabian Schweyher26. Januar 2018
Am Samstag wird den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Nichtsdestotrotz kommt es mehr als 70 Jahre später regelmäßig zu Attacken auf Juden. Die Täter sind oftmals Muslime. Ein Gespräch mit dem Islamismus-Experten Ahmad Mansour, der vor französischen Zuständen in Deutschland warnt.

Herr Mansour, immer wieder ist zu lesen, dass jüdische Mitbürger von Muslimen attackiert werden. Wer in bestimmten Stadtteilen eine Kippa trägt, lebt gefährlich. Und zuletzt brannten wieder Israel-Fahnen, während arabische und türkische Migranten Hassparolen riefen. Hat Deutschland ein Problem mit islamischem Antisemitismus?

Antisemitismus ist ein herkunftsübergreifendes Phänomen, das es in allen Schichten und auch unter Muslimen gibt. Der islamische Antisemitismus zeigt sich jedoch offensiver, weil er von den historischen Ereignissen in Deutschland losgelöst ist. Der Holocaust wirkt für viele Menschen wie eine Bremse für antisemitische Gedanken. Wenn es sie gibt, werden sie leise und vorsichtig geäußert. Muslime sind anders sozialisiert und äußern sich deswegen laut und eindeutig. Die genannten Beispiele sind nur die Spitze des Eisberges. Dieser Antisemitismus ist tagtäglich zu beobachten.

Wie äußert sich der Hass gegen Juden?

Unter Jugendlichen zeigt er sich offen, beispielsweise im Hiphop. Dort sind regelmäßig Wörter wie „Rothschildfamilie“, „Illuminaten“, „Freimaurer“, „Israel“ und „Juden“ zu hören, die allesamt negativ dargestellt werden. Das hat auch mit Verschwörungstheorien zu tun, die in den sozialen Medien millionenfach angeklickt werden. Der Antisemitismus ist genauso mit dem Nahostkonflikt verbunden, den die Jugendlichen einseitig betrachten, was ganz schnell zu Antisemitismus führt – wie kürzlich nach Donald Trumps Jerusalem-Entscheidung. Manche, wie die Islamisten, geben diesem Hass sogar religiöse Dimensionen und behaupten, Gott und seine Propheten hätten immer Konflikte mit Juden gehabt.

Hat sich der muslimische Antisemitismus erst zu einem Problem entwickelt, seitdem viele Menschen aus arabischen Ländern Schutz in Deutschland suchen?

Das Problem gab es schon vorher. Im Jahr 2014 – also vor der Flüchtlingswelle – kam es während des Gaza-Kriegs zu heftigen antisemitischen Auseinandersetzungen. Synagogen wurden angegriffen. In Berlin wurde gerufen: „Jude, Jude, du feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein.“ Auf der anderen Seite ist die Mehrheit der Flüchtlinge, die aus dem Irak, aus Syrien und muslimisch-afrikanischen Ländern kommen, mit Antisemitismus aufgewachsen. Er ist Teil ihrer Sozialisation. Dort ist er in der Schulbildung und in den Medien allgegenwärtig.

Wie kann eine Lösung aussehen? Wie lassen sich auf diese Weise geprägte Muslime erreichen?

In der Schule sind wir sehr gut darin, den Holocaust und das Dritte Reich pädagogisch zu bearbeiten. Wenn es aber um modernen Antisemitismus, Verschwörungstheorien und den Nahostkonflikt geht, versagen wir. Neue Lehrpläne sind nötig. Die Lehrer müssen so ausgebildet werden, dass sie mit diesen Themen und antisemitischen Geschehnissen umgehen können. Nötig sind auch intensivere Integrationskurse, in denen darüber diskutiert wird. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Migranten die historische Verantwortung Deutschlands verstehen. Nur dann ist Integration möglich. Das müssen wir deutlich kommunizieren – auch mit Repression. Wer hierzulande Antisemitismus verbreiten will, dem muss klargemacht werden, dass er mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen hat.

Was halten Sie von verpflichtenden Besuchen in Konzentrationslagern?

Wir müssen unsere Erinnerungskultur auch Migranten vermitteln. Ein Besuch in einem Konzentrationslager muss zur Pflicht werden – vor jeder Einbürgerung, in der Schule, für alle Menschen in Deutschland. Die Menschen müssen sehen, wozu Hass und Antisemitismus führen können.

Nach Attacken gegen Juden äußern sich Politiker oft routiniert. Man zeigt sich empört, stellt Forderungen auf, dann wird es wieder still. Auch die Gesellschaft wirkt desinteressiert. Woran liegt das?

Es gibt die Angst, den Rechten eine Vorlage zu geben. Deswegen vermeiden Politiker klare Äußerungen. Man möchte nicht so recht darüber sprechen, dass Flüchtlinge auch Antisemitismus mitbringen. Viele Politiker erkennen außerdem offenbar immer noch nicht das Ausmaß des Problems. Die Politik geht sehr naiv damit um. Es fehlt an Konzepten, wie wir diesen Menschen unsere Werte vermitteln und wie wir sie für die Gesellschaft gewinnen.

In Frankreich ist der muslimische Antisemitismus dermaßen aggressiv, dass zehntausende Juden ausgewandert sind. Ist dieses Szenario auch für Deutschland denkbar?

Ich habe jüdische Freunde in Berlin, die mittlerweile zurückgezogen und unauffällig leben. Manche denken darüber nach auszuwandern, einige haben es schon getan. Auch viele Israelis, die nach Berlin kommen, unterhalten sich auf Englisch statt auf Hebräisch, um nicht aufzufallen. Französische Zustände drohen auch hierzulande. Das wäre eine Riesenschande für Deutschland.

Zur Person

Der Berliner Psychologe Ahmad Mansour beschäftigt sich mit Salafismus, Antisemitismus und Problemen muslimischer Migranten. Tätig ist er für European Foundation for Democracy in Brüssel, das Muslimische Forum Deutschland sowie beim Berliner Heroes-Projekt und bei Hayat, einer Beratungsstelle für Deradikalisierung. Der Islamismus-Experte wäre als junger Palästinenser in Israel beinahe selbst radikaler Islamist geworden. Erst durch sein Psychologiestudium in Tel Aviv und Berlin gelang es ihm, sich davon zu lösen.

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Kommentare

Das Problem mit islamischem Antisemitismus wurde importiert!

Man erinnere sich: 1972 wurden in München israelische Sportler von islamisch-arabischen Terroristen ermordetn.

Trotzdessen liess man viele islamische Araber [sogenannte Palästinenser und andere] zahlreich ins Land.

Die hatten hier immer schon Narrenfreiheit. Jetzt ist das Problem unübersehbar und das Kind in den Brunnen gefallen.

"Man möchte nicht darüber sprechen"

Doch, dazu gibts ne klare Meinung in der mehrheitlichen Bevölkerung, egal ob politisch eher links oder rechts verortet und die wird auch deutlich ausgesprochen :

Wer hier um Aufnahme bittet, Recht und gute Sitten aber nicht achten will verdient weder Gast- noch Schutzrechte !

Die ideologische Verblendung unserer politischen "Eliten" ist DER Grund für den Zulauf den die AfD verbuchen kann.

Die Nazis waren dann wohl

Die Nazis waren dann wohl auch alle importiert, denn anständige Deutsche sind ja keine Antisemiten. Mit welchem moralischen Recht wollen wir andere über Antisemitismus belehren?

islamistischer antinsemitismus

solange wir eigenen antisemitismus haben, können wir uns darum nicht auch noch kümmern müssen

Deutscher Antisemitismus

der Antisemitismus der Muslime ist lauter, offener, das stimmt. Aber: die Muslime sind nicht antisemitischer - insofern ist eine Spaltung des Problems in Muslime und Nichtmuslime eher kontraproduktiv. Genauso könnte man darauf aufmerksam machen, dass der Antisemitismus von links (meist in Form von fehlinformierter bzw lügenhafter "Israelkritik") anders, aber nicht weniger ist, als der Antisemitismus von rechts. Es ist aber alles schlicht Judenhass. Und es wird Zeit, auch die Medien für dieses Erstarken eines alten Problems in Haftung zu nehmen: ihre fehlerhafte, einseitige, oft hetzerische Berichterstattung über Israel und den Nahen Osten, auch die Denkbefreite Übernahme von dpa Schlagzeilen (Ich erinnere nur an diese: "Israel droht mit Selbstverteidigung") macht Antisemiten!

Der vor französischen Zuständen in Deutschland warnt?

Und die Warnung wird nicht gehört werden!

Politiker arbeiten immer nach dem Gleichen System: " Weiter so, den Sozialismus....... das Asylrecht....... usw. usf!

Es wird nicht bei französischen Zuständen bleiben :-(.

Islamischer Judenhass in Deutschland

Ein guter Beitrag. Die Bundesrepublik räumt der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit große Bedeutung ein. Jeder kann sich frei und ohne Angst vor Verfolgung äußern. Das verleitet manche Gruppen aber immer wieder dazu, Grenzen zu überschreiten und auch auswärtige Konflikte in unser Land zu tragen. Solche Grenzüberschreitungen sind z. B. die Vorfälle rund um den G20-Gipfel in Hamburg, die Ausfälle von AfD-Politikern (Denkmal der Schande, Leistungen der Wehrmacht), öffentlich geäußerter Haß gegen Juden und andere Minderheiten, die Verbrennung israelischer und anderer Fahnen ebenso wie Vorfälle bei den jüngsten Demonstrationen von Kurden in Köln. Hier hilft nur die Grenzen der Meinungsfreiheit mit den Mitteln des Strafrechts wirksam zu verteidigen. Toleranz bei Grenzüberschreitungen wird von Intoleranten nur als Schwäche ausgelegt und entsprechend ausgenutzt.

ist nicht der

Islamhass ebenso verwerflich?

Nicht nur ich habe den Eindruck, dass der antismismus immer auch ein wenig ritualisiert daher kommt- dies gilt umso mehr im Umfeld des 27. Januar. Da muss auch der VORWÄRTS den Gedenktag Rechnung tragen...

Der Rassismus insgesamt ist doch dass Problem, und das nicht nur wenn der Kalender dies verlangt. Und mit dem Hinweis auf den islamistischen Judenhass lauft ihr Gefahr, gerade diesen Rassismus zu befördern- nur das es gegen die Moslems geht, diesmal