Nachruf

Helmut Lölhöffel: Ein überzeugter Demokrat durch und durch

Hartmut Palmer17. April 2018
Helmut Lölhöffel
Helmut Lölhöffel erlag einer Nervenkrankheit.
Der bekannte Journalist und langjährige Herausgeber des „Blick nach rechts“ Helmut Lölhöffel ist gestorben. Während seines Lebens begegnete er der deutschen Sozialdemokratie mit kritischer Sympathie. Ein Nachruf.

Das dritte „ö“ in seinem Namen hatte er mit dem Adelstitel abgelegt. Er hieß Hans Bruno Helmut Lölhöffel von Löwensprung als er am 29. Januar 1944 im ostpreußischen  Königsberg zur Welt kam – aber ein „von“ und „zu“ mochte er nicht sein und verzichtete deshalb auf den Löwensprung. Ende der Siebziger Jahre überreichten ihm Kollegen aus dem „Artistenflügel“ der Süddeutschen Zeitung in München feierlich das dritte „ö“ – in Anerkennung seiner Verdienste um den Journalismus im Allgemeinen und um die SZ im Besonderen.

Den 68ern verbunden

Der Journalist Lölhöffel war immer bestens informiert, vor allem über Interna in der SPD. Der Sozialdemokratie begegnete er mit viel Sympathie, trotz wiederkehrender Enttäuschung. Schon als Student hatte er angefangen, für den Bonner Lokalteil des Kölner Stadt-Anzeigers kleine Hintergrundberichte über die damals gärende Stimmung an der Bonner Universität zu schreiben. Er fühlte sich den 68ern verbunden, war selbst einer von ihnen, mit den herrschenden Verhältnissen unzufrieden.

Sein demokratisches Engagement war nicht nur beruflicher Natur: Der Mensch Lölhöffel engagierte sich schon gegen Rechtsextremismus, als die meisten in dieser Republik die rechtsextremen Umtriebe und Netzwerke noch ignorierten oder blind dafür waren. So engagierte er sich rund 20 Jahre als Herausgeber des Informationsdienstes „Blick nach rechts“ (bnr).  2016 musste er die Herausgeberschaft aus Krankheitsgründen aufgeben, blieb dem bnr aber eng bis zum Schluss verbunden. Viel Kraft und Energie steckte er im Ruhestand auch in die Stolperstein-Initiative zum Gedenken an die ermordeten Opfer des Nationalsozialismus. Als Koordinator des Projekts Stolpersteine sorgte er bis zuletzt dafür, dass allein in seinem Berliner Heimat-Bezirk Charlottenburg Wilmersdorf schon rund 3000 Steine verlegt worden sind.

Schwierige Arbeitsbedinungen

In seinem Berufsleben war er von 1974 bis 1979 Korrespondent der SZ in Bonn, danach wechselte er nach Ost-Berlin und schrieb fünf Jahre lang Reportagen, Berichte und Kommentare aus der DDR. Die Arbeitsbedingungen dort waren schwierig. Jede Reise ins Umland, jede Reportage musste vom Außenministerium der DDR genehmigt werden. Ständig wurde er abgehört und überwacht. Die Stasi hatte ihm den Decknamen „Herzog“ verpasst, offenbar in Anspielung auf die adelige Herkunft des Journalisten.

Gelegentlich hatte die Observierung auch Vorteile. Als Lölhöffel einmal nachts von einem Urlaub heimkehrte und die Wohnung an der Ho-Tschi-Minh-Straße (heute: Weißenseer Weg) betrat, stolperte er über die Zuleitung seines Telefons, sodass die Steckdose aus der Wand gerissen wurde und der Apparat nicht mehr funktionierte. Er schimpfte lauthals über sein Missgeschick und darüber, dass er nun am nächsten Morgen gleich wieder zum Dienstleistungsamt gehen und einen neuen Telefonanschluss beantragen müsse. Dann legte er sich schlafen, wurde aber bereits um sieben Uhr geweckt. Zwei Monteure standen vor seiner Tür und erklärten, sie hätten den Auftrag, sein kaputtes Telefon zu reparieren.

Inoffizielle Möglichkeit

Dem von der Stasi abgeschirmten und geheim gehaltenen Wohnort des DDR-Spions Günter Guillaume, den er aus seiner Bonner Zeit persönlich kannte, näherte er sich einmal schwimmend. Er wusste, dass er nie die Erlaubnis bekommen hätte, Guillaume offiziell zu besuchen. Also suchte er listig nach einer inoffiziellen Möglichkeit.

Irgendjemand hatte ihm gesteckt, dass der 1981 aus westdeutscher Haft entlassene und ausgetauschte Kanzler-Spion in Eggersdorf bei Berlin an einem See wohnte. Also stellte Lölhöffel den Antrag, er wolle eine Reportage über die „Bewirtschaftung stehender Gewässer in der Deutschen Demokratischen Republik“ schreiben und deshalb auch den Stienitzsee bei Eggersdorf aufsuchen. Die Reportage wurde genehmigt. Der Reporter ging ins Wasser und machte sich schwimmend auf den Weg zu dem Anwesen, auf dem er Guillaumes Haus vermutete. Und er hatte Glück. Als er sich dem Haus bis auf 30 Meter genähert hatte, trat plötzlich der Hausherr auf die Terrasse am See. Es war Guillaume. Zu einer offiziellen Kontaktaufnahme kam es allerdings nicht.

Tückische Nervenkrankheit

Nach fünf Jahren DDR kehrte Lölhöffel nach Bonn zurück, und wurde Bonner – später auch Berliner – Korrespondent der Frankfurter Rundschau, bis ihn die Berliner SPD 2001 zum stellvertretenden Senatssprecher der schwarz-roten Koalition unter Eberhard Diepgen machte. Nach dessen Ablösung durch Klaus Wowereit wurde er Senatssprecher des rot-grünen Senats. Anschließend engagierte er sich in der Umweltpolitik und Energiepolitik unter anderem als Mediensprecher der Vereinigung für Erneuerbare Energien EUROSOLAR e.V.

Seine letzten Lebensjahre waren überschattet von einer heimtückischen Nervenkrankheit, der er an diesem Sonntag in Berlin erlag. 

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