No Hate Speech Movement

Hass im Internet: „zivilisatorische Schranken gelockert“

Kai Doering17. Februar 2017
„Die Wut der Menschen muss irgendwo hin.“ Gabriela Heinrich engagiert sich für das „No-Hate-Speech-Movement“.
Fake News, Verschwörungstheorien, Hass-Kommentare: Der Umgang im Internet wird immer rauer. Was gegen Hass im Netz hilft, darüber hat der Europarat am Montag bei einer Konferenz gesprochen. Ein Interview mit Koordinatorin Gabriela Heinrich

Für den Europarat haben Sie in dieser Woche eine Konferenz zu Hass im Internet organisiert. Warum?

Ich bin die deutsche Koordinatorin des Europarats für das „No Hate Speech Movement“. Mir ist es wichtig, genauer hinzusehen, wie Hass im Internet entsteht. Die Grenzen zwischen Verschwörungstheorien, Fake News und Hate Speech sind fließend. Die Ursachen wurden bisher allerdings viel zu wenig beleuchtet. Um Hass im Internet wirksam zu bekämpfen, muss man sie aber kennen. Deshalb haben wir die Konferenz veranstaltet.

Gabriela Heinrich
Gabriela Heinrich

Warum äußern Menschen im Internet Dinge, die sie auf der Straße nie sagen würden?

Das ist nicht eindeutig zu sagen. Sicher ist, dass die Anonymität des Internets keine Rolle mehr spielt. Für viele sind die Äußerungen im Netz offenbar ein Ventil. Die Wut der Menschen muss irgendwo hin. Auf der Straße sind die Menschen zwar vielleicht etwas gedämpfter in ihren Beleidigungen. Im Grunde empfinden sie aber dasselbe. Im Internet schaukeln sich die Menschen allerdings gegenseitig hoch. Die meisten bekommen das Gefühl, mit ihrer Meinung in der Mehrheit zu sein. Das hat zivilisatorische Schranken gelockert.

Was hilft gegen den Hass im Netz?

Eine einfache Antwort gibt es auf diese Frage leider nicht – zumal der internationale Vergleich die Sache zusätzlich kompliziert macht. Eine Herangehensweise in Deutschland ist, dem Hass im Netz mit Humor zu begegnen. Das halte ich für sehr vielversprechend. Die Ansätze, den Hass zu bekämpfen, müssen allerdings so vielfältig sein wie die Menschen, die ihn im Internet verbreiten. Es gibt auch diejenigen, bei denen keinerlei Ansprache mehr hilft. Als Politikerin versuche ich immer, diejenigen zu erkennen, mit denen ein Gespräch möglich ist. Ich versuche, Anschuldigungen und Kommentaren Fakten entgegenzusetzen. Das ist nicht immer leicht, aber wenn wir es nicht versuchen, werden wir es bitter bereuen.

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