SPD Hessen

Hans-Joachim Heist: Ein TV-Star als SPD-Kommunalpolitiker

Jonas Jordan06. Mai 2021
Hans-Joachim Heist ist Kabarettist und SPD-Kommunalpolitiker.
Hans-Joachim Heist ist Kabarettist und SPD-Kommunalpolitiker.
Viele kennen Hans-Joachim Heist sicher als „Gernot Hassknecht“ aus der heute-Show im ZDF. Doch seit kurzem ist der Kabarettist für die hessische SPD kommunalpolitisch aktiv. Er will die Kultur fördern und für bezahlbaren Wohnraum sorgen.

Eigentlich war Hans-Joachim Heist schon immer Sozialdemokrat. Bereits während seiner Lehre als Installateur im Darmstadt engagierte er sich in der Gewerkschaftsjugend der IG Metall, trug stolz den Button „Mehr Demokratie wagen“ und bei seiner ersten Bundestagswahl 1972 hieß es natürlich: Willy wählen! Doch bis der Kabarettist und Schauspieler im April 2007 tatsächlich seinen Weg zur SPD fand, dauerte es noch 35 Jahre. Damals saß er bereits als Abgeordneter für die Sozialdemokratie im südhessischen Pfungstadt im Stadtparlament.

Vom Bürgermeister angesprochen

„Der damalige Bürgermeister von Pfungstadt Horst Baier hat mich gefragt, ob ich nicht gerne als Parteiloser auf der Liste der SPD kandidieren möchte“, berichtet Heist in der Premierenfolge des „vorwärts“-Podcasts „SPDings“. Von 2006 bis 2011 blieb er Stadtverordneter. Parallel dazu wurde er bundesweit einem breiten TV-Publikum durch regelmäßige Auftritte als „Gernot Hassknecht“ in der heute-Show im ZDF bekannt, wo er einen cholerisch schreienden älteren Herrn verkörpert, der sich über Fehltritte und Ungerechtigkeit in der Politik erzürnt.

Sein eigenes politisches Engagement legte er ab 2011 aufgrund zunehmender beruflicher Verpflichtungen vorerst auf Eis. „Ich war von 350 Tagen im Jahr an 200 unterwegs. Da war es mir nicht mehr möglich, aktiv an den Sitzungen teilzunehmen und ich wollte den Kollegen keinen Platz durch meine Abwesenheit wegnehmen“, sagt er.

„SPDings“ – der „vorwärts“-Podcast, Folge 1 mit Hans-Joachim Heist

Doch wegen der Corona-Pandemie ist aktuell kaum an Bühnenauftritte zu denken. Das dürfte sicher auch bei Heists Überlegungen eine Rolle gespielt haben. Denn im März dieses Jahres trat er bei der hessischen Kommunalwahl erneut für die SPD an und holte in Pfungstadt parteiübergreifend die meisten Stimmen aller Kandidat*innen.

Für fünf Jahre im Magistrat

Die kommenden fünf Jahre sitzt er nun für die SPD im Magistrat der rund 25.000 Einwohner*innen zählenden Kleinstadt. „Ich war in den letzten Jahren nicht ganz weg aus der Kommunalpolitik. Ich war Vorsitzender der Kulturkommission, die dem Magistrat zuarbeitet“, sagt er. An diese Arbeit möchte er nun inhaltlich anknüpfen. Darüber hinaus liegt ihm der soziale Wohnungsbau sehr am Herzen. „Da müssen wir mehr machen. Denn es kann nicht sein, dass ein Familienvater mit zwei Kindern und einem Gehalt von 1.800 Euro netto sich keine Wohnung mehr leisten kann“, sagt er. 

Dass Heist künftig bei Sitzungen deswegen zu einer Wutrede á la Hassknecht ansetzt, ist trotzdem kaum zu erwarten. Privat sei er eher ein ruhigerer Typ, erzählt der Kabarettist. Wenn er bundesweit unterwegs sei, werde er oft von Leuten auf der Straße mit dem Satz „Bitte schreien Sie mich nicht an“ angesprochen. In Pfungstadt kennen ihn die Menschen dagegen als Hans-Joachim Heist, auch weil er hier durch sein vielfältiges Engagement in Vereinen verwurzelt ist.

„In der Kommunalpolitik lernt man die Regeln der Demokratie“

Die lokale Verankerung ist für ihn zudem die Grundvoraussetzung, um erfolgreich Politik machen zu können: „Ich rate jedem, der politisch Karriere machen möchte, sich kommunalpolitisch zu engagieren. Dort lernt man die Regeln der Demokratie kennen. Dort lernt man aber auch, dass zu einer Demokratie Kompromisse gehören.“ Eine kompromisslose Haltung hat Heist dagegen, wenn es um Anfeindungen gegen Kommunalpolitiker*innen geht: „Es gibt Millionen, die sich in der Kommunalpolitik engagieren, dafür ihre Freizeit opfern und sich dann noch beschimpfen lassen müssen. Das ist ganz, ganz traurig.“ Seine eigene Facebook-Seite hat er deshalb auch gelöscht. Seiner Bekanntheit und auch seinem Wahlergebnis hat das nicht geschadet.

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