vorwärts-Podcast „SPDings“

Günther Koch: Wie Söders CSU seinen Einzug in den Landtag verhinderte

Jonas Jordan30. März 2022
Reporter-Legende Günther Koch ist seit mehr als 50 Jahren SPD-Mitglied.
Reporter-Legende Günther Koch ist seit mehr als 50 Jahren SPD-Mitglied.
30 Jahre lang war Günther Koch Sportreporter im Radio. Doch eines durfte er nicht werden: Landtagsabgeordneter für die SPD in Bayern. Wie Markus Söder und die CSU das verhindert haben, erzählt er in einer neuen Folge von „SPDings“.

Günther Koch kennen sicherlich die meisten als „die Stimme Frankens“. Mehr als 30 Jahre lang kommentierte er Sportereignisse im Radio, vor allem rund um seinen Club, den 1. FC Nürnberg, bei dem er später auch im Aufsichtsrat saß. Doch noch länger, nämlich seit 52 Jahren, ist Koch Mitglied der SPD. Er bestritt zahlreiche erfolgreiche Wahlkämpfe für und mit Renate Schmidt oder dem früheren Nürnberger Oberbürgermeister Peter Schönlein, der sich letztlich gegen den späteren CSU-Innenminister Günther Beckstein durchsetzte.

Eine eigene politische Karriere blieb Koch jedoch versagt. Dabei konnte er bei der Landtagswahl 2003 einen Sensationserfolg feiern. Er trat in keinem Wahlkreis an, sondern kandidierte nur auf der Landesliste der mittelfränkischen SPD. Dennoch erhielt er 54.000 Stimmen. So viele, dass es eigentlich zum Einzug in den Landtag gereicht hätte. „Die Geschichte ist schlimmer und spannender als jeder Fernsehvorabendkrimi“, leitet der 80-Jährige seine Erzählung im vorwärts-Podcast „SPDings“ ein. 

Denn damals sorgte die allein regierende CSU, allen voran Günther Beckstein und Markus Söder, dafür, dass eine entsprechende Verordnung geändert wurde, wonach auch freie Mitarbeiter*innen des Bayerischen Rundfunks kein Landtagsmandat annehmen dürfen. Davon berichtet Koch folgendermaßen: „Söder hat dann zusammen mit Beckstein gesagt: Wenn der Günther Koch für die SPD ein Landtagsmandat bekommt, kriegt der Mikrofonverbot vom Bayerischen Rundfunk und darf keine Fußballspiele mehr übertragen. Da haben alle gelacht. Ich auch, ich Trottel. Ich hab das nicht geglaubt, dass der Rundfunkrat, über den Söder und Beckstein das dann lanciert haben, tatsächlich die Geschäftsordnung irgendwann ändern würde.“

Koch musste sich entscheiden zwischen Mikrofon und Mandat, er blieb dem Radio treu. In der SPD engagiert er sich trotzdem bis heute.

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Kommentare

ich bezweifele nicht die Richtigkeit dessen, was

hier berichtet wird, will aber, weil es ja zur ganzen Wahrheit dazugehört, in Erinnerung rufen, dass das Nebeneinander von ÖRR Funktion und Abgeordnetenstatus generell als unzulässig angesehen wird. So ist der Nachrichtensprecher Alexander Dorow seit seinem Einzug in den bayerischen Landtag (er ist Abgeordneter der CSU) nicht mehr im BR präsent. Also, wenn es für alle gilt, dann kann ich daraus kein parteipolitisches Moment herleiten, meine ich jedenfalls