Vor 25 Jahren

Gründungsaufruf der SDP

Eric Gutglück12. September 2014

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit: Die Gründung der sozialdemokratischen SDP im Herbst 1989 in der DDR fiel in die Zeit der friedlichen Revolution. Diese endete mit der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990.

Sommer 1989: Fast 40 Jahre hatte die SED die Macht in der DDR inne. Die beiden evangelischen Theologen Martin Gutzeit und Markus Meckel kamen zu dem Schluss, dass die DDR eine sozialdemokratische Partei brauche. Gemeinsam mit Helmut Becker, Ibrahim Böhme, Konrad Elmer, Hans Misselwitz und Arndt Noack verbreiteten sie am 12. September 1989 einen Gründungsaufruf zur Bildung einer Initiativgruppe „Sozialdemokratische Partei in der DDR“.

Zweistaatlichkeit Deutschlands

Als Kernelemente wurden die „Entmonopolisierung und Demokratisierung der Macht in Staat und Gesellschaft“, die strikte Gewaltenteilung und die Schaffung von Grundrechten für alle Bürger gefordert. Diese sollten sich frei versammeln und an demokratischen Wahlen teilnehmen dürfen. Interessant ist dabei die „Anerkennung der Zweistaatlichkeit Deutschlands“. Die DDR sollte also nicht abgeschafft, sondern lediglich auf einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung basierend aufgebaut werden.

Exakt zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 wurde die SDP im brandenburgischen Schwante (nördlich von Berlin) gegründet. Die 43 Gründungsmitglieder fanden rasch Zuspruch in der Gesellschaft. Sie beteiligten sich aktiv an den Montagsdemonstrationen und trugen maßgeblich zur friedlichen Revolution in der DDR bei. Im Januar 1990 wurde die Umbenennung in „SPD“ mit großer Mehrheit beschlossen. Auf dem ersten ordentlichen Parteitag vom 22. bis 25. Februar 1990 bekannten sich die 524 Delegierten zur Deutschen Einheit und sprachen sich für die Einführung der D-Mark zum 1. Juli 1990 aus.

Ein steiniger Weg

Doch die junge Partei musste auch Rückschläge verkraften: Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990 wurde die SPD mit 21,9 Prozent der Stimmen nur zweitstärkste Partei hinter der CDU (40,8 Prozent). Zudem wurde der Parteivorsitzende Ibrahim Böhme als langjähriger Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit enttarnt. Nach dessen Rücktritt im April 1990 übte Markus Meckel das Amt übergangsweise aus, bis am 9. Juni 1990 auf einem Sonderparteitag Wolfgang Thierse den Vorsitz übernahm.

Am 26. September 1990 vereinte sich die SPD der DDR auf einem gemeinsamen Parteitag schließlich mit der westdeutschen SPD. Eine Woche später wurde die Deutsche Einheit vollzogen.

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