Entwicklungshilfe

Wie die GIZ die Wirtschaft in Afrika und im Nahen Osten stärken will

Fabian Schweyher10. Juli 2018
Entwicklungshilfe
In einer Berufsschule in Jordanien werden syrische Flüchtlinge als Klempnerinnen ausgebildet.
Die Entwicklungshilfe wird wichtiger. Entsprechend bekommt die GIZ mehr Gelder. Damit möchte sie die Lebensbedingungen der Menschen weltweit verbessern - gerade aber auch im Nahen Osten und in Afrika.

Die Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) freuen sich. Ihre Pressekonferenz, bei der sie das vergangene Jahr Revue passiert lässt, ist am Dienstagmorgen gut besucht. Das ist nicht selbstverständlich, schließlich stellt zur gleichen Zeit Bundesinnenminister Horst Seehofer in Berlin seinen „Masterplan Migration“ der Öffentlichkeit vor.

Wachsendes Budget

Der CSU-Politiker plant unter anderem, angesichts der illegalen Migration auch die Grenzkontrollen zu verstärken. Die GIZ fokussiert sich hingegen darauf, die Situation in den Herkunftsländern der Menschen zu verbessern. „Internationale Zusammenarbeit ist heute wichtiger denn je. Mit ihr wollen wir jenseits kurzfristiger Entwicklungen langfristig bessere Lebensbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern herbeiführen“, sagt GIZ-Vorstandssprecherin Tanja Gönner.

Diese Entwicklung zeige sich auch im GIZ-Geschäftsvolumen, das im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Euro betrug – rund 7 Prozent mehr als 2016. Das meiste Geld – immerhin 2,1 Milliarden Euro – kam aus dem Haushalt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), ein Plus von 11 Prozent. Zweitgrößter Geldgeber war die Europäische Union mit 290 Millionen Euro – auch hier eine Zunahme: um 24 Prozent.  

Berufliche Perspektiven

Im vergangenen Jahr war die Arbeit der GIZ stark geprägt von den Themen „Flucht und Migration“ sowie „Sicherheit und Stabilisierung“. Beides sei oft miteinander verbunden. „Staaten, deren Regierungsfähigkeit bereits geschwächt ist, geraten weiter unter Druck, wenn eine hohe Zahl von Flüchtlingen ins Land kommt“, so Tanja Gönner. 68 Millionen Menschen seien weltweit auf der Flucht. Neun von zehn Flüchtlingen lebten in Entwicklungsländern. „Diese Länder brauchen ganz besonders unsere Unterstützung.“ Gönner erwähnte in diesem Zusammenhang besonders die Länder rund um das Kriegsland Syrien. Im Auftrag der Bundesregierung würden die Flüchtlinge dort sowie die aufnehmenden Gemeinden unterstützt. „Im vergangenen Jahr konnten in Syriens Nachbarländern rund 85.000 Jobs über direkt entlohnte Beschäftigungsmaßnahmen geschaffen werden.“

Darüber hinaus unterstützt die GIZ beispielsweise junge Menschen in Nordafrika und im Nahen Osten, um deren Chancen auf einen Job zu verbessern. „Hier haben wir in den vergangenen drei Jahren mehr als 100.000 Menschen bessere berufliche Perspektiven eröffnet und die Situation ganzer Familien verbessert“, freut sich Gönner. Diese Maßnahmen, die im Rahmen einer Sonderinitiative des Bundesentwicklungsministeriums geschehen, umfassen etwa Hilfe bei der Arbeitsvermittlung, bei der Unternehmensgründung sowie Fortbildungen für Manager.

Langer Atmen

In Afrika kooperiere die GIZ hingegen mit der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft, um „Wirtschaft und Beschäftigung in Afrika voranzubringen“, so Gönner. Genauso würden Bauern und Kleinbetriebe unterstützt. 10 Millionen Menschen in 14 afrikanischen Ländern profitieren laut der Vorstandssprecherin davon, dass die GIZ zusammen mit Partnern den Anbau von Kakao, Cashewnüssen, Baumwolle und Reis verbessere.

„Unsere Arbeit wirkt und trägt mit dazu bei, die Perspektiven der Menschen in Afrika zu verbessern.“ Internationale Zusammenarbeit brauche jedoch einen langen Atem und die Herausforderungen würden zunehmen. „Afrika ist ein ‚junger‘ Kontinent: Der wachsende Anteil junger Menschen strebt zunächst nach perspektiven im eigenen Land“, sagt Tanja Gönner. Sie sehe hierbei drei Ansatzpunkte: die Schaffung von Industriezonen, Investitionen in den Mittelstand sowie mehr Produktivität im ländlichen Raum.

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Kommentare

Nachhaltiges Freihandelsabkommen zwischen EU und AU!

Die GIZ kann und wird dass nicht erreichen, was zwischen EU und AU direkt geregelt werden muss. Noch sind die Folgen des EPA Abkommens lt. EUROAKTIV nicht ausgewertet. Beabsichtigt war Namibia, Botswana und Lesotho einen zollfreien Zugang zum EU-Binnenmarkt zu ermöglichen. Im Gegenzug mussten diese afrikanischen Länder ihre Märkte für europäische Produkte öffnen und Zölle für 86 Prozent der Einfuhren beseitigen.

Obwohl das Abkommen zu Lasten der EU als asymmetrisch erscheint [0,91 % zu 0,73 %] erscheinen als Verliererinnen die am wenigsten entwickelten Länder, die ihre Märkte für die EU öffnen müssen ohne dafür mehr Vorzüge zu bekommen, oder heimische Branchen schützen zu können. Das EPA leistet kaum einen Beitrag zur Bekämpfung extremer Armut und der Anteil der Menschen, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen sinkt in Südafrika bis 2015 nicht mehr als um 0,02 Prozent und in Namibia bei 0,03 Prozent.

Die chinesische Entwickelungsstrategie fokussiert mehr auf verbilligte Kredite, kostenlose Hilfe, Tauschgeschäfte mit afrikanischen Rohstoffen gegen Infrastrukturprojekte. Die klassisch europäische Entwicklungshilfe läuft ins Leere und bleibt ein Millionengrab.

Scholz plant Etatkürzung für Entwicklungsministerium !!!

Warum wird im Zusammenhang mit dem Inhalt dieses Beitrages nicht die geplante Etatkürzung für das Entwicklungsministerium durch Finanzminister Scholz (noch SPD ?) erwähnt ?!
Weil es "unterirdisch" und peinlich ist ?! Weil die AFD gerade aktuell nach Umfragen die SPD in der Wählergunst überholt hat und diese inkonsistente Politik der SPD dank Scholz weitere Bürger abschreckt und Mitglieder scharenweise zum Austritt bewegen könnte ?!
Ich dachte wir wollten die Fluchtursachen bekämpfen, stattdessen werden weitere geschaffen (siehe verfehlte Klimaziele, Waffenexporte in Krisengebiete und jetzt Kürzung beim Entwicklungsministerium! ) !!!
Steilvorlage für CDU/CSU und Wählerabgang zu Grünen und Linkspartei !
Ich schäme mich für diese Politik.
Für alle Genoss/inn/en die noch einen Funken Hoffnung haben:
Unterstützt und engagiert Euch bei der "Progressiven sozialen Plattform" !!! Zeigt was Euch Zukunft bedeutet !!!
www.palttform.pro
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-07/gerd-mueller-entwicklung...

AFD hat SPD überholt !

http://www.wahlrecht.de/umfragen/insa.htm

Die klassische deutsche

Die klassische deutsche Entwicklungshilfe fließt auch nicht in Projekte, die der bedürftigen Bevölkerung zu Gute kommen, denen Arbeit und Lohn bringen. Vielmehr füllt der Staat mit teils unsinnigen Projekten - da gibt es genug Beispiele - die Kassen der Konzerne. Die GIZ ist in 2016 sehr negativ aufgefallen mit Spenden in Höhe von rd. 5 Mio $ an die Clinton-Foundation, angeblich für Projekte in Afrika?????? Auch ist nicht zu vergessen, dass Frankreich durch den CFA-Franc viele der ärmsten Staaten auch mit Gewalt in Knechtsschaft hält, um seinen Staatshaushalt zu finanzieren.In Mali z.b. auch mit dt. militärischer Hilfe.
Afrika hat alles, kann sich im Prinzip ernähren, ist rohstoffreich. Dem Kontinent kann nur geholfen werden, wenn der Wertewesten inkl. seiner Waffen dort verschwindet, mit den Ausplündungen aufhört. Letzendlich hat sich seit der Kolonialzeit doch nichts geändert, allenfalls ist ein anderer Kolonialherr in die Bresche gesprungen. Im Falle von Staaten mit Ölvorkommen sorgen die USA gerne für Destabilisierung.

Ausbildung statt Abschottung

Statt auf Abschottung vor Migranten sollten wir auf Ausbildung der Migranten setzen. Das Gegenteil ist der Fall.
Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer sollen bei uns die Qualität der Lehre finanzieren (also somit die Wachsende Ungleichheit): https://www.deutschlandfunk.de/studiengebuehren-fuer-nicht-eu-auslaender...
Statt unfairer Handelsabkommen sollten wir die Ausbildung (am besten auch zus. durch EU-Mittel.) der Migranten fördern, auch auf die "Gefahr" hin, dass nciht alle in ihr Heimatland zurückgehen und dort beim Aufbau helfen. Es entstehen in jedem Fall neue Netzwerke. Diese sollten eine auf Ausgleich und maximale Nachhaltigkeit ausgerichtete Lebens- und Wirtschaftsweise zum Ziel haben. Bitte Migranten nicht in Hochschulen schicken, die den ausgeprägten Neoliberalismus predigen mit all seinen eingebauten Egoismen und Entsolidarisierungsmaximen ! Es gibt auch andere (Bsp. UNI Jena !!!). Wir können dabei nur gewinnen !

Afrikaner sollten m.E. in

Afrikaner sollten m.E. in ihren Heimatländern ausgebildet werden und zwar deren Mentalität, Bedürfnissen, Möglichkeiten Wünschen und Lebensverhältnissen angepasst. Wir können unsere europäischen Werte und Lebensweisen nicht einfach anderen Völkern überstülpen. Wer schon in Afrika hinter die Kulissen schauen konnte, der versteht, dass unsere s.g. Entwicklungshilfe bzw. Ausbildungen hier im Lande da wenig nützen.

Global voneinander lernen und vernetzen !

Für die Schäden welche die Europäer in den letzten Jahrhunderten in Afrika angerichtet haben und leider immer noch anrichten reicht es für eine Wiedergutmachung nicht aus die Trennung der Kulturen zu propagieren. Es wäre auch etwas weltfremd und erinnert doch etwas an das Programm der AFD. Vielleicht können wir uns darauf einigen dass die jeweilige Kultur es nicht verbietet von einer anderen auf freiwilliger Basis das Beste anzunehmen. Irrtümer wie der praktizierte Neoliberalismus sind dabei natürlich nicht ganz ausgeschlossen. Das mit dem Überstülpen sollte sicher nicht passieren und der kulturelle Austausch sollte natürlich auch in der anderen Richtung passieren und sich nicht nur auf Europa beschränken (sozus. ein "Erasmus-Programm" nicht nur auf Europa beschränkt). Und ganz wichtig: Entwicklungshilfe und auf Ausgleich bedachtes Wirtschaften macht sich mittelfristig schon bezahlt und schließt auch Entwicklungshilfe innerhalb des eigenen Landes nicht aus. Auch scheinbar nationale Problematiken sind ni. selten nur global nachhaltig zu lösen. Auch SPD-Politik. denken leider oft nur strategisch und mit Kurzfrist-Strategie in Legislatur-Perioden (s. verf. Klimaz., verp..Strukturw.).

Weltfremd bin ich mit

Weltfremd bin ich mit Sicherheit nicht. Ich habe die Verhältnisse in Afrika selbst erlebt. Es nützt wenig, hier in DE z.B. Agrafachleute auszubilden. Die Anforderungen in Afrika sind ganz andere. Ohne das ich nun gleich in die Nähe der AfD gerückt werde, bleibe ich dabei, dass Ausbildungen nur vor Ort und zwar den dortigen Gegenheiten angepasst sinnvoll ist. Zudem ist anzuraten, sich dort was Ausbildung etc. anbelangt, sich erst einmal den Frauen zu widmen. In Afrika tragen die Frauen die Hauptlast und -verantwortung, was das Durchbringen der Familie angeht.
Fakt ist, dass weder Frankreich, GB oder USA - hier vordergründig - und andere westliche Länder in der Lage sind, aus eigener Kraft ihren Eliten den nötigen Reichtum zu verschaffen. So wird der Kontinent Afrika am Brodeln gehalten um die Abschöpfung zu gewährleisten, wenn nötig auch mit militärischer Gewalt, sh. z.B. Libyen. Entwicklungshilfe bringt dort mit Sicherheit unter den gegebenen Umstände keine Wende.
Ähnlich verhält es sich mit Süd- und Mittelamerika, wobei hier hauptsächlich die USA wüten.
Einfach ausgedrückt: So lange die Eliten des Wertewestens des Hals nicht voll genug kriegen können, ändert sich nichts.