Treffpunkt Integration

Geschlossene Gesellschaft

26. April 2010

Am Ende war es dann doch wieder ein reines Migrantenthema. In seiner Begrüßung hatte Klaus Wowereit noch dafür appelliert "das Thema Integration nicht nur unter dem Gesichtspunkt Migration" zu
sehen. Doch nach fünf Stunden intensiver Diskussion aus wissenschaftlicher, politischer und Alltagsperspektive war klar, dass das nicht recht gelungen war.

Dabei hatte alles so gut angefangen. "Integration ist ein Thema für die ganze Gesellschaft", hatte Wowereit, der neben seinen Ämtern als Regierender Bürgermeister von Berlin und
stellvertretender Vorsitzender der SPD seit Anfang des Jahres auch Leiter der "Zukunftswerkstatt Integration" ist, betont. "Gesellschaftliche Teilhabe" laute der entscheidende Begriff, der
Migranten ebenso betreffe wie etwa Rentner oder Alleinerziehende.

"Empathie- und Willkommenskultur" etablieren

Es gehe darum, "Minderheiten nicht zu tolerieren, sondern zu akzeptieren". Gerade deshalb sei Integration kein Nischen- und schon gar kein Stammtischthema. "Wir müssen miteinander sprechen
und nicht übereinander", forderte auch Kenan Kolat. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland und Co-Vorsitzender der Zukunftswerkstatt Integration ist sich sicher: "In der Frage der
Integration hat sich in der SPD etwas Grundsätzliches geändert." Endlich nehme sich die Partei dieses wichtigen Themas angemessen an. "Bisher hat die SPD Angst davor gehabt."

Um gesellschaftlich tatsächlich etwas zu verändern, sei es nun wichtig, eine "Empathie- und Willkommenskultur" zu etablieren, in der Ängste und Befürchtungen sowohl der Einwanderer als auch
der einheimischen Bevölkerung ernst genommen würden. "Integration bedeutet für mich ein von gegenseitigem Respekt geprägtes Zusammenleben", so Kolat.

Diskussion über die Migrantenquote

Hierbei allerdings wirke die "herrschende Vorstellung von Migration" behindernd, meinte der Journalist und Buchautor Mark Terkessidis. Um ein "neues Wir" zu gestalten, müsse "die
Integrationslogik" geändert werden und die interkulturelle Öffnung vieler Institutionen von der Politik bis zu den Medien vorangetrieben werden. "Wenn mehr Menschen mit Migrationshintergrund in
den verschiedenen Institutionen vertreten sind, dann ist es auch einfacher, Empathie zu erreichen", folgerte Terkessidis.

Er plädiere auch für eine Migrantenquote - nicht zuletzt für die Führungsgremien von Parteien. "Quoten sind nicht nur bloße Absichtserklärungen, sondern etwas Überprüfbares", lautete
Terkessidis' Argument. "Wir werden die Quote in den kommenden zwei Jahren in der Zukunftswerkstatt diskutieren und uns am Ende eindeutig dazu positionieren", kündigte so auch Klaus Wowereit an.
Er machte jedoch keinen Hehl daraus, dass er selbst eine Quotenregelung nicht für den richtigen Weg hält. Allerdings zeige die Tatsache, dass zurzeit kein Migrant im Parteivorstand der SPD
vertreten sei, dass "das Bewusstsein, dass da eine Lücke ist, nicht vorhanden" gewesen sei. Das zumindest hat sich mit der jetzt begonnen Gesprächsreihe geändert.

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