Wohnungspolitik

Gegen steigende Mieten: Sozialverbände gründen „Soziale Plattform Wohnen“

Vera Rosigkeit17. März 2020
In ganz Deutschland fehlen bezahlbare Wohnungen. Mit einer „Sozialen Plattform Wohnen“ wollen die Sozialverbände gegensteuern.
In ganz Deutschland fehlen bezahlbare Wohnungen. Mit einer „Sozialen Plattform Wohnen“ wollen die Sozialverbände gegensteuern.
Vielerorts spitzt sich die Situation am Wohungsmarkt zu. Besonders betroffen sind Menschen ohne Arbeit, mit einer Behinderung oder Krankheit sowie Alleinerziehende. Eine am Dienstag gegründete „Soziale Plattform Wohnen“ soll sie unterstützen.

Derzeit gehen Expert*innen  davon aus, dass in Deutschland rund 37.000 junge Menschen unter  26 Jahren ohne festen Wohnsitz sind, heißt es von der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) in Frankfurt. „Die Zahlen nach Schätzungen sind nur die Spitze des Eisbergs“, weiß Britta Sievers, wissenschaftliche Referentin im Projekt Care Leaver der IGfH.

Menschen im Schatten des Wohnungsmarktes

Wohnungsmangel herrscht jedoch nicht nur in Großstädten wie Frankfurt am Main. Im schleswig-holsteinischen Husum beispielsweise hat Sabrina Thomas, die ihr Gehalt mit Hartz-IV-Leistungen aufstockt, ein Jahr lang vergebens eine Wohnung entsprechend den Vorgaben gesucht. Dann ist die Mutter eines fünfjährigen Sohnes in eine zu teure Unterkunft gezogen.

„Derzeit fehlen bestimmt 1000 bezahlbare Wohnungen in Nordfriesland“, sagt Jürgen Laage, Mitglied im Kreistag und Sozialarbeiter. In Husum spitze sich das Problem zu: Die Kreisstadt habe vor 15 Jahren den Großteil des städtischen Wohnungsbestands verkauft. Nun gebe es deswegen zu wenig Handhabe, den Wohnungsmarkt zu regulieren.

Dies sind zwei von insgesamt sechs Beispielen aus der Broschüre  „Soziale Plattform Wohnen: Menschen im Schatten des Wohnungsmarktes“, die von der am Dienstag gegründeten „Sozialen Plattform Wohnen – Für eine menschenorientierte Wohnungspolitik“ per Pressemitteilung vorgestellt worden ist. Insgesamt acht Wohlfahrts-, Sozial- und Fachverbände wollen sich für Menschen engagieren, die auf dem derzeitigen Wohnungsmarkt kaum Chancen haben. Denn am stärksten von Wohnungsnot betroffen sind Menschen ohne Arbeit, mit einer Behinderung oder Krankheit, in einem bestimmten Alter, mit Schulden oder Alleinerziehende.

Schneider fordert Kurswende in der Wohnungspolitik

„Alle Erfolge, die wir für unsere mehr als zwei Millionen Mitglieder errungen haben wie die Grundrente oder höhere Rentenansprüche, werden wieder aufgefressen durch rasant steigende Mieten und zu wenig barrierefreien Wohnraum“, erklärt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, am Dienstag per Pressemitteilung. „Wir brauchen eine Wende in der Wohnungspolitik“, fordert sie.

Dass sich die Sozialverbände laut und deutlich in die wohnungspolitische Debatte einmischen müssen, davon ist Ulrich Schneider überzeugt. Wohnen sei ein Menschenrecht und keine Ware, betont der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Verbands. Doch die Realität sehe anders aus, „besonders für Ärmere, Ältere und Kranke“. Aber auch Familien mit geringem Einkommen seien betroffen. Weder Löhne noch familienbezogene Leistungen könnten mit dem Mietenanstieg Schritt halten, ergänzt Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes.

Stärkung nicht-profitorientierten Bauens gefordert

Um die Interessen all dieser Personengruppen zu vertreten „haben wir die Soziale Plattform Wohnen ins Leben gerufen“, so Schneider. Via Nachrichtendienst Twitter erklärt er, dass die profitorientierte Wohnungswirtschaft keine Probleme löse, sondern sie schaffe.

Konkret fordern die Initiatoren von den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft stärkere Investitionen der öffentlichen Hand für bezahlbaren Wohnraum sowie die Stärkung nicht-profitorientierten Bauens. Darüber hinaus setzen sie sich für den Schutz vor Verdrängung besonders gefährdeter Menschen ein, aber auch für die Förderung von barrierefreiem Wohnen.

Der Sozialen Plattform Wohnen gehören der Paritätische Gesamtverband, der Sozialverband VdK, der Deutsche Kinderschutzbund Bundesverband e.V., die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen e.V., die Volkssolidarität Bundesverband e.V., der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V., die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. und der Sozialverband SoVD e.V. an.

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Kommentare

Gegen steigende Mieten

Gute Sache!

Aber - die Politik - und damit auch die SPD - hätte schon lange richtig handeln müssen, damit diese 'Gute Sache' erst gar nicht notwendig geworden wäre!

Leider hat aber die SPD immer noch viel zu viel neoliberales Gedankengut. Auch für DIE LINKE trifft dies partiell zu!