Weltmeisterschaft

Warum ich die Fußball-WM in Katar nicht anschauen werde

Kai Doering18. November 2022
Ärger statt Vorfreude: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ist eine Schande, meint Kai Doering.
Ärger statt Vorfreude: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ist eine Schande, meint Kai Doering.
Wenn ab Sonntag die Fußball-Weltmeisterschaft läuft, bleibt bei Kai Doering der Fernseher aus. Das hat nicht nur politische Gründe.

Eigentlich müsste da längst dieses Kribbeln sein. Es überkommt mich jedes Mal kurz vor großen Fußball-Turnieren, zumindest seit dem „Sommermärchen“ 2006, der Weltmeisterschaft im eigenen Land (obwohl ich zu der Zeit im Ausland war und die Euphorie, die hierzulande herrschte, nur aus Erzählungen kenne). Die Vorfreunde auf das „Rudelgucken“, das gemeinsame Mitfiebern mit der deutschen Mannschaft im Biergarten oder zuhause auf dem Sofa, war jedenfalls alle zwei Jahren groß.

Euphorie gibt es im Biergarten, nicht auf dem Weihnachtsmarkt

Doch dieses Jahr ist alles anders. Keine Vorfreude, kein Kribbeln, gar nichts. Wenn am Sonntag das Eröffnungsspiel der WM in Katar (Wer spielt eigentlich gegen wen?) stattfindet, werde ich nicht einschalten. Wenn Deutschland spielt (Wann ist das überhaupt?), auch nicht. Nicht, weil ich die WM in Katar gezielt boykottieren möchte (Obwohl ich jeden verstehen kann, der das tut!), sondern weil sie mich nicht interessiert.

Große Fußballturniere gehören aus meiner Sicht in den Sommer. Ich war zwar noch nie auf einer Fanmeile, aber wirkliche Stimmung kann doch nur beim gemeinsamen Erleben der Spiele entstehen, und das geht eben deutlich besser im Biergarten als auf dem Weihnachtsmarkt. Hinzu kommt, dass das Leben als Fußball-Fan in festen Bahnen verläuft: Eine Europa- oder Weltmeisterschaft ist der Höhepunkt nach einer abgeschlossenen Saison und gehört nicht in die Winterpause der Bundesliga.

Die Fifa hätte die WM der Schande nicht zulassen dürfen

Statt Vorfreude empfinde ich deshalb im Moment vor allem eins: Ärger auf die Fifa. Dass der Weltfußball-Verband die Weltmeisterschaft in ein Land gegeben hat, in dem es so heiß ist, dass nur im Winter unter einigermaßen wettbewerbsgerechten Bedingungen gespielt werden kann, macht mich noch immer fassungslos. Dass Katar ein Land ist, dass den Sport (nicht nur Fußball) vor allem zur eigenen Imagepflege nutzt und dafür Menschen tausendfach ausbeutet – und zwar bis zum Tod – macht es als WM-Gastgeber untragbar.

Vor allem ärgert mich aber, dass es nun uns Fans überlassen sein soll, wie wir mit dieser WM der Schande umgehen. Machen wir uns mitschuldig, wenn wir den Fernseher einschalten? Sind wir keine echten Fans, wenn wir es nicht tun? Fragen wie diese hätte uns die Fifa ersparen müssen, doch entscheidet sie schon lange nicht mehr aus Sicht der Fans oder der Vereine, sondern nur nach Maßstäben des Geldes. Solange sich daran nichts ändert, wird bei mir das Kribbeln wohl nicht zurückkehren.

Warum er sich die Fußball-WM anschauen wird – aber ohne Leidenschaft – schreibt vorwärts-Redakteur Jonas Jordan hier.

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