Tag des offenen Denkmals

Fünf Orte, die Sozialdemokrat*innen gesehen haben sollten

Klaus Wettig11. September 2021
Ein Ort, den jede*r Sozialdemokrat*in gesehen haben solle: die Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde
Ein Ort, den jede*r Sozialdemokrat*in gesehen haben solle: die Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde
Die mehr als 150-jährige Geschichte der Sozialdemokratie ist reich an historischen Gedenkorten. Wir stellen fünf vor, die jede*r Sozialdemokrat*in besucht haben sollte.

Freiheitsmuseum Rastatt und Denkmal für die 1849 erschossenen Freiheitskämpfer

Das 1974 auf Anregung von Bundespräsident Gustav Heinemann (SPD) eingerichtete Freiheitsmuseum präsentiert in einer überarbeiteten Ausstellung die Geschichte der deutschen Freiheitsbewegungen. Das Rastatter Schloss ist der richtige Ort für diese Ausstellung, denn in Rastatt endete 1849 die demokratische Revolution von 1848. Daran erinnert auch das Denkmal auf dem alten Friedhof, nur wenige Minuten vom Schloss entfernt. Erst 1899 konnte an die standrechtlich erschossenen Demokraten mit einem Findling erinnert werden.

Wilhelm-Leuschner-Haus in Bayreuth

Der Gewerkschaftsführer Wilhelm Leuschner gehörte zu den Widerständlern, die in letzter Minute Adolf Hitler durch ein Attentat am 20. Juli 1944 beseitigen wollten. Seine Beteiligung bezahlte er mit dem Tod.
Die Gedenkstätte erinnert an seine politische Arbeit.

Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde

Auf diesem ehemaligen Friedhof der Berliner Arbeiterschaft, der auch zu einem Begräbnisort führender Sozialdemokraten wurde, entstand nach dem Willen der DDR-Führung eine gemeinsame Gedenkstätte für Sozialdemokrat*innen und Kommunisten, um die Parteieinheit in der Neugründung SED zu demonstrieren. Dafür wurden zahlreiche Sozialdemokrat*innen umgebettet: Wilhelm Liebknecht, Ignaz Auer, Paul Singer u.a.

Nach der Wende musste die Anlage saniert werden, was auch die Neufassung der erläuternden Texte umfasste. Der Friedhof Friedrichsfelde gehört zu den bedeutenden Kulturdenkmälern des 20. Jahrhunderts.

KZ Moringen

Das Konzentrationslager Moringen gehörte 1933 zur ersten Generation der von der SA eingerichteten wilden Konzentrationslager, in das die SPD- und KPD-Funktionär*innen des Südens der preußischen Provinz Hannover eingeliefert wurden. Später war Moringen ein Frauen-KZ und danach ein Jugend-KZ. Erst spät – 1993 – wurde eine Gedenkstätte eingerichtet.

Bonner Politikmeile

Wer den Spuren der Bonner Republik nachgehen wollte, benötigte ein bis zwei Tage. Am Tag des offenen Denkmals könnte der Start am ehemaligen Bundeskanzleramt beginnen – dem Palais Schaumburg. Dort steht auch die überdimensionale Adenauerbüste.

Das Palais Schaumburg, in dem die Kanzler von Adenauer bis Gerhard Schröder regierten, kann ebenso wie der Park mit dem Kanzlerbungalow besichtigt werden. Im Park befindet sich die Skulptur von Henry Moore (Large Two Forms), die auf Wunsch von Helmut Schmidt angeschafft wurde. Irgendwo am Zaun um das Bundeskanzleramt befindet sich die Stelle, an der Gerhard Schröder als Juso gerüttelt haben soll. Jedoch nicht markiert.

Wer statt des Weges durch die Adenauerallee den Weg durch das ehemalige Viertel um den Bundestag wählt, findet dort zahlreiche Erinnerungsorte: den Bundestagsneubau, das Wasserwerk, in dem der Bundestag während der Neubauzeit tagte, den langen Eugen, den ersten Neubau für den Bundestag und zahlreiche andere Gebäude, die durch ihr Aussehen von der Bonner Republik erzählen.

In der Adenauerallee ist das Hauptquartier der FDP nicht mehr zu erkennen, doch daneben steht das Haus der Geschichte, das immer einen Besuch lohnt. Der Sitz der SPD, der als Erich-Ollenhauer-Haus – 1974 eingeweiht – auf dem Platz der Baracke entstand, kann besichtigt werden. Eine Geschichtstafel erzählt die Geschichte des Hauses, in dem sich auch eine Ausstellung befindet. Schräg gegenüber hatte die CDU ihr Hauptquartier, das jedoch abgerissen wurde.

Zum Weiterlesen

Klaus Wettig: Orte der Sozialdemokratie

Klaus Wettig: Orte der Sozialdemokratie. Ein Lesebuch, vorwärts buch Verlagsgesellschaft mbH 2012, ISBN 978-3-86602-921-7, 15 Euro

Klaus Wettig beschreibt mehr als 100 Erinnerungsorte der SPD in Deutschland und Europa. Auf informative und anschauliche Weise gewährt er Einblicke in die wechselhafte Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Es sind nicht nur Orte verzeichnet, an denen die Partei im 19. Jahrhundert entstanden ist, sondern auch jene, an denen die Soziale Demokratie als kulturelle und soziale Bewegung geprägt wurde: Treffpunkte, Wohnsiedlungen, Wirtschaftsbetriebe und Gewerkschaftshäuser. Orte, die mit Personen, Institutionen, Ereignissen und Exilzeiten in Europa verknüpft sind.

Auch an Konzentrationslager als Stätten der Verfolgung wird erinnert. Geschichte wird lebendig, wenn man sie erleben kann. Hinweise zu Anfahrtswegen und Öffnungszeiten sowie Empfehlungen für Spaziergänge zu den Plätzen, an denen sozialdemokratische Geschichte gemacht wurde und wird, ergänzen die Beschreibungen. Über 30 Abbildungen tragen dazu bei, sich ein erstes Bild zu machen.

weiterführender Artikel

Kommentare

Orte, die Sozialdemokrat*innen gesehen haben sollten

Ein sehr interessanter und lesenswerter Beitrag von Klaus Wettig.

Ein Besuch des Sozialistenfriedhofs empfiehlt sich für alle sozialdemokratischen Berlin-Besucher. Manche mögen sich daran stören, dass er von der DDR-Führung eingerichtet wurde. Dabei sind hier Gedenkstätten vieler führender SPD-Genoss*innen zu finden.

Ebenso lesenswert ist das Buch " Orte der Sozialdemokratie" von Klaus Wettig, das auch anregt, bei Städtetouren SPD-geschichtlich bedeutsame Orte zu finden.