Schulstreik

„Fridays for Future“: Schulstreiks gehen in die nächste Runde

Tamara Rösch15. März 2019
Nach der Demonstration im Invalidenpark treibt es die Schüler zum Kanzleramt.
25.000 Teilnehmer allein in Berlin – Auf sechs Kontinenten streiken am Freitag junge Menschen für einen besseren Klimaschutz. Die Jusos Berlin unterstützen den Schulstreik.

Bunt, jung und vor allem wütend: Schüler und Erwachsene versammeln sich am Freitagmorgen im Invalidenpark in Berlin, um gegen die aktuelle Klimapolitik zu demonstrieren. Der Platz hat sich schnell gefüllt, sogar Grundschulkinder laufen in Begleitung Erwachsener Hand in Hand durch die Menschenmasse. Sie rufen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ und halten dabei selbstgemalte Plakate von schwitzenden Eisbären, schmelzenden Schneemännern und vertrockneten Bäumen in die Luft. Viele der Plakate entpuppen sich als Umzugskarton, recycelt und mit frischer Farbe dienen sie nun dem Umweltschutz.

Schulstreiks werden unterstützt

Vereinzelt sieht man Erwachsene in der Menschenmenge, die auf ihren Plakaten Solidarität für die Kinder und Jugendlichen zusichern. „Parents for Future“ nennt sich die neue Initiative, die Kinder und junge Leute im Klimastreik unterstützt.

Auch Mitglieder der Jusos sind am Freitagmorgen im Invalidenpark dabei. Ben Schneider, stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos Berlin, sieht den Schulstreik positiv: „Wir als Jusos finden es unterstützenswert, wenn Schülerinnen und Schüler für eine bessere Klimapolitik streiken.“ Schneider sagt, es sei durchaus verhältnismäßig, für einen Klimastreik von der Schule fern zu bleiben: „Ich glaube, dass ein Klimastreik nur dann ein Streik ist, wenn er in der Arbeitszeit stattfindet. Wenn die BVG streikt, dann findet das schließlich auch in der Arbeitszeit statt und nicht in der Freizeit nach dem Feierabend“. Ein Streik bringe die nötige Aufmerksamkeit, um politische Anliegen darzulegen, stellt Schneider fest.

Anton Heinecke, Mitglied der Jusos Berlin, ist selbst noch Schüler. Kurz vor seinem Abitur wolle er es nicht nehmen lassen, bei den internationalen Demos ein Zeichen zu setzen. Er findet, dass „schwänzen“ das falsche Wort für die Tatsache sei, dass Schüler vom Unterricht fernblieben, um zum Klimastreik zu gehen: „Das Wort „schwänzen“ ist so negativ konnotiert, dass es vorwurfsvoll klingt. Und es ist unzutreffend: Die Schüler schwänzen eigentlich nicht die Schule, sondern opfern ihren Unterricht, um sich für das Klima einzusetzen.“

Jusos: Klima nachhaltig verbessern

Die streikenden Schüler fordern eine Politik, die nachhaltig das Klima verbessert. Schneider sagt dazu: „Die Jusos haben auch ein großes Interesse am Klima: beim letzten Bundeskongress haben wir zu einem größeren Umweltantrag den Beschluss gefasst, dass wir uns für einen schnelleren Kohleausstieg, erneuerbare Energien und emissionsfreie Mobilität einsetzen.“ Es handele sich hierbei nicht um ein persönliches Statement, sondern um politische Botschaften, die die jungen Menschen und die Jusos im Speziellen umsetzen wollen.

Zu dem Klimaschutzgesetz, das SPD-Umweltministerin Svenja Schulze durchbringen möchte, sagt Schneider: „Das Klimaschutzgesetz ist ein erster richtiger Schritt. Darüber hinaus brauchen wir aber noch eine übergeordnete Strategie für die Bundesrepublik.“ Außerdem seien die Jusos internationalistisch, vor allem die Klimapolitik könne man nur global betrachten: „Wir denken Probleme nicht auf nationalstaatlicher Ebene, sondern auch immer darüber hinaus. Das bedeutet, wir müssen den globalen Süden stärker mitnehmen und bei den Anstrengungen zum Klimaschutz unterstützen. Klimaschutz ist eine gemeinsame, globale Anstrengung. Die globale Erderwärmung macht eben nicht vor nationalen Grenzen halt.“

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Kommentare

„Fridays for Future“

Es wird immer wieder bemängelt, dass die Schüler*innen die Schule wegen der Klimademos schwänzen würden und ein Gegensatz Bildung und Klimaschutz wird heraufbeschworen. Dem ist zu entgegnen, dass Maßnahmen für einen wirksamen Klimaschutz auch zur Bildung gehören., wobei dieses Thema vermutlich in den Schulen vernachlässigt wird, obwohl es für die Zukunft wichtiger ist als manches andere.

Auch würden die Medien und Politiker diesen Aktionen kaum Beachtung schenken, wenn die Demos außerhalb der Schulzeit stattfänden. Insofern ist dies eine wichtige Möglichkeit, sich endlich Gehör zu verschaffen, weil das Thema ständig heruntergespielt bzw. völlig ignoriert wird, so insbesondere bei den Parteien, die sich fälschlicherweise christlich nennen und dabei die Zukunft verschlechtern, sowie bei den Rechten, die wie deren Vorbild Trump das Problem völlig ignorieren.

Wenn Lindner die Aktionen den sogenannten Profis vorbehalten will, ist zu fragen, was diese Profis denn bisher zustande gebracht haben. Und dass sich tausende echte Wissenschaftler mit den Schülern solidarisieren, ist eine riesige Chance und sagt mehr aus als die 100 Pseudo-Experten, die Scheuer angeheuert hatte.

Schulstreiks für das Klima

Diejenigen Politiker, die den Kindern/ Jugendlichen/ jungen Erwachsenen
"Schulschwänzen" vorwerfen, müssen sich von diesen den weit, weit, weit
schwereren Vorwurf des 'Verantwortliche-Klimapolitik-Schwänzens' vorwerfen
lassen!

Nicht Heucheln

Daß Frau Merkel un Frau Barley auf einmal die Aktionen der Schüler loben......nun regieren die zusammen shon einige Zeit; was haben sie getan ?
Schon die Bezeichnung Schülerstreik hat was infantilisierendes, abwertendes; das Thema geht uns alle an !
s muss auch deutlich gesagtwerden, und das erwarte ich wenigstens von JuSos, daß bisher bei der ganzen "Klimadebatte" die Wahrung der Interessen des Kapitals im Vordergrund standen. Da steht dann auch einmal der "Arbeiterführer" Michael Vasiliades an der Seite des Kapitals, wie wenn sich das Kapital jemal um Arbeitsplätze geschert hätte. Aber wie würde ich entscheiden wenn ich im Aufsichtsrat der K+S, RAG, BASF etc. sitzen würde ?

Empört Euch !

Momentan sind es vor Allem KInder, Jugendliche und die Justiz die den nötigen Druck machen, dass es nicht so weiter geht wie bisher,. nämlich nach neolberalen Egoismen die nicht nur die Lebensgrundlagen Aller gefährden, sondern durch die damit verbundene Flucht- und Entsolidarisierungsbewegungen und auch das vereinte Europa und die Demokratie !!! Wer jetzt noch nicht kapert hat dass es nicht nur des Schönredens und der Kosmetik bedarf, sondern einer möglichst weitgreifenden Änderung unserer Wirtschafts- und Lebensweise, wird es Kraft seiner/ihrer Ignoranz wohl nie kapieren, oder erst wenn das Wasser bis zum Hals steht !!!
Ich schliesse mich jedenfalls dem Engagement der jungen Generation an ! Ganz im Sinne von Stéphene Hessel der in seine gleichlautenden Publikationen (Ullstein-Verlag) .aufforderte: "Empört Euch" und "Engagiert Euch". Trotz oder wegen seines hohen Alters hatte er den Weitblick die Auswüchse einer falschen Politik weit voraus zu sehen !

Ulrich

Roski brachte es vor Jahrzehnten auf den Punkt

Während ich noch mit erhob'nen Armen dasteh'
Erscheint jetzt ein Bläserhor der Heilsarmee
Die spiel'n für mich "Jesus meine Zuversicht"
Doch mit sehr viel Optimismus erfüllt mich das nicht
Eine Anwohnerin aus der Umgebung schreit
Ihre Nachbarin zu: „Ist denn schon Faschingszeit?“
Worauf ihre Nachbarin meint: „Nein, nein
Wird wohl bloß wieder so'n Studentenumzug sein“
Eine Gruppe Jugendlicher, 'ne Art Rockerverschnitt
Brüllt: „Da drüben is' 'ne Demo, ey, da mischen wir mit!“
Und sie fordern sogleich die Heilsarmee auf:
„Jungs, habt ihr nicht die "Internationale" drauf?“

In Schweden, von wo aus die

In Schweden, von wo aus die Fridays for Future Bewegung ihren Anfang nahm (der Ursprung kommt nicht aus Schweden), gibt es noch eine andere Akteurin im jugendlichen Alter, die gegen die Globalisierung kämpft. Dieses Mädchen bekommt aber fast keine Medienaufmerksamtkeit. Woran man das nur liegen??
Um die Klima/Umweltsünden zu begradigen wäre es doch angebraucht, erst einmal die Geier zu zähmen.
Zum Beispiel lässt sich mit dem Handel von Klimazertifikaten an der Börse (nur in Europa) nichts ändern. Lediglich die Geier stopfen sich wieder die Taschen voll. Ich frage mich immer mehr, ob der Klimawandel/Umweltschutz nicht mehr und mehr Profitinteressen zum Opfer fällt und die jungen Leute einfach missbraucht werden.

Menschen auf der Strasse !!!

Es ist überhaupt schon ein großer Verdienst der Aktion "Fridays for Future" dass Menschen endlich wieder für ihre Rechte und Lebensgrundlagen auf die Strasse gehen. Gerade Jugendliche wurde ja bis vor Kurze der Wille für ihre eigene Zukunft auf die Strasse zu gehen abgesprochen ! Jetzt zeigen sie dass ihnen ihre Zukunft nicht egal ist. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass auch i Deutschland die Menschen wieder stärker gegen ihre Entrechtung auf die Strasse gehen (hoffentlich friedlich !). Auch die Älteren (die bequeme, ignorante Generation) werden aufwachen und sich insbesondere für die Belange ihrer Nachkommen einsetzen ! Die Nachkommen werden ihnen dafür schon den notwendigen "Tritt" in den Allerwertesten geben !!!