Sozialdemokratie

Franziska Giffey will nicht für SPD-Vorsitz kandidieren

Kai Doering15. August 2019
Darf ihren Doktortitel behalten: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey
Kandidiert nicht als SPD-Vorsitzende: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey
Franziska Giffey will nicht als Vorsitzende der SPD kandidieren. Dies teilte sie in einem Brief an die kommissarische Parteispitze mit. Die gegen sie erhobenen Plagiatsvorwürfe sollten die personelle Neuaufstellung der SPD nicht überschatten, begründete Giffey den Schritt.

Von den Medien war sie lange als Kandidatin für den Parteivorsitz gehandelt worden. Nun hat Franziska Giffey für klare Verhältnisse gesorgt. In einem Brief an die kommissarischen SPD-Vorsitzenden Malu Dreyer, Thorsten Schäfer-Gümbel und Manuela Schwesig teilte die Bundesfamilienministerin mit, nicht für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen.

Dreyer lobt Giffeys Geradlinigkeit

„Sie hat erklärt, dass sie nicht zulassen wolle, dass das anhängige Verfahren zur Überprüfung ihrer Doktorarbeit den Prozess der personellen Neuaufstellung der SPD überschattet“, bestätigte Malu Dreyer Giffey Entscheidung gegenüber dem „vorwärts“ und lobte ihre Geradlinigkeit, die dieser Schritt unterstreiche.

Laut FAZ erklärte Franziska Giffey zudem, als Bundesfamilienministerin zurücktreten zu wollen, sollte ihr die Freie Universität Berlin ihren Doktortitel aberkennen. Im Februar hatte die Internetseite „VroniPlag Wiki“ Unregelmäßigkeiten in Giffeys Dissertation „Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“ ausgemacht. Die Freie Universität überprüft seitdem die Vorwürfe. Mit einer Entscheidung ist erst im Herbst zu rechnen. „Solange eine Entscheidung nicht gefallen ist, konzentriert sich die Ministerin mit Freude und großem Engagement auf die Arbeit, die im Ministerium ansteht – so wie in den zurückliegenden Monaten auch“, teilte die Sprecherin des Familienministerium Ulla Fiebig mit.

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Kommentare

Franziska Giffey – Verzicht auf SPD Parteivorsitz

Kandidatur für SPD Parteivorsitz ade – sehr bedauerlich – aber auch nachvollziehbar. Charakter, Zielstrebig, Gradlinigkeit was einigen Politikern abhandengekommen zu sein scheint, zeichnen diese Sozialdemokratin aus. Mit der Aufgabe des Ministeramts, sollte der Plagiatsvorwurf nicht ausgeräumt werden, hinterlässt Franziska Giffey eine Lücke, die nicht so einfach geschlossen werden kann. Tatendrang etwas verändern wollen, gepaart mit Charm, Heiterkeit und viele gute Eigenschaften mehr verbleichen, wenn diese Frau von der politischen Bühne abtritt, ich hoffe auf ein Comeback Franziska.

Politische Demut kommt vor dem Aufstieg

Vielleicht hat Franziska Giffey es irgendwann Mal selbst geglaubt. Die Täuschung, die Selbsttäuschung. Darüber hinweg, dass so viele über unscheinbare Themen promoviert wurden, so dass ihr Thema über die Europäische Kommission und der politischen Teilhabe ihrer Bürger[innen] nicht weiter auffiele. Nichts spektakuläres, nichts was ihre Nachwelt bewegen würde, aber genug, um innerhalb der politischen Wissenschaften als eigenständige Wissenschaftlerin zu gelten.

Für die aktive Politik sollte dies kein Schaden und als Frau ihrer beruflichen Emanzipation zuträglich sein. Wären da nicht fragwürdige Fragmente, willkürliche Referenzierungen, unbotmäßige Zitierpraxis, fehlerhafte und doppelt ausgeführte oder veraltete Quellen mit zum Teil fehlenden Seitenangaben, nicht referenzierte Titel, Übersetzungsplagiate, Komplettplagiate, Verschleierungen und Bauernopfer.

Das passt ganz und gar nicht zu ihrem roten Law and Order Auftreten. Im Juni 2019 bringt sie sich noch als SPD Chefin ins Spiel. Da ist ihr noch nicht klar, dass es ohne Sühne keine Versöhnung gibt. Erstaunlich ist ihre Absage. Hätte sie nichts getan, wäre das Ergebnis das Gleiche.

Nun hat sie genügend Zeit zur Besinnung.

"Politische Demut"

Wer in einer Dissertation Zitate in erkennbarer Zahl nicht als Übernahmen kennzeichnet, hat nicht etwa Interpunktionsfehler gemacht, sondern betrogen.
Ich kann nicht nachprüfen, ob Frau Giffey dieser Vorwurf gemacht werden darf. Matias Leão Rau ab kann es: "Wären da nicht ... Quellen mit zum Teil fehlenden Seitenangaben, nicht referenzierte Titel, Übersetzungsplagiate, Komplettplagiate, Verschleierungen und Bauernopfer." Whow!!
VroniPlag Wiki hat auf 76 Seiten (= 37%) "Fremdtexte" festgestellt, die wenige Zeilen später "Plagiatstexte" heißen.

Vielleicht sollten wir etwas demütiger sein, nicht vorschnell urteilen, sondern die Überprüfung der Dissertation abwarten.

Haltung!

gibt es doch noch. Wer hätte das gedacht?

Sehr bedauerlich

Schade, schade, schade. Aber bei der SPD läuft seit geraumer Zeit alles schief, was nur schieflaufen kann. Für mich ist sie die Idealbesetzung als Parteivorsitzende, sie hätte die Schwächen des Partners in der Doppelspitze wettmachen können. Mit Blick auf die anderen Kandidaten-Paare bleibt nur Resignation.

Namen sind Schall und Rauch,

Namen sind Schall und Rauch, sagt man. Das sollten akadämliche Titel eigentlich auch sein. Warum gibt Frau Giffey ihren Doktortitel nicht freiwillig zurück und tritt dafür als SPD-Parteivorsitzende an?

Moderner Ablasshandel?

Moderner Ablasshandel?
Dann wäre sie auch nicht besser als Karl-Theodor, der von der SPD so stark kritisierte...

Auch wenn einzelne Ansätze

Auch wenn einzelne Ansätze der Familienpolitik von Franziska Giffey unterstützenswert sind/waren, war doch gerade, durch die unsinnige "schwarze Null" und ausbleibende Steuergerechtigkeit, keine konsequente und nachhaltige Behebung der Notstände in der Familienpolitik erkennbar !
Wenn das Geld u.a. wg. Scholz festhalten an der 0 ausbleibt (selbst führende Wirzschaftsinstitute warnen mittlerweile vor Scholz Investitiosnverzicht ) ist eine zukunftsgerichtete Familienpolitik gar nicht machbar ! Sinnvoller Personalschlüssel ist bei aktueller Gesetzgebung oft nur mit weiter notleidender Bausubstanz machbar ! Franziska Giffey steht genau wie Olaf Scholz für de Verbleib in der GROKO, die genau für diese bis heute nicht behobenen Missstände verantwortlich ist und nebenbei noch für den Niedergang unserer Partei !!! Es braucht einen grundlegenden Kurswechsel mit neuen mutigeren Anführer/innen !!!

Übertrieben ?!?

Die Titelhuberei verführt dazu wissenschaftlich nicht sorgfältig vorzugehen - aber es wirft auch ein Licht auf die Qualität unserer Universitäten. Es ist Aufgabe der betreuenden und bewertenden Professoren*** die Richtigkeit der eingereichten Arbeiten zu überprüfen (nicht die von Vroni). Ein Mangel der neoliberalen Doktorfabriken ?
Aber wem hat Frau Giffey geschadet - außer dem o.a. Ruf der Wissenschaft ? Hat irgendjemand schon den Rücktritt eines Finanzministers gefordert der mit der Nichtverfolgung von CUM**** Geschäften die Allgemeinheit um Milliarden geschädigt hat ?