Europawahlen 2019

Frans Timmermans: Gleichberechtigung muss im EU-Wahlkampf zentrales Thema sein

Julia KorbikKai Doering07. Dezember 2018
Um die Seele Europas kämfen: der designierte SPE-Spitzenkandidat Frans Timmermans
Um die Seele Europas kämfen: der designierte SPE-Spitzenkandidat Frans Timmermans
Am heutigen Freitag beginnt der SPE-Kongress in Lissabon. Im Vorfeld forderte der designierte Spitzenkandidat für die Europawahlen, Frans Timmermans, Gewalt gegen Frauen nicht länger hinzunehmen und aktiv für Gleichberechtigung zu kämpfen.

2019 stehen die Europawahlen an – und geht es nach Frans Timmermans, EU-Kommissions-Vizepräsident und designierter Spitzenkandidat der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE), sollte das Thema Gleichberechtigung dabei eine zentrale Rolle spielen. Auf der Konferenz der PES Women, der SPE-Frauenvereinigung, sagte Timmermans am Donnerstag in Lissabon: „Ich glaube, dass die feministische Sache zentral für den Kampf um Europas Seele ist.“

Keine Rückkehr in die 1950er Jahre

Die verschiedenen Mächte, die die EU zerstören wollten, hätten eine große Gemeinsamkeit: Sie versprächen den Menschen eine Rückkehr in die Vergangenheit. „Diese Mächte wollen Frauen wieder auf ihre Plätze verweisen, sie wollen männliche Privilegien wieder zurückbringen“, warnte der Niederländer. Seine eigene Mutter habe in den 50ern zu Hause bleiben müssen: Sie durfte nicht arbeiten, weil das Gesetz es ihr verbot. „Ich möchte nicht, dass meine beiden Töchter heute in der gleichen Situation sind wie meine Mutter damals.“ Der selbsterklärte Feminist („Feminist zu sein bedeutet nicht, dass ich mich weniger männlich fühle“) berichtete, auch er habe erst lernen müssen, seine männlichen Privilegien zu erkennen: „Die Dinge müssen sich ändern, aber erst muss man feststellen, dass wir hier über Privilegien sprechen.“

Laut Timmermans, der als Kind selbst Opfer von sexuellem Missbrauch wurde, könne und dürfe Gewalt gegen Frauen nicht toleriert werden – ob am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit oder zu Hause. „Es geht hier nicht um Sex“, sagte der 57-Jährige, „sondern um Wut und Vorherrschaft, darum, Frauen zurechtzuweisen, sie in ihre Schranken zu verweisen. Das können wir als europäische Sozialdemokratinnen und -demokraten nicht hinnehmen.“ Sollte er der nächste EU-Kommissionspräsident werden, werde einer seiner Arbeitssschwerpunkte das Thema Gleichberechtigung sein.

Den Europäern die Hoffnung zurückgeben

Es gehe nun darum, dass Frauen in ganz Europa verstünden, was bei den Wahlen 2019 auf dem Spiel stehe: „Es geht um ihre Zukunft, die Zukunft ihrer Kinder.“ Es gäbe noch so viel zu tun, der Weg zur Gleichberechtigung sei noch weit. Timmermans warb dafür, wählen zu gehen und das Kreuz bei einer Partei zu machen, die die feministische Sache unterstützt: „Und unsere Partei wird diese Sache immer unterstützen.“

Zuvor hatte der bei einem „Campaign Camp“ europäischer SPE-Aktivisten dazu aufgerufen, mit Leidenschaft in den Europawahlkampf zu ziehen. „Wir kämpfen für die Seele Europas und dafür brauche ich euch“, appellierte Timmermans an die vornehmlich jungen Menschen. Aufgabe der Sozialdemokraten sei es, „den Menschen in Euorpa die Hoffnung zurückzugeben“. Deutlich wandete sich Timmermans gegen jegliche nationalistische Tendenzen. „Wir müssen die Solidarität in Europa sicherstellen.“ Entscheidend für ein gutes Ergebnis der Sozialdemokraten sei vor allem eine hohe Wahlbeteiligung. „Wenn wir unsere Wähler überzeugen, wählen zu gehen, können wir ein sehr starkes Ergebnis holen.“

Der zweitägige SPE-Kongress beginnt am heutigen Freitag in der portugiesischen Hautstadt Lissabon. Die Wahl Timmermans zum Spitzenkandidat ist für den Samstag geplant.

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Kommentare

Feminist

Der EU-Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermann, also ein Mann direkt von der sozialdemokratischen Basis, outet sich als Feminist. Klar will von uns keiner in die 50er Jahre zurück und das erreichte in sachen Gleichstellung muss verteidigt und ausgebaut werden.
Aber wo bleibt die Antwort auf die soziale Frage von diesem Herren `? Das ist das was Frauen, Männern.....unter den Nägeln brennt ! Klassenkampf ist angesagt, um das linksliberale urbane Millieu-Gesülze kümmern sich schon die Grünen und die Kipping.

Zentrales Thema?

Thema verfehlt! Ungenügend- 6