Ausstellungseröffnung in Berlin

Fotoschau Nelson Mandela: Ein Präsident und Gentleman

Johanna Schmeller08. Juni 2018
Nelson Mandela bei seiner Rückkehr auf die ehemalige Gefängnisinsel Robben Island, 1994
Das Willy-Brandt-Haus würdigt den südafrikanischen Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela: Zum 100. Geburtstag sind beeindruckende Bilder aus dem Kampf gegen die Apartheid zu sehen.

„Ein Gewinner ist ein Träumer, der nie aufgibt“, hat Nelson Mandela einmal gesagt. Am 18. Juli hätte der erste schwarze Staatspräsident Südafrikas seinen 100. Geburtstag gefeiert. Seine Biografie ist die eines Mannes, der die Auseinandersetzung nie gesucht hat, dem Konflikt aber auch nie ausgewichen ist: Ihn trieb die Vorstellung an, dass Frieden in seinem von Apartheid und Rassenhass gezeichneten Heimatland denk- und damit lebbar ist.

Nun wird der große Staatsmann und Friedensnobelpreisträger in einer Schau im Willy-Brandt-Haus gewürdigt. 45 Fotografien von Jürgen Schadeberg und Louise Gubb sind zu sehen.

Einem Land heilen helfen

Schadebergs Schwarz-Weiß-Fotografien bilden vor allem die früheren Jahre ab. Als einer der ersten weißen Fotografen richtet er den Blick auf die Apartheid und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der schwarzen Bevölkerung. Den jungen Rechtsanwalt und ANC-Kämpfer Nelson Mandela begleitet er in den 1950er und 1960er Jahren.

Die Porträts der südafrikanischen Pressefotografin Louise Gubb leuchten in den Farben Afrikas. Sie fangen ab den frühen 1990er Jahren neben den offiziellen Terminen auch den persönlichen Charme und die Selbstironie Mandelas ein.

Mitte der 1990er Jahre kehrt Schadeberg dann gemeinsam mit Nelson Mandela auf Robben Island zurück, an jenen Ort also, wo der Friedensnobelpreisträger die ersten Jahre seiner insgesamt 27-jährigen Haftstrafe gefangen war.

Kein Hass, keine Feindschaft, keine Rache

Kurz nach seiner Haftentlassung wurde Mandela von Willy Brandt empfangen. Die SPD bot dem ANC als Schwesterpartei Unterstützung an. Der SPD-Politiker zeigte sich von Mandelas Persönlichkeit zutiefst beeindruckt: „Wer 27 Jahre lang nicht frei über sein Leben verfügt und dann aus dem Gefängnis kommt, hätte ein Recht darauf, verbittert zu sein oder wenigstens müde und des Kampfes überdrüssig“, so Brandt damals. „Aber hier ist einer gekommen, ohne Hass, ohne Feindschaft, ohne das Bedürfnis nach Rache, sondern mit dem Wunsch, den Teufelskreis aus Unterdrückung und Gewalt zu durchbrechen und ein von Rassenwahn zerrissenes, blutendes Land zusammenzuführen und heilen zu helfen.“

Gisela Kayser, Geschäftsführerin des Willy-Brandt-Hauses, würdigt Nelson Mandela bei der Ausstellungseröffnung als unbeirrbaren Vordenker revolutionärer Ideen: „Realität und Vision kommen in dieser Schau zusammen“.

Auch Dietmar Nietan, Vorsitzender des Freundeskreises des Willy-Brandt-Hauses, stellt Mandelas „Jahrhundertleistung“ beim Kampf gegen die Apartheid heraus – gegen diesen „Schandfleck der Menschheit“.