USA

„Fire and Fury“: Warum Trump die neuen Enthüllungen nicht schaden

Paul Starzmann04. Januar 2018
Donald Trump: Wir der neue US-Präsident Bewegung in den Syrien-Konflikt bringen?
Präsident Trump verstrickt sich immer weiter in Skandale. Doch ein Amtsenthebungsverfahren muss er nicht fürchten – vorerst.
Das neue Buch „Fire and Fury“ des Journalisten Michael Wolff liefert intime Einblicke in das Leben im Weißen Haus – und belastende Details zur „Russlandaffäre“. Trotzdem wird es Donald Trump politisch nicht schaden. Die Gefahren für ihn liegen woanders.

Das Buch ist noch nicht im Handel – und führt bereits die Beststeller-Liste von „Amazon“ an. „Fire and Fury“ (deutsch: Feuer und Wut) weckt schon vor dem offiziellen Erscheinungstermin am 9. Januar hohe Erwartungen. Das Buch bietet einen Einblick hinter die Kulissen des Weißen Hauses, im Internet kursieren bereits Auszüge. Der Inhalt: nicht weniger als „explosiv“, schreibt der britische „Guardian“.

Melania Trumps Tränen am Wahlabend

Tatsächlich verspricht das Buch, auf mehr als 300 Seiten eine Menge interessanter Details aus dem Leben im Weißen Haus zu enthüllen – etwa Anekdoten über die Eigenheiten des Präsidenten. Als Basis dienen rund 200 Interviews mit Trump persönlich sowie einer Vielzahl seiner Vertrauten.

Vieles jedoch, was vorab auf der Webseite des „New York Magazines“ zu lesen ist, überrascht wenig: So wird es niemanden wundern, dass weder Trump noch sein Team mit einem Wahlsieg rechneten – ging es damals doch den allermeisten so. Trump soll am Wahlabend im November 2016 sogar richtig geschockt gewesen sein. Seiner Frau Melania sollen die Tränen gekommen sein – „aber nicht aus Freude“, wie Wolff nun schreibt.

Donald Trumps Angst vor dem Giftmörder

Das Buch bietet viele solcher Details aus der Trump-Familie. So will Tochter Ivanka angeblich selbst eines Tages Präsidentin werden. Über Donald Trump heißt es hingegen, er fürchte sich im Weißen Haus, ziehe sich oft alleine im Schlafzimmer zurück, esse fast nur bei McDonald’s –  aus Angst vor einem Giftmörder.

Seit Trumps Amtseinführung drucken die US-Zeitungen viele solcher Geschichten. Einen Mangel an Quellen gab es in Washington noch nie. Das Problem bei all diesen Berichten: Sie stützen sich häufig auf ungenannte Personen aus dem Umfeld des Präsidenten und lassen sich, wie in „Fire and Fury“, oft nicht überprüfen.

„Fire and Fury“: in Teilen „schlichtweg falsch“

Der Autor des Buches, der 64-jährige Starjournalist Michael Wolff, ist umstritten. Manche beschreiben ihn als „Klatschkolumnisten“, der alles für eine gute Story tue. Wolff nehme es mit den Fakten nicht immer so genau, heißt es in der „Washington Post“. Für die Journalistin Maggie Haberman, die für die „New York Times“ aus dem Weißen Haus berichtet, sind manche Stellen in Wolffs Buch „schlichtweg falsch“. Kein Wunder, dass Trumps Team bereits versucht, das gesamte Buch als „fiction“ – als frei erfunden – darzustellen.

So könnte das Buch möglicherweise weniger politische Sprengkraft entfalten als die Gegner des Präsidenten hoffen. Das gilt auch für die Aussagen des ehemaligen Trump-Beraters Steve Bannon, der in „Fire and Fury“ ausführlich zu Wort kommt. Bannon erklärt in dem Buch detailliert, wie sich Trumps Vertraute 2016 mit einer russischen Anwältin trafen, um eine Schmutzkampagne gegen Hillary Clinton zu planen. Das damalige Meeting im New Yorker Trump-Tower sei „verräterisch“ und „unpatriotisch“ gewesen, so Bannon.

Bringt das Buch Neues zur „Russlandaffäre“?

Weil genau dieses Treffen aus dem Jahr 2016 im Mittelpunkt der „Russlandaffäre“ um Trump steht, bewerten viele Journalisten das neue Enthüllungsbuch als politisch brisant. Seit Monaten geht das FBI einer möglichen Einmischung Russlands in die US-Wahlen nach. Sicher wird FBI-Sonderemittler Robert Mueller jetzt Bannons Aussagen in „Fire and Fury“ mit großem Interesse lesen. Ob er damit jedoch den Verdacht gegen Trump und dessen Vertraute erhärten kann?

Politisch wird das Enthüllungsbuch den Präsidenten sicher nicht zu Fall bringen. Der Kern seiner Anhänger steht ohnehin bedingungslos hinter Trump, die Republikaner stützen ihn weiterhin – teils aus Überzeugung, teils aus Machtkalkül. Die amerikanische Öffentlichkeit scheint sich außerdem an Trumps Verhalten gewöhnt zu haben. Die Hetze und Prahlerei – was aus dem Weißen Haus kommt, kann nur noch wenige wirklich schockieren.

Entgegen der Erwartungen mancher Journalisten werden auch die neuen Enthüllungen aus „Fire and Fury“ in Washington wohl nichts verändern. Zugleich wird in dem Buch deutlich, wie wenig Donald Trump tatsächlich vom politischen Geschehen um ihn herum versteht. Er kenne nicht einmal die ersten Artikel der US-Verfassung, heißt es. Selbst die einfachsten Zusammenhänge überforderten ihn. Vielleicht ist das aktuell die größte Gefahr, die es für seine Präsidentschaft gibt – aber auch für den Rest der Welt.

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Kommentare

Trump

Warum muss man tagtäglich auf allen Kanälen etc. diese Visage eines derartigen Chaoten ertragen? Reicht es nicht, dass er die Welt unsicherer macht und bei denen, die ihn gewählt haben, permanent präsent ist?
Dafür müssen die Medien doch nicht sämtliche seiner blöden Sprüche mit seiner widerlichen Visage verbreiten.

Na warum wohl – bad news sells!

Aus dem selben Grund wie wir dauernd, jede Woche aufs Neue die Visage des Massenmörders A.H. hinnehmen müssen. „Only, bad news sells!“ Das Konterfei dieses Mannes verspricht Aufmerksamkeit, wie eben auch das Konterfei und die Verbalinjurie des D.Trumps. Des Größten Präsidenten aller Zeiten, der sich selbst als Genius bezeichnet – irgendwas stimmt mit der Demokratie nicht, wenn sie doch zur Drehtür von Autokraten taugt.

Wir sollten an unsere Aufmerksamkeitskutur arbeiten, d.h.an der Bildung und das was wir landläufig unter Aufklärung subsumieren. Hier liegen die Defizite und wohl auch die Verantwortung derer die sich selbst als Meinungsbildner bezeichnen.

D.Trump wäre wohl nicht so stark, wäre er auch von CNN nicht so gedankenlos oft thematisiert worden. Und A.H. muss sich nicht fürchten im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit in Vergessenheit zu geraten, so lange der Spiegel immer wieder mit ihm seine Auflagen steigert. Er ist eben immer noch und eben nicht wieder da, weit über sein unrümliches Ende hinaus, wohl auch weil viele das so wollen.