Vom Bundespräsidenten ernannt

Ferda Ataman: Wofür die neue Antidiskriminierungsbeauftragte steht

Jonas Jordan12. Juli 2022
Ferda Ataman ist Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung.
Ferda Ataman ist Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung.
In der vergangenen Woche wurde sie vom Bundestag gewählt. Seit diesem Dienstag ist Ferda Ataman als erste Antidiskriminierungsbeauftragte im Amt. Doch wer ist die Publizistin eigentlich und wofür steht sie?

Es ist eine Personalie, die im politischen Berlin in den vergangenen Wochen heiß diskutiert wurde. Nun ist Ferda Ataman offiziell im Amt, als Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung. Die Stelle war 2006 nach Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) neu geschaffen worden. In den vergangenen vier Jahren war sie jedoch nicht besetzt, da im Jahr 2018 eine Mitbewerberin gegen die Ernennung von Nancy Böhning (SPD) seitens des Bundesfamilienministeriums geklagt hatte. In diesem Jahr wurde die „Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung“ erstmals vom Bundestag gewählt.

Ataman: „Ich werde schon mein Leben lang gefragt, wo ich herkomme.“

Mit den Stimmen der Ampel-Koalition von SPD, Grünen und FDP fiel die Wahl schließlich auf die vom Bundesfamilienministerium vorgeschlagene Ferda Ataman. Die 42-jährige Publizistin ist künftig als Leiterin der Antidiskriminierungsstelle zuständig für den Schutz vor Diskriminierung von Personen aufgrund ehtnischer Herkunft, Religion/Weltanschauung, Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung, Lebensalter oder Behinderung.

Ataman selbst wurde in Stuttgart geboren und wuchs in Nürnberg als Tochter türkischer Gastarbeiter*innen auf. Über ihre eigenen Erfahrungen schrieb sie unter anderem in ihrem 2019 erschienen Buch „Hört auf zu fragen! Ich bin von hier“. Darin schreibt Ataman: „Ich werde schon mein Leben lang gefragt, wo ich herkomme, nur weil ich Ferda heiße.“ Humoristisch überspitzt schildert sie beispielsweise, wie sie während ihres Studiums in Franken schon vormittags in der Mensa Schweinebraten aß, um als „integriert“ akzeptiert zu werden.

Vorsitzende der Neuen Deutschen Medienmacher*innen

Nach ihrem Studium arbeitete sie zeitweise für den damaligen Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, ehe sie als Publizistin, Kolumnistin und Autorin tätig war. Zudem leitete Ataman bereits von 2010 bis 2012 das Referat Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und von 2012 bis 2016 den „Mediendienst Integration“, einen Informationsdienst des Rates für Migration für Journalist*innen. Seit 2018 ist Ataman Vorsitzende des Vereins „Neue Deutsche Medienmacher*innen“, den sie zehn Jahre zuvor gemeinsam mit anderen Journalist*innen mit Migrationshintergrund gegründet hatte.

Wobei Ataman selbst in ihrem Buch kritisch mit dem erst vor knapp 20 Jahren in der Medienöffentlichkeit etablierten Begriffs des Migrationshintergrunds umgeht. „Manche Menschen haben zwei Arme, zwei Beine und einen Migrationshintergrund“, schreibt sie darin unter anderem. Auch um für weniger Diskriminierung zu sorgen, fordert sie eine neue Integrationspolitik, ein besseres Verständnis von Rassismus und Chefpositionen künftig nicht mehr nur mit weißen Männern zu besetzen.

Große Unterstützung aus der SPD-Fraktion

In ihren Artikeln und Kolumnen verwendet Ataman häufig eine zuspitzende, teils drastische Sprache. Kritisiert wurde daher vor ihrer Wahl zur Antidiskriminierungsbeauftragten vor allem eine Kolumne aus dem Jahr 2020, die sich mit der Bezeichnung „Kartoffel“ für Deutsche ohne Migrationshintergrund beschäftigte. Dies wurde insbesondere von konservativer und rechtspopulistischer Seite als diskriminierend gewertet.

Wohingegen Ataman innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion auf große Unterstützung stieß. Zwei Tage vor ihrer Wahl stellte sie sich in einer Sitzung der Fraktion vor. Die Rückmeldungen waren daraufhin einhellig positiv, wie die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin Katja Mast tags darauf in einem Pressegespräch berichtete. 

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Kommentare

wenn schon die Frage nach der Herkunft

den Diskriminierungsreflex auszulösen vermag, müssen wir uns alle als Opfer von Diskriminierung betrachten. Auch mir wird diese Frage immer wieder gestellt. Sie beruht auf einem persönl9ichen Interesse des Fragenden, mitunter überbrückt diuese Frage auch ein stockendes Gespräch im Smalltalt. "Ich komme aus Celle, das ist eine Stadt nicht weit von Hannover ......"
Es ist leicht, das Gespräch daran anknüpfend fortzusetzen, wenn man denn mag. Sonst sagt man. "Das geht Sie gar nichts an".

Wer sich gerne als Opfer von Irgendwas geriert, kann in dieser Frage natürlich auch eine vollständige Infragestellung seiner Daseinsberechtigung sehen.
das ist zulässig, aber im Ergebnis abwegig und in der Sache sicher nicht hilfreich

Und woher genau?

Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber der Unterschied liegt vermutlich darin, dass bei Ihnen niemand mehrfach nachfragt: Und woher genau? Aber wirklich? Und Ihre Eltern? Aber Sie sehen gar nicht aus, als würden Sie aus Celle kommen?

nein, ich were immer wieder gefragt,

und denke, es liegt einfach daran, dass ich ein interessanter Mensch bin, und viele Leute versuchen, mit mir ins Gespräch zu kommen

ehe ich vergesse,

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Ich wurde auch schon

Ich wurde auch schon unzählige Male nach meiner Herkunft gefragt, sah das bisher eher als Interesse an meiner Person. Gut, dass ich nun weiß, dass ich mit dieser Frage diskriminiert werde.
Von ihrem für "biodeutsche" Ohren ebenso fremd klingenden Namen wie Kevin, Solveig, Boris, Justine oder Mercedes abgesehen sehe ich auf den Fotos immer eine Frau, wie sie hier zu tausenden rumlaufen: Weiß, vermutlich deutsch. Keineswegs vermittelt sie den EIndruck von "Migrationshintergrund" - was für ein Un-Wort!
Wenn sie wirklich etwas gegen Diskriminierung tun will, dann sollte sie für eine klare und eindeutige Sprache stehen, die für alle verstehbar ist, keine "Gendersprache", die viele Menschen - keineswegs nur "Dummies" - vom Verständnis ihrer Muttersprache ausschließt!

ja, das ist sicher so, aber

besser wir schweigen alle, dann machen wir auch nichts, das gegen uns ausgelegt werden kann.