SPD Baden-Württemberg

Fall Löbel: „Ich habe damit gerechnet, dass er über einen Skandal stolpern wird“

Jonas Jordan11. März 2021
Isabel Cademartori ist Bundestagskandidatin der Mannheimer SPD.
Isabel Cademartori ist Bundestagskandidatin der Mannheimer SPD.
Schon ihr Großvater war in Chile Wirtschaftsminister unter Salvador Allende. Das hat sie sehr geprägt, sagt Isabel Cademartori. Nach dem Fall Löbel will sie für die Mannheimer SPD das Direktmandat zurück erobern und in den Bundestag einziehen.

Was haben Sie gedacht, als Sie vom Fall Löbel erfahren haben?

Isabel Cademartori: Ich war ziemlich schockiert und entsetzt. Einerseits hat es mich überrascht, weil ich sein Verhalten wirklich unmoralisch finde. Andererseits hat es mich aber auch nicht ganz so überrascht, weil ich ihn seit Jahren beobachte und er immer wieder durch kleinere und größere Grenzüberschreitungen auffiel. Insofern habe ich eigentlich immer damit gerechnet, dass er eines Tages über einen Skandal stolpern wird, aber dass er sich ausgerechnet an der Pandemie bereichert, damit habe ich dann doch nicht gerechnet.

Sie haben schon im vergangenen Sommer finanzielle Transparenz im Hinblick auf den Wahlkampf von ihm gefordert. Gab es da bereits Anzeichen?

Es war immer klar, dass er mit ziemlich großen Budgets arbeitet und sehr viele Spendengelder bekommt. Das war für uns nicht immer nachvollziehbar, woher diese Gelder stammen und wer ihn alles warum so großzügig finanziell unterstützt. Auch die Aserbaidschan-Connection der CDU ist schon länger ein Thema. Bereits als Chef der Jungen Union hat Löbel Sponsorengelder aus Aserbaidschan geworben.

Hat er aus Ihrer Sicht nun die richtigen Konsequenzen gezogen?

Letztendlich ja. Allerdings musste er mit extrem viel Druck erst dazu gebracht werden. Das hat dem Ganzen noch mal die Krone aufgesetzt. Neben der riesigen Verfehlung, die es war, diese Masken gegen Provision zu vermitteln, kam das absolut katastrophale Krisenmanagement hinzu. In so einer Situation empfiehlt es sich, möglichst schnell reinen Tisch zu machen und Transparenz zu schaffen. Das hat er nicht von sich aus gemacht. Und vollständige Transparenz steht bei der CDU Mannheim auch noch aus.

Am Sonntag ist Landtagswahl in Baden-Württemberg. Hilft der SPD die Löbel-Affäre auf den letzten Metern?

Das wird sich zeigen. Ich bin nicht sicher, ob das direkt bei der SPD einzahlt. Im Gegenteil: Ich befürchte, dass diese Affäre generell den Parteien und der Demokratie schadet. Es trägt dazu bei, dass das Vertrauen in Politiker grundsätzlich beschädigt wird. Auch deshalb ist es so verwerflich.

Weg von Löbel, hin zu Ihnen – warum kandidieren Sie für den Bundestag?

Ich bin Stadträtin in Mannheim und übernehme hier für die SPD politische Verantwortung. Ich habe den Anspruch, unsere Stadt sozial zu gestalten. Mit meiner Kandidatur verbinde ich ein Angebot für einen neuen Stil, einen neuen Aufbruch, aber mit klassisch sozialdemokratischen Themen. Es geht um eine Wirtschaft, die uns Sicherheit bietet, um ein Miteinander, um eine Sozialpolitik, die den Menschen Chancen bietet. Und ich möchte die Zukunft so gestalten, dass unsere Kinder auch noch gut auf dieser Welt leben können.

Bei der Wahl 2017 hat die SPD in Mannheim das beste Erststimmenergebnis in Baden-Württemberg erreicht. Erobern Sie jetzt das Direktmandat zurück?

Wir haben diesen Anspruch als Sozialdemokraten in Mannheim. Letztes Mal war es sehr knapp. Es hilft natürlich immer, wenn die Konkurrenz geschwächt ist. Trotzdem glaube ich, dass man etwas vorsichtig sein muss mit zu vielen Erwartungen und Euphorie. Denn es ist noch ein langer Weg bis September. Wir sehen uns inhaltlich und personell gut aufgestellt ganz unabhängig davon, was bei der CDU noch passieren mag.

Sie sind erst zum Studium nach Mannheim gezogen, sollen aber in der Uni berüchtigt dafür gewesen sein, dass niemand in Ihrer Gegenwart schlecht über die Stadt reden durfte. Was gefällt Ihnen so an Mannheim?

Wahl-Mannheimer sind oft die überzeugteren Mannheimer. Mannheim ist eine sehr interessante Stadt. Es ist traditionell eine Arbeiter- und Industriestadt gewesen, die nun mitten im Strukturwandel hin zu einer Kreativmetropole steckt. Sie bietet ganz viel Kultur, viele junge Menschen wohnen hier. Auch die Start-Up-Szene ist stark vertreten, sowie renommierte Forschungseinrichtungen – und das alles in Kombination mit einer nach wie vor starken und innovativen Industrie. Wir haben eine sehr vielfältige Bevölkerung mit Menschen aus 170 Ländern. Das alles zusammen genommen gibt eine interessante Mischung

Ihr Großvater war Wirtschaftsminister in Chile unter Salvador Allende. Inwieweit hat Sie das geprägt? War dadurch Ihr Weg zur Sozialdemokratie vorgezeichnet?

Das hat mich auf jeden Fall sehr geprägt. Politik hat die Geschichte meiner Familie bestimmt. Auch weil meine Familie aus Chile fliehen musste und erst später wieder zurückkehren konnte. Das hat natürlich auch dazu geführt, dass ich links bin und mich für soziale Gerechtigkeit und einen starken Sozialstaat engagiere, was mein Opa auch getan hat, auch wenn er in manchen Fragen politisch noch etwas weiter links steht als ich. Meine Mutter wiederum ist in der DDR groß geworden. Das hat mich von der anderen Seite der Familie her auch sehr geprägt. Deswegen fühle ich mich bei der Sozialdemokratie sehr gut aufgehoben – ein starker Sozialstaat und eine liberale Demokratie gehören für mich zusammen.

Bei seiner Sommertour machte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil im vergangenen Jahr in Mannheim Halt. Ziel war es unter anderem, eine junge, vielfältige, engagierte SPD sichtbar zu machen. Ehrt Sie das?

Ich freue mich über das Interesse und den Zuspruch. Inzwischen war er auch noch mal da, um uns bei der Landtagswahl zu unterstützen. Ich glaube, es gefällt ihm bei uns. Ich glaube aber auch, dass wir sehr gute Arbeit machen, sodass Leute aus Berlin bei uns immer eine gute Zeit haben, positive Energie erleben und auf eine starke SPD treffen, die sehr kompetent, vielfältig und nah bei de Leut ist.

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