Rechtsextremismus

Falken in Berlin-Neukölln: Im Visier von Neonazis

Robert KieselTheo Schneider17. Oktober 2016

Eine Kooperation mit bnr.de

Brandanschlag auf Falken in Neukölln
Der Wagen der Geschäftsführerin des Anton-Schmaus-Hauses der Falken in Berlin-Neukölln wurde bei der Attacke schwer beschädigt.
Berlin-Neukölln gilt als Hochburg der linksalternativen Szene. Dennoch haben genau dort auch rechtsextreme Strukturen eine lange Tradition. Letztere stehen nun im Verdacht, den Wagen einer Falken-Angestellten angezündet zu haben.

Nach einigen Jahren der Ruhe sind die Falken in Berlin-Neukölln erneut Ziel eines mutmaßlich von Rechtsextremen verübten Brandanschlags geworden. Diesmal traf es den PKW der Geschäftsführerin des Anton-Schmaus-Hauses, in dem die Falken ihren Sitz haben. Der Wagen wurde in der Nacht von Freitag auf Samstag angezündet und stark beschädigt. Das Anton-Schmaus-Haus wiederum war bereits 2011 wiederholt Ziel von Brandanschlägen, bei denen das Gebäude erheblich beschädigt wurde. Trotz zusätzlicher Sicherungsmaßnahmen gab es auch 2012 noch Sachbeschädigungen und Drohungen an der Einrichtung.

Kommen die Täter aus dem Bezirk?

Zur Attacke vom vergangenen Wochenende erklärte Tim Haverbeck, Vorsitzender der Neuköllner Falken: „Wir gehen davon aus, dass auch dieser feige Brandanschlag von Neonazis verübt wurde. Wir wissen, dass wir mit unserer demokratischen Kinder- und Jugendarbeit immer noch im Fadenkreuz von Rechtsextremisten sind.“

Tatsächlich gibt es Anzeichen dafür, dass die Täter aus dem Umfeld lokaler rechtsextremer Strukturen kommen. Auf der Facebook-Seite der rechtsextremen Gruppe „Freie Kräfte Berlin Neukölln“ war im August eine Karte unter der Überschrift „Neukölln wehrt sich gegen Linksextreme“ aufgetaucht. Darauf vermerkt: Einrichtungen demokratischer Parteien und der linksalternativen Szene inklusive deren Adressen. Neben vielen anderen waren darauf auch die Neuköllner Falken und ihre Zentrale in der Gutschmidtstr. 37 vertreten. Kommentiert hatten die „Freien Kräfte Berlin Neukölln“ ihren Post mit dem Aufruf: „>>>TEILEN<<<, damit jeder weiß, wer der Feind ist und wo er seine Räumlichkeiten hat.“

Eine neue „Feindesliste“ in Neukölln

Beobachter der Szene weisen auf die Ähnlichkeit der Karte zu einer vor Jahren auf der inzwischen gelöschten Internetseite der Gruppe „Nationaler Widerstand Berlin“ aufgetauchten „Feindesliste“ hin. Darauf waren Einrichtungen und Personen mit Namen und Adressen aufgelistet, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagieren. In der Folge gab es vermehrt Attacken, die sich bis ins traditionell linksalternativ geprägte Kreuzberg erstreckten. Die Palette der Attacken reichte von zugeschmierten Schlössern und Schließanlagen über mit Steinen eingeworfene Fensterscheiben bis hin zu Brandanschlägen wie jenen auf das Anton-Schmaus-Haus.

Weil weder für die damaligen Taten noch für die Anschläge aus der jüngeren Vergangenenheit Verdächtige ermittelt wurden, werten Beobachter die nun aufgetauchte Karte als ernstzunehmede Bedrohung für Aktivisten und Einrichtungen in Berlin Neukölln. Tatsächlich waren bereits im Sommer und damit noch vor Erscheinen der Karte auf Facebook zwei PKW mit Bezug zu SPD und Falken angezündet worden. Darüber hinaus kam es im Sommer zu mehreren rechtsmotivierten Sachbeschädigungen an Privatadressen und Lokalen.

Falken: „Wir sind das Bollwerk gegen Nazis!“

Die Falken selbst machten am Montag nach der Attacke deutlich, sich nicht einschüchtern lassen zu wollen. Vorsitzender Haverland erklärte: „Hetze, Hass und Gewalt werden auf unseren entschiedenen Widerstand treffen. Verbrechen wie diese sind uns ein Ansporn, unsere Arbeit noch zu verstärken. Wir sind das Bollwerk gegen Nazis!“

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