Manifest für ein Europa von unten

„Wir sind Europa!“

Marisa Strobel07. Mai 2012

Sie fordern ein „Europa von unten“. Der Soziologe Ulrich Beck und der Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit haben deshalb zusammen mit der Allianz Kulturstiftung ein Manifest für eine Neugründung Europas initiiert. Als Antwort auf die Schuldenkrise in Europa plädieren sie für ein „Freiwilliges Europäisches Jahr“.

„Wir haben ein Europa der Sonntagsreden und ein Europa der Institutionen, aber wir haben kein Alltagseuropa“, kritisiert Beck. Und genau das wollen die Initiatoren des Manifests mit ihrem Aufruf ändern. Die Wirtschaftskrise in Europa könne zu einer Geburtstunde einer neuen Identifikation werden, erläutert Beck die Idee.

Mit einem „Freiwilligen Europäischen Jahr“ sollen Teilnehmer nicht nur in einem anderen europäischen Land lernen, sondern Europa leben. Ab 2014 ist zudem das Programm „Erasmus für alle“, einem Austauschprogramm für unter anderem Schüler, Studenten und Lehrer, geplant. „Doing Europe“ nennen das Cohn-Bendit und Beck. Die Idee dahinter: „Europäische Identität erfahren und das Europa von morgen aktiv mitgestalten“, wie auf der Internetseite zum Manifest zu lesen ist.

Finanziert werden sollen die Programme zu einem Teil durch EU-Kommission, nationale Haushalte und Wirtschaft. Um die ergänzende Finanzierung soll sich jeder Teilnehmer selbst kümmern. Das Projekt solle schließlich Eigeninitiative und Bürgersinn stärken, so Michael Thoss, Leiter der am Manifest beteiligten Kulturstiftung des Versicherungskonzerns Allianz.

Am 3. Mai in Berlin vorgestellt erschien das Manifest in den darauf folgenden Tagen europaweit in Tages- und Wochenzeitungen. Unterzeichnet ist das Manifest von rund 100 europäischen Intellektuellen, unter ihnen Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, die Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan sowie Filmemacher Wim Wenders und der Philosoph Jürgen Habermas.

Manifest zur Neugründung Europas von unten: http://manifest-europa.eu/

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