Klimawandel

Das sind die Ergebnisse der Klimakonferenz in Marrakesch

René Kieselhorst21. November 2016
Mit dem Beschluss eines Zeitplans zur Umsetzung der Klimaschutzziele von Paris ist am Wochenende die Weltklimakonferenz in Marokko zu Ende gegangen. Knapp 50 Staaten kündigten an, ihre Energieversorgung bis 2050 komplett auf Erneuerbare umzustellen. Trotzdem blieben wichtige Fragen offen.

Die 22. UN-Klimakonferenz (COP) in Marrakesch ist am Wochenende zu Ende gegangen. Ein Jahr nachdem das Pariser Abkommen beschlossen wurde, sollten in Marokko erste Schritte für dessen Umsetzung beschlossen werden – denn wie genau das Ziel erreicht werden soll, die globale Erwärmung auf „unter 2 Grad Celsius und möglichst 1,5 Grad Celsius“ zu begrenzen, ist noch nicht klar. Die nationalen Klimaschutzziele, die von den Ländern bisher vorgelegt wurden, erreichen das globale Ziel zusammengerechnet noch lange nicht.

Große Erwartungen in Marokko

Auch wenn von Anfang an klar war, dass diese Konferenz nur Zwischenschritte vorbereiten soll, wurden im Vorfeld viele Meilensteine angekündigt: als „Klimakonferenz auf afrikanischem Boden“, die besonders auf Maßnahmen fokussiert, die helfen sollen, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen, und als „COP of Action“, bei der wichtige Schritte gemacht werden sollten, um die Umsetzung des Pariser Abkommens voranzutreiben.

Letztlich hat ein anderer Faktor diese Klimakonferenz wohl jedoch doch am meisten geprägt: Die Präsidentschaftswahl in den USA. Auch eine Woche danach war die Unsicherheit über die Folgen noch spürbar. Die Ländervertreter versicherten zwar immer wieder, dass das Klimaabkommen auch nach einem Austritt der USA ohne Probleme weiterlaufen würde und alle Länder betonten, dass sie weiter hinter dem Abkommen und ihren Zielen stehen. Doch fast jeden Tag gab es neue Gerüchte, dass Trumps Übergangsteam ankündigen wird, wann sie das Pariser Abkommen – oder sogar die komplette UN-Klimarahmenkonvention – verlassen werden.

Die Angst vor einem US-Präsidenten Trump

Der scheidende US-Außenminister John Kerry betonte vor Ort nachdrücklich, „dass bestimmte Aufgaben, wenn man erstmal gewählt wurde, anders als im Wahlkampf angekündigt angegangen werden müssen“ und die Staatengemeinschaft hat eine Erklärung verfasst, in der sie noch einmal die Wichtigkeit des Pariser Abkommens und des Kampfes gegen den Klimawandel betont – und die durchaus als indirekte Botschaft an den kommenden US-Präsidenten verstanden werden kann.

Denn auch wenn das Pariser Abkommen ohne die USA weiterbestehen würde, würde der „Geist von Paris“ den es erzeugt hat und der sowohl Länder als auch Industrie zu stärkeren Klimaschutzinitiativen motiviert, wohl empfindlich beschädigt werden. Im letzten Jahr haben immerhin 111 Staaten in Rekordgeschwindigkeit das Abkommen ratifiziert, sodass es vier Jahre früher als erwartet in Kraft treten konnte.

Viele Länder sind enttäuscht von Marrakesch

Neben dieser Erklärung haben die Länder sich in Marrakesch darauf geeinigt, ihre nationalen Klimaschutzziele ab dem kommenden Jahr regelmäßig zu überprüfen und bis 2018 Pläne vorzulegen, wie sie diese verstärken können. Bis 2018 sollen auch Transparenzregeln vereinbart werden, nach denen Länder ihre zukünftigen Klimaschutzpläne gestalten, damit diese besser miteinander vergleichbar sind – denn bisher beziehen sie unterschiedliche Sektoren ein, in denen CO2 entsteht, oder beziehen sich auf verschiedene Zeiträume, sodass ein direkter Vergleich und eine Bewertung zwischen den Ländern sehr schwierig ist.

Die Konferenz in Marokko hat mit ihren Ergebnissen zwar erste Schritte hin zu einem gemeinsamen Klimaschutzfahrplan gemacht, aber viele Länder sind trotzdem nicht zufrieden, da die meisten kritischen Entscheidungen auf die kommenden zwei Jahre vertagt wurden und nur ein grober Zeitplan festgelegt wurde. Doch die Konferenz hat auf anderer Ebene viel mehr geliefert: Einzelne Staaten und auch immer mehr Regionen und Gemeinden legen neue Initiativen vor, weil Ihnen der internationale Prozess zu langsam vorangeht.

Positive Reaktionen auf deutschen Klimaschutzplan

So haben in der zweiten Verhandlungswoche mit Deutschland, den USA, Kanada und Mexiko vier Länder erstmals Langzeitziele vorgelegt, wie sie bis 2050 ihre nationale Klimapolitik planen wollen. Und auch wenn sich die Debatte in Deutschland vor der Konferenz noch stark um die Braunkohlefrage gedreht hat, wurde die Verabschiedung des deutschen Klimaschutzplans international als wichtiges Zeichen gesehen und von den Konferenzteilnehmern sehr positiv aufgenommen.

Am meisten Aufmerksamkeit gab es aber für die Ankündigung des „Climate Vulnerable Forums“, eines Zusammenschlusses von 47 Staaten, dass sie bis spätestens 2050 ihre Energieversorgung komplett auf Erneuerbare Energien umstellen wollen. Diese Länder haben sich außerdem dazu verpflichtet, ihre nationalen Klimaschutzpläne in den kommenden Jahren zu überarbeiten um das gemeinsame Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, doch noch zu erreichen. Dieser Impuls, der gerade von den ärmsten Ländern ausgeht, hat ein wichtiges Zeichen in die Verhandlungen gesendet.

Fidschis Einladung an Donald Trump

Die kommende Klimaschutz-Konferenz im November 2017 wird zwar in Deutschland stattfinden, aber von Fidschi organisiert werden. Der Inselstaat leidet selbst besonders unter den Folgen des Klimawandels. Fidschis Regierungschef Frank Bainimarama hat Klimaskeptiker Donald Trump eingeladen, sich vor Ort die Menschen und Gemeinden anzusehen, die ihr Land bereits wegen des Meeresspiegelanstiegs verlassen mussten. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, inwiefern sich die globalen Machtverhältnisse weiter entwickeln – und welche Folgen dies auf den Kampf gegen den Klimawandel haben wird.

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