Gedenktag

Emma Ihrer: Entschlossene Kämpferin für Frauenrechte

Die Redaktion06. März 2007
Emma Ihrer
Emma Ihrer ist begraben auf der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde.
Emma Ihrer engagierte sich entschlossen für die Rechte der Arbeiterinnen und machte sich damit viele Feinde. Am 3. Januar wäre sie 161 Jahre alt geworden.

Emma Ihrer wurde am 3. Januar 1857 in Glatz geboren. Sie heiratete den Apotheker Emanuel Ihrer. 1887 war die damals dreißigjährige Emma Ihrer, die sich seit einigen Jahren für die Interessen der Arbeiterinnen engagierte, mit ihrem Mann nach Velten nahe Berlin gezogen.

Emma Ihrer, die „sozialistische Agitatorin“

Emanuel Ihrer hatte die Konzession erhalten, dort eine Apotheke zu eröffnen. Aus Velten wurden die Kacheln für die Berliner Öfen geliefert, Ende des 19. Jahrhundert boomten die Aufträge und Velten war eine aufstrebende Berliner Vorstadt. Durch Emma Ihrer wurde Velten 1890 zur Geburtsstätte der berühmten Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“, die ab 1892 von Clara Zetkin in Stuttgart weitergeführt wurde. Die Veltener Apothekergattin, in Polizeiakten als „sozialistische Agitatorin“ geführt, gehörte 1891 auch zu den Begründern der „Generalkommission der Gewerkschaften“, dem Vorläufer des DGB.

Dabei ging es ihr nicht nur um die gleichberechtigte Mitwirkung der Frauen in den Gewerkschaften. Sie sah auch die Nöte der Veltener Ziegel- und Ofenarbeiter und organisierte gewerkschaftliche und sozialdemokratische Veranstaltungen in Velten. Auch ein „geselliger Frauenverein“ wurde von ihr in Velten gegründet. Kein Wunder, wenn die Stadtoberen dieses Treiben nicht gerne sahen und wohl nicht wenige Veltener Bürger froh waren, als sie schließlich verzog.

Vorbild vieler Arbeiterinnen

„Velten ist am gestrigen Tage um zwei berühmte Personen ärmer geworden. Emma Ihrer wanderte gen (Berlin) Pankow und Gendarm Ahrens an die niederländische Grenze. Beide Persönlichkeiten zogen, solange sie in Velten waren, auf Kriegspfaden gegeneinander.“ Das meldete am 1. Mai 1894 die „Veltener Zeitung“. Das „aufrührerische Wirken“ seiner Frau hätte Emanuel Ihrer beinahe seine Apothekenkonzession gekostet. Bevor sie ihm von den staatlichen Behören entzogen wurde, verkaufte er sie 1894 und zog mit seiner Gattin nach Pankow, wo Emma Ihrer bis zu ihrem frühen Tod 1911 politisch weiter wirkte.

Die „Concordia“-Apotheke existiert bis heute in der Breitenstraße in Velten. Und eine Straße trägt den Namen Emma Ihrers. Der Polizist Ahrens wurde strafversetzt, weil er gegen die „sozialistische Agitatorin“ den Kürzeren gezogen hatte. 1911 wurde Emma Ihrer auf dem Friedhof der Sozialisten in Berlin beigesetzt. Emma Ihrer war eine Frau der Tat, die mit vielen Frauenvereinsgründungen zum Selbstbewusstsein besonders der Arbeiterinnen beitrug.

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