Gesundheitsreform mit gravierenden Folgen

Einstieg in die Drei-Klassen-Medizin

Vera Rosigkeit12. November 2010

Für sämtliche Kostensteigerungen im Gesundheitssystem werden danach künftig Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Kasse gebeten. "Die Arbeitgeber sitzen ab heute nicht mehr mit im Boot",
kritisierte die stellvertretende
SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Ferner. Die Versicherten seien dem finanziellen Druck einzelner Leistungserbringer schutzlos
ausgesetzt und hätten damit niemanden mehr an ihrer Seite, der mit ihnen auf die Kostenbremse treten würde, fügte sie hinzu.

Ende der Solidarität

Ulrike Mascher, Präsidentin vom Sozialverband VdK Deutschland, verurteilt das Einfrieren des
Arbeitgeberbeitrags bei 7,3 Prozent als schwerwiegenden Fehler. "Viele Krankheiten sind nachweislich verursacht durch erhebliche Belastungen am Arbeitsplatz, vor allem durch Stress und steigende
Arbeitsverdichtung. Deshalb dürfen die Arbeitgeber bei der Finanzierung der steigenden Gesundheitskosten auch in Zukunft nicht außen vor bleiben," sagte sie.

Auch sei das System einer Vorkasse beim Arzt kein geeignetes Mittel, um Kosten im Gesundheitswesen transparent zu machen, ist Mascher überzeugt. Und Elke Ferner warnt mit dem Übergang vom
Sachleistungsprinzip zur Vorkasse vor der Einführung in die Drei-Klassen-Medizin: "First Class für Privatversicherte, Business für Patienten mit Vorkasse und Holzklasse für die
Standard-GKV-Versicherten."

Gleichzeitig erhalte die Private Krankenversicherung eine Frischzellenkur, auf Kosten der GKV-Versicherten. Ferner: "Turbo-Wechsel für Gutverdienende von der GKV in die PKV,
Zusatzversicherungen werden zum Exklusivgeschäft für die PKV und Trittbrettfahrerei für die PKV bei den Rabattverträgen der GKV."

Durch die Kopfpauschale werde das soziale Gleichgewicht in der GKV zu einer gefährlichen Rutschbahn für Geringverdiener und Rentner, warnt Ferner. Und Ulrike Mascher ist überzeugt, dass sie
die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert.

Weitere Informationen:

Röslers "Vorkasse": Lizenz zum Abkassieren. Argumente zur Gesundheitspolitik

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