Interview mit Heidemarie Wieczorek-Zeul

"Einfach nicht nachlassen"

Sarah Schönewolf01. Dezember 2013

Die Zahl der Jugendlichen, die an HIV/Aids sterben, hat sich in den vergangenen 12 Jahren fast verdreifacht. Was kann die Weltgemeinschaft tun um die Krankheit einzudämmen? Darüber sprach vorwärts.de anlässlich des heutigen Welt-Aids-Tags mit der Entwicklungshilfeministerin a.D. Heidemarie Wieczorek-Zeul.

Vorwärts.de:  Laut dem UNAIDS-Jahresbericht leben derzeit 35,3 Millionen Menschen mit dem Aidserreger im Blut. Seit 2001 ist die Zahl der Neuerkrankungen um 33 Prozent zurückgegangen. Zeitgleich haben sich die weltweiten Todesfälle von jungen an HIV-infizierten Menschen fast verdreifacht. Welche Bilanz ziehen Sie von der bisherigen Bekämpfung von HIV/Aids?

Heidemarie Wieczorek-Zeul: „Wir stehen an einer entscheidenden Wende im Kampf gegen diese Epidemie. Große Fortschritte sind erreicht. Es kommt darauf an, gerade die jungen Menschen weiter zu informieren und nicht nachzulassen. Wenn wir weiter dranbleiben, darauf weist der Globale Fonds hin, können weitere 6 Millionen Menschenleben durch Behandlung und Prävention  gerettet werden.“

Am 3. Dezember kommt der Globale Fond zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose zur Wiederauffüllungskonferenz zusammen. Welches Signal wünschen Sie sich dort von der zukünftigen Bundesregierung?

„HIV/AIDS gehört nach wie vor zu den großen Bedrohungen der Menschheit. Wir dürfen bei der Bekämpfung einfach nicht nachlassen – weder im Inland noch international. Es ist wichtig, die Aids-Bekämpfung so aktiv fortzusetzen, dass eine Generation "Aids-free" geboren wird. Deswegen muss der deutsche Beitrag in den nächsten Jahren auf 400 Millionen Euro verdoppelt werden, so wie es die SPD-Fraktion auch bereits gefordert hat.“

Was kann der Globale Fond leisten?

„Der Globale Fond zur Bekämpfung von HIV, Malaria und Tuberkulose, der von Kofi Annan mitgegründet wurde, stellt das erfolgreichste Finanzierungsinstrument für die Verbesserung der Gesundheitssituation in benachteiligten Ländern dar. Er hat mittlerweile neun Millionen Menschenleben gerettet. Wir haben durch ihn zum ersten Mal die Chance, dass eine Generation geboren wird, die ohne HIV/Aids leben kann. Dadurch, dass die Preise für die entsprechenden Medikamente drastisch – teilweise um 99 Prozent – gesenkt worden sind, kann man die Übertragung einer infizierten Mutter auf das Kind verhindern. Da muss man natürlich dran bleiben.“

Wie arbeitet der Fond?

„Die Länder stellen ihre Anträge gegenüber dem Globalen Fond, und der Globale Fond entscheidet über die entsprechenden Programme. Die Programme werden in den Ländern selbst mit der Zivilgesellschaft diskutiert, dann mit den Koordinierungsgremien entsprechend abgestimmt und schließlich vergeben.

Es geht im Globalen Fond auch darum, das Denken und Fühlen zu verändern. Es gibt Länder, in denen Menschen mit HIV/Aids diskriminiert werden. Es geht darum, Zugang zu den Familienplanungsmöglichkeiten, zu Kondomen zu haben, Prävention zu betreiben. Es ist Ziel, die Rolle von Frauen zu stärken, denn sie sind die, die am stärksten betroffen sind. Der Globale Fond baut die Gesundheitssysteme aus. Denn die Finanzen helfen und die Medikamente wirken nur dann, wenn die Menschen auch erreicht werden.“

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