Die nächste Revolution

Warum die Digitalisierung ein Werkzeug für ein besseres Leben ist

Kai Doering07. April 2021
Eine schnelle digitale Infrastruktur wird für das Zusammenleben in Deutschland immer wichtiger.
Eine schnelle digitale Infrastruktur wird für das Zusammenleben in Deutschland immer wichtiger.
Schnelles Internet wird immer wichtiger, stabile Datennetze werden zur Grundvoraussetzung für gute Bildug. Deswegen will die SPD die Digitalisierung im ganzen Land massiv vorantreiben. Denn es geht um gleichwertige Lebensverhältnisse, sagt der Oberbürgermeister von Mainz.

Vor 580 Jahren fand in Mainz etwas statt, das die Welt verändern sollte: Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck mit beweglichen Metall-Lettern. Bücher mussten fortan nicht mehr von Hand abgeschrieben, sondern konnten schneller, billiger und in größeren Mengen hergestellt werden. Gutenbergs Erfindung leitete eine Medien­revolution ein. Der Buchdruck öffnete vielen Menschen den Zugang zu Bildung.

Mit digitalen Möglichkeiten das Leben der Menschen verbessern

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts findet wieder eine Revolution statt: die Digitalisierung. „Schnelles Internet ist entscheidend für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort und gleichwertige Lebensverhältnisse“, weiß der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling. Was beim Buchdruck die beweglichen Lettern waren, sind heute Internetleitungen. „Deshalb müssen Glasfasernetze flächendeckend vorhanden sein“, sagt Ebling. Er blickt nicht nur als Mainzer Stadtoberhaupt auf die Digitalisierung, sondern auch als Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Für diese sei „Digitalisierung kein Selbstzweck“, sondern „ein nützliches Werkzeug“, betont Ebling. Es gehe darum, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen, um das Leben der Menschen in Stadt und Land zu verbessern. „Daher sind digitale Infrastruktur und digitale Lösungen Teil moderner Daseins­vorsorge.“

Das sieht auch die SPD so. Im Entwurf ihres „Zukunftsprogramms“ gibt sie deshalb das Ziel aus: „In den 2020er Jahren muss Deutschland zur ‚Gigabit-Gesellschaft‘ werden.“ Nach Vorstellung der Sozialdemokrat*innen soll Deutschland „2030 über eine digitale Infrastruktur auf Weltniveau verfügen“. Dazu gehöre neben einer „voll digitalisierten Verwaltung“ ein Bildungssystem, „in dem für das Leben in einer digitalisierten Welt gelernt werden kann“. Haushalten und Unternehmen müsse eine Internetversorgung „mit einer Bandbreite von mindestens einem Gigabit pro Sekunde garantiert“ werden.

Internet kann Leben retten

Wie nötig schnelles Internet ist, weiß Christian Pegel ziemlich genau. „Gerade in einem so dünn besiedelten Flächenland wie unserem ist es besonders wichtig, die Digitalisierung voranzutreiben“, sagt der Verkehrs- und Digitalisierungsminister von Mecklenburg-Vorpommern. Gerade Menschen, die auf dem Land wohnen, könnten eine digitalisierte Verwaltung und schnelle Internet­verbindungen „Wege und Zeit ­ersparen“. Über ein Serviceportal können die ­Menschen im Nordosten schon jetzt Verwaltungsdienstleistungen wie ­etwa das Beantragen von Ausweisen und Genehmigungen digital in Anspruch nehmen. Im Zweifel könne die Digitalisierung sogar Leben retten, wenn etwa bei einem Notfall auf dem Land die Rettungssanitäter*innen bereits beim Eintreffen beim Patienten online Kontakt zu einem weiter entfernten Spezialklinikum aufnehmen, Befunde übermitteln und ärztliche Anweisungen erhalten könnten.

Doch auch wenn Mecklenburg-­Vorpommern in den vergangenen Jahren bereits einiges unternommen hat, um Internetausbau und Digitalisierung im Land voranzutreiben – zum Ausbau des 5-G-Netzes wurde etwa eine landeseigene Gesellschaft gegründet, die die fehlenden Funkmasten in unterversorgten Gebieten errichtet – hofft Christian Pegel auch auf weitere Unterstützung aus Berlin. Neben der Ausweitung des Bundesförderprogramms für den Breitbandausbau wünscht sich der Minister, dass der Internetausbau als Infrastruktur verstanden wird, „die nicht nur marktgetrieben gebaut und ausgebaut“ wird. „Das geht nur schief, weil es dann eine starke Orientierung auf wirtschaftlich lukrative Bereiche gibt. Der ländliche Raum droht dabei auf der Strecke zu bleiben.“

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Kommentare

Politischer Rahmen

In den 1990er Jahren schwärmten alle von den Vorteilen des IN für Meinungsaustausch und Demokratie.
Nun aber haben wir immer größere Überwachung des/r Einzelnen durch die Internetkonzerne und durch staatliche Stellen. Der Herr von Fratzenbuch zensiert, unter dem Applaus von "demokratischen" Politiker:: sooo geht das in einem Rechtsstaat nicht !!! Was "Hatespeech" ist kann nicht von Konzernherren und Parteipolitikern festgelegt werden. Also ich sehe da große Gefahren.
Zu diesem Themenkomplex gehört aber auch die Anwendung von moralisch nicht gehemmten Kriegsrobotern, bewaffneten Drohnen etc. Erinnern wir uns an die 1980er Jahre als 2 sowjetische und ein USamerikanischer Akteur atomare Fehlalarme hinterfragten und Schlimmes verhinderten - kann das diese KI auch ???

Vorwärts ins digitalpandemische Zeitalter?

"Die eigentliche Katastrophe besteht nicht darin, dass die Katastrophe über uns kommt, sondern die eigentliche Katastrophe ist, dass es so weiter geht" (Walter Benjamin).
Weil schnelles Internet die Grundvoraussetzung für gute Bildung ist, hat es bis zum Ende des letzten Jahrhunderts keine gute Bildung gegeben. Nach einem Jahr Pandemie aber steht die Bildung bereits in voller Blüte. Sieh doch, kurzsichtiger Schüler*in. Dein Computer soll dein Befreier sein. Pestalozzis Lehrer hat es nicht vermocht.
Unsere neue SPD schreitet Seit an Byte in die Gigabit-Gesellschaft, wir sparen Wege, Zeit und Begegnungen. Lichte Zukunft im home-office. Solidarität und demokratischer Sozialismus sind ohnehin zu langsam und Hindernisse für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort.
Der ländliche Raum erblüht per Digitalkontakt zum weit entfernten Spezialklinikum. Vorbei das alberne Getue um geschlossene Arztpraxen und Kliniken.
So besiegen wir in Deutschland Pandemie und Umweltzerstörung - schneller als alle Anderen.

Wir haben verstanden. Die Entscheidung zwischen Sozialismus und Barbarei ist gefallen.

Wortspiel

Inhaltlich würde ich Ihnen nicht ganz zustimmen, aber Chapeau für das Wortspiel „Seit an Byte“! Werde ich mir merken. :)