„Das politische Buch 2018“

Digitalisierung: Timo Daum erhält Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung

Johanna Lehn 17. Mai 2018
Timo Daum bei der Verleihung des Buchpreises
Timo Daum (2.v.r.) hat den Preis „Das politische Buch 2018“ der Friedrich-Ebert Stiftung erhalten, den Vorsitzender Kurt Beck überreichte. Bundesjustizministerin Katarina Barley hielt die Festrede, der Vorsitzende der Jury, Klaus Hohlfeld (1.v.l.), hielt die Laudatio.
Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat den Autoren Timo Daum mit dem Preis „Das politische Buch“ ausgezeichnet. In seinem Buch beschreibt er, dass wir uns nicht im Postkapitalismus befinden, sondern am Anfang eines neuen, digitalen Kapitalismus stehen.

Sie lauern überall im Internet, wir können uns ihnen kaum entziehen: Datenkraken, also Unternehmen wie Amazon, Google und Facebook, die Datenschutz eher klein als groß schreiben. Sie drohen, so mächtig zu werden, dass sie sich jeglicher Regulierung und Kontrolle entziehen. Diese Gefahr, aber auch Ideen für eine positive Nutzung der Daten und des Technikfortschritts stellt der Hochschuldozent Timo Daum in seinem Buch „Das Kapital sind wir. Zur Kritik der digitalen Ökonomie“ dar. Am Mittwoch hat ihm die Friedrich-Ebert-Stiftung dafür ihren Preis „Das politische Buch“ verliehen.

Barley: „Anspruch auf Regulierung aufrechterhalten“

Gegen 186 weitere eingereichte Bücher setzte sich Daum mit seiner Analyse der digitalen Wirtschaft durch. Zu Recht, erklärte Bundesjustizministerin Katarina Barley bei der Preisverleihung: „Timo Daum behandelt dieses komplexe Thema so, dass man das Buch gerne liest und es versteht. Jeder interessierte Laie kann dem problemlos folgen.“

Daums Buch zeigt: Im Internet nutzen wir nicht nur Online-Dienste wie Google. Mit jedem Klick produzieren wir gleichzeitig Daten, die die Internetfirmen sammeln. Um den Datenschutz ist es dabei oft schlecht bestellt. Barley sieht die Politik deswegen in der Verantwortung, ihren „Anspruch auf Regulierung und Regelsetzung aufrechtzuerhalten und durchzusetzen“. National könne man dieses Problem allerdings nicht lösen.

Daum: „Wir leben im digitalen Frühkapitalismus“

Seit einiger Zeit organisieren sich Erwerbstätige auch auf sogenannten Clickwork-Plattformen im Internet, auf denen sie Jobs erledigen und Arbeit teilen. Das sei ein sehr vernünftiger Ansatz, sagte Barley. Der Preisträger machte deutlich: Auch dabei produzieren sie Daten. Außerdem würden sie dort nicht als Arbeitnehmer, sondern als Selbstständige wahrgenommen – eine Herausforderung für Politik und Gewerkschaften, was Rechte und Schutz der Arbeiter betrifft.

Dass solche Regelungen aber dringend gefunden werden müssten, betonte Daum: „Die Plattformen des digitalen Kapitalismus sind die Fabriken des 21. Jahrhunderts, Daten der Rohstoff, den sie verarbeiten.“ Neue Formen der Ausbeutung würden entstehen. Wir seien eben nicht in einer Phase des Postkapitalismus, sagte der Autor in seiner Rede, sondern wir „leben im digitalen Frühkapitalismus“.

Grundlegende Veränderungen

Neben all diesen Gefahren biete die Digitalisierung aber auch Möglichkeiten: Wird Arbeit von Maschinen übernommen, habe der Mensch mehr Zeit für andere Tätigkeiten, zum Beispiel in der Pflege, sagte die Bundesjustizministerin. Auch Daum sieht die Gesellschaft vor einer tiefgreifenden Veränderung: Die Digitalisierung „verändert unser Verhältnis zu Arbeit und Wissen grundlegend – und unsere Werte und Vorstellungen gleich mit.“

Timo Daum: Das Kapital sind wir. Zur Kritik der digitalen Ökonomie, Edition Nautilus, 272 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-86438-059-5

weiterführender Artikel