Entscheidung in Brüssel

Digitaler EU-Impfnachweis: Wann er kommt und was er bringen soll

Jonas Jordan09. Juni 2021
Ein europaweit anerkannter Nachweis soll Geimpften bald weitgehende Freiheiten ermöglichen.
Ein europaweit anerkannter Nachweis soll Geimpften bald weitgehende Freiheiten ermöglichen.
Das Europaparlament hat den Weg für den digitalen EU-Impfnachweis frei gemacht. Ab 1. Juli soll er den Reiseverkehr innerhalb der EU erleichtern. In Deutschland wird er bereits ab Donnerstag verfügbar sein.

Das Europäische Parlament hat der Verordnung für die digitalen Covid19-Zertifikate am Dienstag final zugestimmt. Damit haben die Brüsseler Parlamentarier*innen die Voraussetzungen für die EU-Mitgliedstaaten geschaffen, den digitalen Nachweis am 1. Juli, pünktlich vor der Sommertourismus-Saison, einzuführen. 

Was soll das Zertifikat bringen?

Das digitale Dokument soll künftig eine EU-weite Gültigkeit besitzen. Darin soll unter anderem angezeigt werden, ob jemand vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist sowie wann und mit welchem Wirkstoff das passiert ist. Es soll aber auch Aufschluss darüber geben können, ob jemand negativ getestet wurde oder bereits eine Covid-19-Erkrankung überstanden hat. Über einen Barcode sollen diese Informationen fälschungssicher abgerufen werden können. Geplant ist ein Dokument in der jeweiligen Landessprache sowie auf Englisch.

Für die SPD-Europaabgeordnete Birgit Sippel lässt der Beschluss hoffen: „Wir schaffen einen Rechtsrahmen, um pünktlich zum Sommer die Reisefreiheit schrittweise wieder zu erleichtern. Jetzt ist es an den EU-Mitgliedstaaten, diesen tatsächlich zu nutzen, und die Verifizierung auch für nationale Zwecke, wie etwa Museumsbesuche über das EU-System zu ermöglichen. So können wir ein erneutes Chaos vermeiden, wie wir es etwa bei den verschiedenen Corona-Warn-Apps der Mitgliedstaaten erlebt haben.“

In welcher Form wird der Nachweis vorliegen?

Drei verschiedene Nachweise wird es geben: Der überall in der EU abrufbare QR-Code soll eine Impfung nachweisen, aber auch einen negativen Test oder eine Genesung. Wer keine digitale Version nutzen möchte, kann den kostenlosen Bescheid auch in Papierform vorzeigen, zum Beispiel bei der Einreise am Flughafen. Über die Art und Weise, wie Bürger*innen den digitalen Nachweis erhalten, werden nationale Behörden informieren.

Ab wann wird das Dokument verfügbar sein?

Geplant ist die Einführung für Ende Juni, um den Reiseverkehr innerhalb der EU noch vor der Sommersaison zu erleichtern. Die Regeln gelten zunächst für zwölf Monate. Während einer sechswöchigen Übergangsphase kann aber auch der gelbe Impfpass zur Erleichterung von innereuropäischen Reisen genutzt werden. Ab Mitte August sind dann nur noch die Zertifikate gültig.

Welche Erleichterungen bietet der Nachweis für Geimpfte?

Für Personen, die über den digitalen, EU-weit gültigen Impfnachweis verfügen, sollen Reisen innerhalb der Europäischen Union wieder leichter möglich sein. Die Mitgliedstaaten der EU dürfen keine zusätzlichen Reisebeschränkungen wie Quarantäne, Selbstisolation oder Tests für Inhaber*innen des Ausweises einführen – es sei denn, sie sind verhältnismäßig und notwendig für den Schutz der öffentlichen Gesundheit. 

Wenn ein von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassener Impfstoff verwendet wurde, müssen alle Mitgliedstaaten die entsprechenden Impfnachweise aus anderen Mitgliedstaaten akzeptieren. Die Staaten können jedoch selbst entscheiden, ob sie auch Nachweise über Immunisierungen mit Impfstoffen anerkennen, die nur in einzelnen Mitgliedstaaten zugelassen wurden oder von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Notfallzulassung erhalten haben.

Wie ist der Stand in Deutschland?

In Deutschland sollen vollständig geimpfte Personen bereits ab Donnerstag ihre Immunisierung mit einem digitalen Impfzertifikat über das Handy nachweisen können. Der entsprechende Nachweis kann zum einen in die Corona-Warn-App geladen werden, zum anderen steht zusätzlich die freiwillig nutzbare und kostenlose Anwendung namens „CovPass“ in allen App-Stores zur Verfügung. Alle vollständig geimpften Personen sollen den notwendigen QR-Code entweder in der Arztpraxis oder dem Impfzentrum bekommen, wo sie geimpft wurden. Auch eine Zusendung per Post ist möglich. Die dritte Variante, die Ausstellung in Apotheken, soll ab Montag, 14. Juni, verfügbar sein.

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