Antisemitismus

Digitalen Antisemitismus stoppen

Carolin Katschak16. September 2014


Dass antisemitische Parolen nicht nur auf deutschen und europäischen Straßen zu hören, sondern vor allem in sozialen Netzwerken zu lesen sind, beunruhigt Rabbiner Abraham Cooper. Deshalb forderte er am Dienstag in Berlin eine stärkere Kontrolle der digitalen Plattformen.

Der stellvertretende Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Los Angeles Rabbiner Abraham Cooper engagiert sich seit Jahren für Menschenrechte und jüdische Rechte. In Berlin erklärte er am Dienstag, dass Antisemitismus sich durch drei Formen verbreite: Islamischer Extremismus, der besonders junge Menschen mithilfe von sozialen Plattformen beeinflusse, durch Neonazis und durch eine scheinbar gesellschaftlich akzeptierte Israelfeindlichkeit.

Letzteres führt Cooper auf eine Studie der Universität Bielefelds zurück. Diese besagt, dass 2011 40 Prozent der in Deutschland Lebenden der Meinung waren, Israel leite einen Vernichtungskrieg gegen Palästina. Diese Studie gebe das Bild wieder, dass ein Großteil der Europäer habe. Es sei beunruhigend, wie Israel in Europa wahrgenommen werde. Deutschland müsse eine Studie durchführen, die ergründet woher dieses Bild komme und wie es sich verbreite, um diesem entgegenzuwirken, forderte Cooper.

Soziale Netzwerke als Waffe

Einen Nährboden für Antisemitismus böten nach Ansicht des Rabbis vor allem soziale Netzwerke. So würden etwa neue ISIS-Mitglieder mithilfe von digtialen Plattformen nach Syrien rekrutiert. Beispielhaft für die Präsenz von Terrorgruppen sei ein Tweet einer englischsprachigen Gruppe der ISIS. Drei Minuten nachdem der amerikanische Präsident Barack Obama seine Entscheidung bekannt gab, Flüchtlinge im Irak mithilfe des US-Militärs zu unterstützen, twitterte @IslamicCaliphateNews "Heißt, es ist Zeit die Schläfer in den USA zu aktivieren".

Der stellvertretende Vorsitzende des Simon Wiesenthal Centers habe bei Twitter angefragt, ob solche Aufrufe gelöscht werden. Daraufhin habe man ihm mitgeteilt, dass erst der Inhalt geprüft und dann enschieden werde. Damit werde Twitter zur "gewählten Waffe der ISIS", so Cooper. Durch die verantwortungslose Haltung der sozialen Plattformen, die solche Terrorgruppen nicht direkt sperren, werde die Bedrohung erweitert. Ähnlich verhalte es sich auch mit Plattformen wie ask.fm, das den Austausch von Fragen und Antworten ermöglicht oder der Videoplattform YouTube. Facebook hingegen stelle sich bereits der Herausforderung digitalem Terrorismus und Hass entgegenzutreten.

Der Rabbi forderte, dass Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und junge Menschen sich stärker engagieren, damit sich Antisemitismus im realen Leben und in sozialen Netzwerken nicht weiter ausbreiten kann. Die Kundgebung „Steh auf! Nie wieder Judenhass“ am vergangenen Sonntag in Berlin sei ein wichtiges Zeichen gegen Antisemitismus der Bürger und der Regierung Deutschlands gewesen. Auch Michael Spaney vom Mideast Forum Berlin forderte, dass antisemitische Aufmärsche verboten und Aufklärungsarbeit geleistet werden müssen, um das "Ausmaß der explosiven Gewaltbereitschaft" zu beenden.