Ländlicher Raum

Dietfurt: Tradition hilft gegen Landflucht

Thomas Horsmann13. September 2018
Chinesenfasching: Frauen in halb chinesischer und halb bayerischer Tracht am „Unsinnigen Donnerstag“ beim traditionellen Umzug in Dietfurt an der Altmühl.
Aus Dietfurt, der idyllischen Sieben-Täler-Stadt, wandern viele junge Menschen in größere Städte ab, wo sie mehr berufliche Möglichkeiten haben. Aber es gibt auch viele, die zurückkommen und dann lieber zum Arbeitsplatz pendeln. Gründe dafür sind Traditionen und das Gefühl dazuzugehören.

Heimat ist dort, wo man die gleiche Sprache spricht – und ich meine nicht den Dialekt“, sagt Carolin Braun, 1. Bürgermeisterin von Dietfurt an der Altmühl. Der Sozialdemokratin geht es dabei nicht um Deutsch­tümelei am Biertisch, sondern um das Bewusstsein der eigenen Wurzeln, um das Gefühl dazuzugehören. „Hier im ländlichen Raum können wir dieses Heimatgefühl stärken, um der Anziehungskraft der globalisierten Metropolen entgegen zu wirken“, so die 57-Jährige.

Tradition spielt wichtige Rolle

Auch aus Dietfurt, der idyllischen Sieben-Täler-Stadt mit rund 6.000 Einwohnern, wandern viele junge Menschen in größere Städte ab, wo sie mehr berufliche Möglichkeiten haben. Aber es gibt auch viele, die zurückkommen und dann lieber zum Arbeitsplatz pendeln. „Sie wollen dort leben, wo sie sich wohlfühlen, in dem Ort, mit dem sie sich identifizieren“, ist sich die Mutter von drei erwachsenen Kindern sicher.

Das hat viel mit Traditionen zu tun, mit denen man in frühen Jahren aufwächst. „Gerade die jungen Leute identifizieren sich über unsere Vereine und ihr Engagement für Dietfurt mit ihrer Heimat. Dieses immaterielle Kulturgut fördern wir nach Kräften“, berichtet die studierte Lehrerin. Dietfurt hat mehr als 90 Vereine, die die Gemeinde durch Zuschüsse und Räume unterstützt. Um die Jugend stärker einzubeziehen, hat die Stadt sogar ein Jugendparlament gegründet. „Heimatförderung fängt bei der Jugendförderung an“, betont Carolin Braun.

Ein fröhliches Spektakel

Die Dietfurter werden von alters her auch Chinesen genannt. Der Überlieferung zur Folge kam der Kämmerer des Bischofs von Eichstätt nicht weiter als zu der verschlossenen Stadtmauer, als er prüfen sollte, warum die Stadt so wenig Abgaben zahlte. Der Kämmerer berichtete dem Bischof, dass sich die Dietfurter wie die Chinesen hinter ihrer Mauer ­verschanzen würden.

Deswegen gibt es seit 1928 den Chinesenfasching, der jährlich mehr als 20.000 Besucher anzieht, die sogar aus China anreisen. Das fröhliche Spektakel wird auch im Reich der Mitte im Fernsehen übertragen. Seit 2010 pflegt die bayerische Kleinstadt eine rege Städtepartnerschaft mit der 5,5-Millionen-Stadt Nanjing in China.

Weltoffen und für Integration

Vielleicht liegt es an dieser Weltoffenheit, dass die Dietfurter sich stark für die Integration von Flüchtlingen einsetzen. Rund 200 haben das Asylbewerberheim seit 2014 durchlaufen. „Leider wurden sie meist dann in andere Städte verlegt, wenn sie sich gerade gut integriert hatten“, berichtet die Bürgermeisterin. Dass die frisch renovierte Unterkunft jetzt leer steht, kann sie nicht verstehen.

Was ist Heimat?

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