Gastbeitrag von Reiner Hoffmann

DGB fordert zum 1. Mai: Europa muss gute Arbeit schützen!

Reiner Hoffmann30. April 2019
Immer mehr Menschen verbinden mit der EU nicht mehr das Wohlstandsversprechen, sondern wachsende Ungleichheiten. Deshalb machen Gewerkschaften den 1. Mai zum Tag der europäischen Solidarität. Unter dem Motto „Europa. Jetzt aber richtig!“ ruft der DGB zur Europawahl auf.

Was in der EU entschieden wird, betrifft uns alle – die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Bürgerinnen und Bürger und die Gesellschaft als Ganze. Vieles von dem, was wir inzwischen als selbstverständlich wahrnehmen – offene Grenzen, Freizügigkeit, soziale Grundrechte – haben wir auch und vor allem der EU zu verdanken!

EU sichert Frieden und Wohlstand

Diese Errungenschaften müssen wir endlich wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken. Denn neben den gemeinsamen Grundwerten gibt es zahlreiche konkrete Beispiele, die zeigen, wie die EU unser Leben täglich positiv beeinflusst: Dank der Freizügigkeit können wir nicht nur in anderen EU-Ländern Urlaub machen, sondern auch in anderen Ländern arbeiten.

Dank der EU gibt es begrenzte Wochenarbeitszeiten und Ansprüche auf Ruhepausen. Als Bürgerin oder Bürger der EU müssen Sie nur in einem Land Sozialversicherungsbeiträge zahlen – und Ihre Beitragszeiten in anderen EU-Staaten werden angerechnet. Europäische Betriebsräte sorgen für mehr grenzüberschreitende Mitbestimmung und die Betriebe profitieren vom gemeinsamen Binnenmarkt, weil Grenzkontrollen und Zölle wegfallen. Das macht den Handel von Waren, Dienstleistungen und Kapital innerhalb der EU einfacher.

Vor allem aber: Viele Ziele, die sich die Europäische Union bei ihrer Gründung gesteckt hatte, sind heute erfüllt, aber keineswegs gesichert und müssen verteidigt werden: Die Europäische Union hat unserem Kontinent und unseren Gesellschaften jahrzehntelangen Frieden und großen Wohlstand ermöglicht.

Verfehlte Krisenpolitik schafft Frust

Leider bleiben die großen Erfolge der EU nahezu unsichtbar, während jeder Misserfolg der EU auf den nationalen Bühnen grell ausgeleuchtet wird. Fast alles, was in Europa geschieht, wird medial weitgehend durch die nationale Brille gesehen. War ein europäischer Gipfel erfolgreich, sagen Macron, Merkel und die anderen EU-Staats- und Regierungschefs zu ihren Bürgerinnen und Bürgern: „Ich habe mich hier durchgesetzt.“ Wenn es schiefgeht, heißt es schnell, Brüssel sei „schwerfällig“. In der EU wird der Erfolg nationalisiert und der Misserfolg europäisiert.

Hinzu kommt: Die europäische Politik ist für die Bürgerinnen und Bürger schon länger schwer zugänglich, kaum verständlich und gefühlt „weit weg“. Im Kontext der multiplen Krisen und der verfehlten Krisenpolitik wenden sich immer mehr Menschen vom europäischen Projekt ab. Immer mehr verbinden mit der EU nicht mehr das Friedens- und Wohlstandsversprechen, sondern Austerität, zu geringe Investitionen, wachsende Ungleichheiten und fehlende demokratische Beteiligung. In den osteuropäischen Mitgliedsstaaten steigt der Frust über das nicht eingelöste Versprechen einer Angleichung der Lebensverhältnisse. In den westeuropäischen Ländern wiederum macht sich Angst vor wirtschaftlichem und sozialem Abstieg breit.

Europa muss gute Arbeit schützen

In dieser Situation finden im Mai 2019 die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Für den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften ist das klare Bekenntnis zu Europa eine Angelegenheit der Vernunft, aber auch des Herzens. Wir wollen die EU, aber wir wollen ein anderes Europa: ein soziales, solidarisches, gerechtes Europa. Dafür machen wir uns stark.

In Zukunft muss sichergestellt sein, dass die sozialen Grundrechte der Menschen Vorrang haben vor den wirtschaftlichen Freiheiten der Märkte und Unternehmen. Die EU muss der Garant für einen sozialen Mindestschutz und eine stetige Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse sein. Europa muss gute Arbeit schützen! Nur dann wird sie das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen und populistische und nationalistische Strömungen schwächen. Und nur so werden wir in der EU die künftigen Herausforderungen meistern können.

Nationale Abschottung ist keine Lösung. Die voranschreitende Globalisierung, internationaler Handel, Klimawandel oder die digitale Transformation können nur europäisch beantwortet und bewältigt werden. Die globalen Rahmenbedingungen sind im Umbruch. Um Frieden und Wohlstand zu bewahren, können einzelne Nationalstaaten in Europa alleine kaum etwas bewirken. Auch deswegen brauchen wir eine starke und solidarische EU.

Die Gewerkschaften werden zusammen mit der Zivilgesellschaft und allen engagierten demokratischen Kräften dafür kämpfen, dass die EU ihren Kurs ändert. Dafür müssen wir am 26. Mai ein starkes Signal setzen. Wir rufen alle dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und pro-europäische und demokratische Parteien zu wählen. Wir brauchen Europa. Jetzt aber richtig!

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Kommentare

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EU sichert Frieden und Wohlstand

Ein guter Beitrag, der den über den Tellerrand hinaus weitgespannten Horizont des DGB-Vorsitzenden Hoffmann zeigt. Ein sehr guter Mann zur rechten Zeit am richtigen Platz. Wohltuend ist der Beitrag besonders dann, wenn man zuvor Kevin Kühnerts Interview in der Zeit gelesen hat, das Betriebsratsvorsitzende großer Unternehmen mit der Bemerkung quittiert haben, dass die SPD für Arbeitnehmer nicht mehr wählbar ist. Es wird Zeit, das der Junge was Anständiges lernt und was Richtiges arbeitet. In der linken Abseitsfalle ist für Sozialdemokraten und Gewerkschafter nichts zu holen.

Anständig und richtig?

Was wäre denn aus Ihrer Sicht etwas „Anständiges“ oder ein „richtiger“ Beruf?

Ein Beruf für Kevin Kühnert

Kevin sollte mal ein Studium nicht nur beginnen sondern endlich auch mal abschließen. Am Besten in einem Fach, in dem Bedarf besteht. Alt genug ist er dafür. Vor 50 Jahren hätten Betriebsratsvorsitzende großer Unternehmen nicht nur festgestellt, dass man seinetwegen nicht mehr SPD wählen kann. So einen linken Spinner hätten Arbeiter aus der Werkhalle gejagt und ihm vielleicht noch 20 DM in die Hand gedrückt als Fahrgeld in die DDR. Dort wäre er mit seinen Sprüchen und seiner abgebrochenen Ausbildung sicher Betriebsdirektor in einem VEB geworden. So ist er nur ein höchst willkommener Wahlhelfer für die CDU/CSU und DIE LINKE bei der Europawahl.