Datenklau-Skandal

Datenklau-Skandal: Der Angriff kam aus Mittelhessen

Jonas Jordan08. Januar 2019
Nach dem Doxxing-Ankgriff sollen die Sicherheitsstandards erhöht werden.
Ein 20-Jähriger aus Mittelhessen soll für die jüngste Doxxing-Attacke auf etwa 1.000 Personen des öffentlichen Lebens verantwortlich sein.
Nachdem massenhaft Daten von Politikern und Prominenten geklaut und im Internet veröffentlicht worden waren, haben die Ermittler den mutmaßlichen Täter festgenommen. Es ist ein 20-jähriger Schüler aus Mittelhessen. Er habe laut den Ermittlern aus Verärgerung über politische Äußerungen gehandelt.

Persönliche Daten zahlreicher aktueller und ehemaliger Politiker sowie von Personen des öffentlichen Lebens waren in den vergangenen Wochen im Internet veröffentlicht worden. Insgesamt waren rund 1.000 Personen von der Attacke betroffen. Als mutmaßlichen Täter ermittelten die Behörden nun einen 20-jährigen Schüler aus Mittelhessen. Dieser kam bereits am Montag wieder auf freien Fuß, nachdem er die Tat gestanden hatte. Als Motiv habe der Beschuldigte laut den Ermittlern angegeben, dass er sich über die politischen Äußeringen der Betroffenen geärgert habe.

Täter soll alleine gehandelt haben

Bei der Tat handelt es sich nicht um einen Hacker-Angriff im klassischen Sinne. Vielmehr sollen ihr mehrere Aktionen des mutmaßlichen Täters zugrunde liegen, bei denen er persönliche Daten von Politikern wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier oder dem Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck sowie Prominenten wie dem Satiriker Jan Böhmermann abgefischt und anschließend veröffentlicht habe. Man spricht in diesem Fall vom sogenannten Doxxing, das sich vom englischen Wort „docs“ für Dokumente ableitet.

Der mutmaßliche Täter soll alleine gehandelt und sich die für sein Handeln notwendigen Kenntnisse selbst beigebracht haben. Die bisherigen Ermittlungen hätten keine Hinweise auf eine Beteiligung weiterer Täter gegeben, sagte der Frankfurter Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk. Dem Beschuldigten droht nun eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren und eine Geldstrafe wegen Datenhehlerei. Der 20-Jährige könnte jedoch auch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Barley fordert bessere Sicherheitsstandards

Innenminister Horst Seehofer kündigte am Dienstagnachmittag an, die Kompetenzen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Folge des Datendiebstahls ausbauen zu wollen. Angedacht sind zudem eine Zertifizierung von Routern und eine Früherkennung, um Fake-Accounts zu sperren. Justizministerin Katarina Barley hatte bereits am Montag Webshops und soziale Medien in die Pflicht genommen, ihre Sicherheitsstandards zu erhöhen. „Eine Authentifizierung in zwei Schritten mit starkem Passwort und dem Handy oder einer App muss der Standard sein“, schrieb Barley auf Twitter.

Die Amadeo-Antonio-Stiftung hat als Reaktion auf die Datenleaks gefordert, Opfer von Doxxing und digitaler Gewalt stärker zu unterstützen. Nach dem Willen der Stiftung sollen Beratungsstrukturen aufgebaut werden, die bei Kontakten zu sozialen Netzwerken, Anzeigen bei Polizei und Datenschutzbehörden sowie bei der Suche nach psychologischer Unterstützung helfen können. Ebenfalls empfiehlt sie eine bessere Medienbildung, um Doxxing vorzubeugen.

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Kommentare

Digitaler Schutz muss Teil der öffentlichen Sicherheit sein

Die Menschen kann man natürlich Unachtsamkeit und Sorglosigkeit vorwerfen. Tatsächlich sind sie ob der Komplexität des Internets völlig überfordert. Für komplizierte Angriffsmöglichkeiten zuweilen von rechten Milchbubis sollen noch kompliziertere Schutzeinrichtungen angeschafft werden? Der Verbraucherschutz hat bisher kein Interesse daran gezeigt, dass Hersteller von Hard- und Software, Anbietern von Sozialmedien, IT-Sicherheitsbranche, die Privatwirtschaft und der öffentliche Dienst jegliche Art von [laufenden] Angriffen an eine [noch zu schaffende?] zentrale Stelle meldet und diese im Rahmen einer dynamischen DIN Norm oder europäischen ISO Norm fortlaufend und in Echtzeit den aktuellen Sicherheitsstandard veröffentlicht, welche die o.g. wiederum sofort umsetzen müssen. Zudem hat sich der Staat 2017 selbst erlaubt, die bisherigen Sicherheitshürden mit Ermittlungssoftware zu kompromittieren. Es ist daher davon auszugehen, dass nach gängigem Stand der Technik, jedes System von mindestens einem Geheimdienst unterwandert ist. Der Geltungsdrang einer verdeckten Szene ist natürlich bedauerlich, aber diese Form von notwendigem Sicherheitsstandard kann nicht privat gegen Profit entstehen.

Datenklau

Nun ist es raus: Es war nicht DER RUSSE.
Da hat also ein Schüler öffentlich zugängliches Material zusammengestellt. Betroffen sind Politiker und Prominete.
Die NSA arbeitet mich nicht öffentlich zugänglichem Material ! Mit was arbeiten die anderen "Dienste" ? Wofür ist der Bundestrojaner gut ?
Wird da mit verschiedenerlei Maß gemessen ?
Haltet den Dieb, er hat mein Messer im Rücken !