Satire

Dank Martin Schulz sehen die Talkshowfüller jetzt aber alt aus

Martin Kaysh01. März 2017
vorwärts-Kolumnist: Kabarettist und Alternativkarnevalist Martin Kays
vorwärts-Kolumnist: Kabarettist und Alternativkarnevalist Martin Kaysh aus dem Ruhrgebiet.
Die Kandidatur von Martin Schulz verändert alles: Die SPD macht wieder Politik und lässt Merkel nicht einfach weiter vor sich hin sozialdemokrateln. Jetzt wird der Wahlkampf spannend.

Wir tun Europa unrecht. Wir amüsieren uns über Förder­programme der EU mit Namen, die sonst nur Psychopharmaka tragen. Wobei es VALOREN, ­RESIDER und RENAVAL wirklich gibt. Angeblich gibt es selbst im Ruhrgebiet Wirtschaftsförderer, die auch noch die Töpfe von FIAF leeren wollen, dem „­Finanzinstrument für die Ausrichtung der Fischerei“.

Schluss mit „Unser Opa nach Europa!“

Der älteste Spruch aber sollte schnell revidiert werden: „Unser Opa nach Europa!“ Das Vorurteil besagte, EU-Parlament und -Kommission seien ein wohltemperiertes Abklingbecken für lange, mittelmäßige Karrieren in der nationalen Politik.

Falsch, wie so vieles. Seit Ende ­Januar wissen wir es. Wir schicken einen ­Kleinstadtbürgermeister nach Brüssel, und zurück kommt ein chancenreicher ­Kanzlerkandidat. Schmidt, Schröder, Schulz. Martin Schulz würde die Reihe der sozial­demokratischen Kanzler mit ­gewöhnlichen Namen und außergewöhnlicher Persönlichkeit zum Dreiklang erweitern. Abwarten.

Endlich ist Wahlkampf

Was mich elektrisiert: Endlich ist Wahlkampf. Endlich will die SPD auch sichtbar sozialdemokratische Politik unter dem eigenen Namen betreiben, und nicht weiter eine müde Kanzlerin vor sich hin sozialdemokrateln lassen.

Nichts war grauer als die Wiederantrittsrede von Angela Merkel. Sie verkündete ihre innere 51-zu-49-Entscheidung mit einem bizarren Argument. Am Ende der nächsten Legislaturperiode befinde man sich immerhin schon im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, sagte sie. Ja, und draußen nur Kännchen.

Das Gestammel der anderen

Plötzlich sehen viele ­Talkshowfüller entsetzlich aus. Die AfD steht da als Haufen, der Fremdenfeindlichkeit schon beim Nächsten beginnen lässt, dem Parteifreund. Weil Martin Schulz packend redet, klingen die Parolen der Neurechten wie das, was sie immer waren: unrhythmisches Gestammel. Hätte es wenigstens Rhythmus, könnten sich AfDler noch als Gangster-Rapper auf Kleingartenfesten in der Vorstadt verdingen.

Christian Lindner, der Lautsprecher mit Smartielächeln verbinden wollte, wird angstleiser. Doppelter Spitzenkandidat ist er, in NRW sowohl bei der Landtagswahl als auch für den Bundestag. Viele fürchteten, man müsse den Lindner zweimal wählen, um ihn mindestens einmal loszuwerden. Jetzt guckt man nüchtern auf seine moderne Partei und sieht auf den Listenplätze eine Frauenquote, die selbst in Saudi-Arabien als k­onservativ gälte.
Die Linke stammelt sich durch, weil das Land tatsächlich links werden könnte, den Grünen schließlich ist der Schulz zu hemdsärmelig. Mir gefällt’s, wenn endlich wieder klar ist, dass Nettsein zu den Schwachen und Solidarität zwei Paar Schuh sind.

Die Stärke entscheidet

An eine Sache hat niemand gedacht. Wenn die Umfragewerte weiter steigen, wird die SPD im September stärkste Partei. Sie stellt dann in einer Koalition den Kanzler, der kleinere Partner den Außenminister. Das fände ich schade. Da bliebe dann nur die absolute Mehrheit.

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