Mehrwertsteuersenkung für Hotels

CSU

Martina Plötz01. Februar 2010

Seit 1. Januar 2010 gelten bei der Übernachtung im Hotel unterschiedliche Mehrwertsteuersätze. Während die Übernachtung mit nur noch 7 Prozent besteuert wird, entfällt auf das Frühstück ein
Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Nicht nur, dass die Steuererleichterungen für die Hoteliers den Geschmack der reinsten Klientelpolitik haben, die von CSU und FDP initiierte
Mehrwertsteuersenkung führt zu einer heftigen Belastung für Arbeitnehmer und Unternehmen.

Frühstücken nur noch für 4,80 Euro

Buchte eine Firma früher für ihre Mitarbeiter auf Geschäftsreise eine Übernachtung inklusive Frühstück, wurden die Kosten vom Unternehmen als so genannte Logiskosten vollständig übernommen.
Doch jetzt muss das Hotel aufgrund der unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze in jeder Rechnung die Übernachtung und das Frühstück separat ausweisen. Während das Unternehmen die Übernachtung voll
bezahlt, kann es beim Frühstück nur noch einen Anteil von 4,80 Euro steuerfrei übernehmen. Da das Frühstück aber in fast allen Hotels deutlich mehr als 4,80 Euro kostet, wird es für den
geschäftsreisenden Arbeitnehmer teuer. Er muss die Differenz nunmehr selber zahlen oder als geldwerten Vorteil voll versteuern - vorausgesetzt das Unternehmen ist bereit die Mehrkosten zu
übernehmen.

Bis zu 140 Euro mehr pro Woche

So kommt es Mitarbeiter, die für ihr Unternehmen auf Messen tätig sind, teuer zu stehen, wenn sie im Hotel frühstücken. Während die Unterbringung im Hotelzimmer mit 180 Euro voll vom
Unternehmen übernommen wird, muss der Arbeitnehmer pro Tag 20,20 Euro der Frühstückskosten im 4-Sterne-Hotel selbst übernehmen. Denn von den 25 Euro für das Frühstück, können nur noch 4,80 Euro
vom Unternehmen übernommen werden. Somit kostet den Mitarbeiter die Woche auf dem Messestand seiner Firma nicht nur seine Freizeit, sondern zusätzlich auch noch 140 Euro für das morgendliche
Essen.

Hotelgäste sind alarmiert

Ein Münchner Hotelmakler beschreibt die Stimmung bei seinen Kunden so: "Die Mitarbeiter, die die Buchungen für Messen vorbereiten, sind alarmiert. Früher wurde peinlich genau darauf
geachtet, dass in Hotelverträgen das Frühstück immer im Zimmerpreis inkludiert war." Jetzt würden Lösungen gesucht, um diese Mehrkosten durch die getrennten Mehrwertsteuersätze abzuwenden. So
müssten bereits geschlossene Verträge mit den Hotels nachverhandelt werden, um den Frühstückspreis zu Lasten des Übernachtungspreises zu senken. Manch eine Firma plant sogar das Frühstück für
seine Kunden außerhalb des Hotels zu organisieren.

"Steuersenkung mehr Fluch als Segen"

Diese Vorgehensweise kann für die Hotels nicht von Interesse sein. Hinter vorgehaltener Hand äußerte sich eine leitende Mitarbeiterin der Hotelgruppe Marriott recht unzufrieden über die
Mehrwertsteuersenkung. Die Steuersenkung sei derzeit mehr Fluch als Segen. Denn die Hotels haben bisher immer gutes Geld mit dem Frühstücksbereich verdient. Dieser läuft in den Betrieben meist
betriebswirtschaftlich getrennt vom Übernachtungsgeschäft und muss sich selbst tragen. CSU und FDP scheinen bei der Gesetzesänderung wenig mitgedacht zu haben, denn was eine kleine Gruppe von
Hoteliers entlastet, führt bei Unternehmen und Arbeitnehmern zu einer echten Belastung - und das vernichtet das Image von CSU und FDP als Steuersenkungspartei endgültig.

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