Corona-Pandemie

Corona-Warn-App soll Check-in-Funktion bekommen

Karin BillanitschUlf Buschmann26. März 2021
Die Corona-Warn-App soll mit einer Kontaktnachverfolgungs-App ergänzt werden.
Die Corona-Warn-App soll mit einer Kontaktnachverfolgungs-App ergänzt werden.
Die Entwickler der Corona-Warn-App arbeiten an einer Check-in-Funktion, mit der die Kontaktnachverfolgung optimiert werden kann. Bereits im Einsatz ist die Luca-App.

Mit der digitalen Kontaktnachverfolgung verbinden sich große Hoffnungen: Sie könnte Lockerungen im öffentlichen Leben inmitten der Corona-Pandemie ermöglichen, und zudem die Gesundheitsämter entlasten. In der Corona-Warn-App ist diese Funktion einer technischen Clusternachverfolgung nicht enthalten – noch. Doch das könnte sich bald ändern. Wie die Süddeutsche Zeitung und andere Medien übereinstimmend berichten, will das Bundesgesundheitsministerium diese Funktion ergänzen, um Infektionsketten digital zurückverfolgen zu können.

Mehrere Apps zur Kontaktnachverfolgung

Apps zur elektronischen Kontaktnachverfolgung gibt es mehrere: Wer im Netz danach sucht, stößt ganz oben im Suchmaschinen-Ranking auf vier Anbieter. Neben der Luca-App sind es „Vida“, „Shapefruit“ und „darfichrein“. Sie arbeiten nach dem gleichen Prinzip: Alle Kundendaten werden per QR-Code eingescannt und verschlüsselt gespeichert. Damit soll Missbrauch verhindert werden. Zugriff auf die Daten haben nur die zuständigen Gesundheitsämter. Damit soll es ihnen möglich sein, die Kontakte von Betroffenen mit einer Covid-19-Infektion zu identifizieren und natürlich zu benachrichtigen.

Die bekannteste unter ihnen dürfte die App Luca sein, die vom Start-up Nexenio, einer Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts, gemeinsam mit Kulturschaffenden wie der Band „Die Fantastischen Vier“ entwickelt wurde. Deren Sänger Smudo erklärte jüngst die Motivation dahinter: „Luca kann uns helfen, soziale Kontakte und Treffen mit anderen auch in Zeiten der Pandemie möglichst nachvollziehbar zu gestalten und zu dokumentieren.“

Luce-Quellcode soll veröffentlicht werden

Sowohl die Corona-Warn-App (CWA) als auch Luca sollen demnach also QR-Codes erkennen, die man bei Veranstaltungen beziehungsweise Eintritt einscannen soll. Bei der CWA ist die Check-in-Funktion aber anonym. Anders bei der Luca-App: Dort geben die Nutzer ihre Kontaktdaten an. Die App ersetzt die meist handschriftliche Eintragung von Kundennamen, -adressen und -telefonnummern in Listen zur Kontaktnachverfolgung, die bislang zum Beispiel in Restaurants oder Kinos auslagen. „Tritt ein Infektionsfall ein, werden alle Gäste dieser Location informiert, die sich zur betreffenden Uhrzeit dort aufgehalten haben. Parallel werden die Gesundheitsämter informiert, die dann automatisch Zugriff auf die Daten der übrigen Gäste haben“, erklärt der Anbieter auf seiner Internetseite die Funktionsweise. Allerdings will Luca nach Kritik und Fragen von Datenschützern den Quellcode am 31. März veröffentlichen.

Das Land Mecklenburg Vorpommern setzt nach eigenen Angaben das Luca-System bereits ein. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat bekannt gegeben, auf Luca setzen zu wollen. Rheinland-Pfalz teilte mit, „voraussichtlich“ Luca einsetzen zu wollen. Laut einer Mitteilung vom Dienstag kündigte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) an: „Stand heute wollen nunmehr 10 Länder so gemeinsam vorgehen, darunter auch unsere Nachbarländer Hessen und das Saarland.” 14 verschiedene Systeme seien geprüft worden.

Dreyer: Rheinland-Pfalz setzt auf zentrale Beschaffung mit anderen Ländern

Die Vorteile der Luca-App sind demnach zum Beispiel, dass sie die Corona-Warn-App ergänzen kann und einen Rückkanal hat, zählt Dreyer auf. „Sie ist bereits im Einsatz und hat Schnittstellen zur Bundesdruckerei und zu SORMAS, das System, das unsere 25 Gesundheitsämter einsetzen“, so die Ministerpräsidentin. Die Luca-App könnte gemeinsam mit anderen Ländern zentral beschafft und den Gesundheitsämtern zur Verfügung gestellt werden. Bürger, die Geschäfte und Betriebe, die Kultureinrichtungen und die Gesundheitsämter könnten sie kostenfrei nutzen, weil „der Bund für die ersten 18 Monate die Kosten übernimmt“.

„Ein wichtiger Pluspunkt ist für mich auch, dass die App nicht nur mit einem Smartphone funktioniert, sondern auch mit einem ‚intelligenten Schlüsselanhänger‘“, so die Ministerpräsidentin. Die App ermöglicht Kontaktdatenerfassung, Datenübermittlung an Gesundheitsämter (inkl. SORMAS-Schnittstelle) und im Falle eines negativen Testergebnisses auch die Benachrichtigung von Kontaktpersonen.

Landesdatenschützer prüfen

Auch bei den Landesdatenschützern ist das Thema auf der Agenda. Die Berliner Datenschutzbehörde teilt auf Anfrage in der vergangenen Woche mit, sie befinde sich in einer laufenden Prüfung der Luca-App und habe ausführliche Gespräche mit den Betreibern geführt. Gleichzeitig erfolgt eine Abstimmung unter allen deutschen Datenschutz-Aufsichtsbehörden in der Datenschutzkonferenz. Eine entsprechende Task Force zur Koordinierung dieser Abstimmung leitet Berlin. Die Datenschutzkonferenz plane, in Kürze eine ausführliche Stellungnahme für Dienste zur Kontaktnachverfolgung abzugeben.

Am 25. März erschienen auf demo-online.de

weiterführender Artikel

Kommentare

Big Brother als Retter der Welt

Nun ist sie also doch da - die angeblich nicht gewollte zentrale Überwachung.
Das die Geräte gar nicht in der Lage sind "Infektionsketten" nachzuverfolgen weil sie nicht in der Lage sind, Infektionszeitpunkte zu erkennen und die Gesundheitsämter nicht mal die Datenspende-App Informationen auswerten können wird weiterhin ignoriert.

Es ist immer noch einzufordern das die von der Politik hochgelobte "Warn App" erst einmal ihre Grundfunktionen sicher bereitstellen kann. Auch heute noch (man kann aktuellen Mängelmeldungen im AppStore problemlos vor Installation nachlesen) ist die "Warn App" nicht in der Lage, zuverlässig zu warnen und ignoriert noch immer Smartphones im gleichen Haushalt, die eine Infektionswarnung eingetragen haben als Bedrohung. Auch heute noch sind immer noch nicht die QR-Code Generierungen standardisiert und SAP/Telekom reden sich weiter damit heraus, das "nicht alle Labore eingebunden sind" wenn es um Beschwerden darüber geht, das die "Warn App" QR-Codes von Labortests nicht verarbeiten kann.

Solange nicht einmal die Kernfunktion einer Software sicher funktioniert ist das Hinzufügen weiterer potentieller Fehlerquellen nicht zielführend.