Pandemie

Corona im Senegal: Impfangebot für alle bis Ende 2022

Thomas Mättig17. Februar 2021
Zur Bekämpfung der Pandemie: Auch in der senegalesischen Hauptstadt Dakar ist Einkaufen mit Maske zum Alltag geworden.
Zur Bekämpfung der Pandemie: Auch in der senegalesischen Hauptstadt Dakar ist Einkaufen mit Maske zum Alltag geworden.
Bis Ende 2022 will der Senegal allen Einwohner*innen ein Impfangebot machen. Die Corona-Pandemie hat die Perspektivlosigkeit vieler Menschen verstärkt.

Der Senegal sitzt in den Startlöchern. Knapp 1,3 Millionen Impfdosen erwartet der Gesundheitsminister bis Ende März; dann kann es losgehen. In einer ersten Phase sollen 3,5 Millionen Senegales*innen (20 Prozent der Bevölkerung) geimpft werden: Gesundheitspersonal, Ältere und Vorerkrankte. Todesfälle und schwere Verläufe sollen verhindert, die Intensivstationen entlastet werden. In Phase zwei, bis Ende 2022, soll der Rest der Bevölkerung ein Impfangebot erhalten, wobei unter 16-Jährige nicht eingeplant sind.

3,5 Millionen Dosen bis Ende März

Nun wird Logistik aufgebaut: Mit Unterstützung durch internationale Partner*innen und COVAX sowie aus eigenen Mitteln wurden Kühlschränke, Kältekammern und Tiefkühler gekauft, um in allen Regionen des Landes impfen zu können.

Mit welchem Stoff es wann genau losgeht, ist unklar. Astra Zeneca ist Frontrunner, aber auch Moderna ist im Gespräch, die Chines*innen wollen 200 000 Dosen bereitstellen, wahrscheinlich Sinopharma, für den russischen Impfstoff Sputnik V ist man „offen“, auch für Pfizer/Biontech, nur reichen die Kühlvorrichtungen hierfür nicht aus. Im Rahmen der Afrikanischen Union hat man 3,6 Millionen Impfdosen bestellt. Angesichts dieser Zahlen muss man sich fragen, ob alles, was über Phase eins hinausgeht, überhaupt realistisch ist. Der eher durchwachsene Impf-Enthusiasmus in der Bevölkerung ist wohl das geringste Problem.

Entschlossen auf erste Welle reagiert

Das westafrikanische Land, eines der ärmsten der Welt, hat Lob für sein entschlossenes Handeln während der ersten Welle erhalten. Die Todeszahlen waren niedrig, die Regierung kommunizierte transparent und zwischen August und September 2020 flachte die erste Welle ab. Im Oktober wurden kaum noch Fälle registriert, man raunte von Herdenimmunität. Doch Ende November wendete sich das Blatt und die Krankheit kam mit Wucht zurück. Heute zählt man insgesamt 30 000 Infektionen und 800 Tote, aber bei 2 000 bis 3 000 Tests am Tag (bei 16 Millionen Einwohner*innen) ist die Dunkelziffer hoch.

Der erste Lockdown hat massive Schäden verursacht: Die Wirtschaft stürzte ab, die Ungleichheit nahm zu, Frühschwangerschaften stiegen an. Eine neue Migrationswelle in Richtung Kanarische Inseln mit etlichen Toten auf See rief die Perspektivlosigkeit vieler ins Bewusstsein. Diesen Weg wird man nicht noch einmal gehen. Heute gelten nächtliche Ausgangssperren in den Städten Dakar und Thiès, wo sich 90 Prozent der Fälle konzentrieren sollen, und eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, an die sich der eine oder die andere auch tatsächlich hält.

Aber die Regierung hat ihr Pulver verschossen. Der Aufbau von Gesundheitskapazitäten und ein Impfprogramm im Rahmen des Möglichen sind sicherlich die sinnvollste Strategie, zumal auch andere gesundheitliche Herausforderungen bestehen. Das alles kostet Geld. Auch daraus erklärt sich der lauter werdende Appell für internationale Schuldenerleichterungen, den Präsident Macky Sall auf dem kürzlich abgehaltenen Gipfel der Afrikanischen Union unterstützte.

Erschienen am 12. Februar im IPG-Journal.

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