Rechtsextremismus

Corona-Pandemie: Nachbarschaftshilfe von Rechtsaußen

Horst Freires25. März 2020
Symboldbild: In einigen Teilen Deutschlands versuchen Rechtsextreme die Hilfsaktionen in Zeiten von Corona für sich zu nutzen.
Symboldbild: In einigen Teilen Deutschlands versuchen Rechtsextreme die Hilfsaktionen in Zeiten von Corona für sich zu nutzen.

Eine Kooperation mit bnr.de

Die Corona-Pandemie führt zu einer eine Welle von Hilfsbereitschaft und Solidarität. Das versuchen jetzt Rechtsextreme für sich zu nutzen.

Auch die rechte Szene will sich im gesellschaftlichen Ausnahmezustand der Pandemie von Covid 19 in ein positives Licht rücken. Dabei wird solche Hilfsbereitschaft zu PR-Zwecken ausgenutzt.

Genau das praktizieren gerade die Jungen Nationalisten (JN), die Jugendorganisation der NPD. Dafür wird die im Herbst 2017 erstmals bemühte Kampagne „Jugend packt an“ genutzt. Die nationalistischen Hilfsaktionen nur für deutsche Landsleute wurden seinerzeit mit dem Slogan „Wir helfen, wo der Staat versagt“ und der Aussage „Es gibt viele Möglichkeiten, der Heuchelei der Politik handfeste Solidarität entgegen zu stellen“ garniert. Müllsammlungen in der Natur, öffentliche Reinigungsmaßnahmen, Obdachlosenhilfe, Kleiderspenden an Bedürftige oder Tierschutzspenden reihten sich darauf als dezentrale Aktionen aneinander.

„Der III. Weg“ und „Die Rechte“ bieten Einkaufsdienst

Jetzt wird seitens der JN dazu aufgerufen, Nachbarschaftshilfe für Corona-Risikogruppen zu leisten. Konkret tut dies Stefan Trautmann. Er war bis zum Vorjahr Stadtrat im sächsischen Döbeln, ehe die AfD bei den Kommunalwahlen der NPD so viele Stimmen abjagte, dass es nicht mehr zum erneuten Einzug ins Stadtparlament reichte. Trautmann gerierte sich in Döbeln aber nicht nur als Kümmerer, sondern zeigte sich auch als Aktivist bei der einer Bürgerwehr gleichkommenden NPD-Schutzzonen-Kampagne, bei der durch die Straßen der Kleinstadt patrouilliert wurde. Nach JN-Angaben wurde die Trautmann-Idee der Nachbarschaftshilfe nun in Berlin-Pankow beworben.

Die neonazistische Splitterpartei „Die Rechte“ bietet neuerdings in ihrer Hochburg Dortmund als „nationale Solidarität“ einen Einkaufslieferdienst für Ältere an. Da will die Konkurrenz vom „III. Weg“ nicht nachstehen. Neuerdings wird in Regionen mit eigener Partei-Präsenz „Hilfe im Alltag, Hilfe beim Einkauf, Solidarität für Deutsche“ angeboten. Schriftlich meldet sich „Der III. Weg“ sogar mit Corona-„Ratschlägen für Arbeitgeber und Selbstständige“ zu Wort.

Hilfsappell auch von „Ein Prozent“

Ebenfalls aufgesprungen auf die Corona-Solidaritätswelle ist das völkisch rechtsintellektuelle Projekt „Ein Prozent für unser Land“, das sich selbst als Recherchenetzwerk bezeichnet und all seine Statements in der Regel mit einer Spendenbitte absetzt. Auch dieses veröffentlicht einen Hilfsappell und kommt zu dem Schluss „Schlechtes Krisenmanagement der Regierung“. Im typischen Duktus darf dabei der Begriff „Patrioten“ nicht fehlen. Bei „Ein Prozent“ wird dann fragend formuliert: „Warum greifen wir Patrioten uns nicht gegenseitig unter die Arme?“

Die Vernetzungs-Plattform „Ein Prozent“, die sich auch als Bürgernetzwerk tituliert und damit im kommunikativen Fahrwasser der AfD schwimmt, die keinen Moment auslässt, sich als bürgerlich zu bezeichnen, wird geleitet von Philip Stein. Dieser ist verantwortlich für den in Dresden ansässigen rechten Verlag Jungeuropa, Pressesprecher der stramm rechten Sammelorganisation „Deutsche Burschenschaft“ und ein Vertrauter der neurechten Führungsfigur Götz Kubitschek.

Dieser Artikel erschien zunächst auf bnr.de.

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