Wirksamkeit fraglich

Corona-Impfstoff „Sputnik V“: Russlands eigener Weg aus der Krise

Peer Teschendorf12. Januar 2021
Auch andere Länder haben schon den russischen Corona-Impfstoff „Sputnik V“ bestellt – doch Skepsis an der Wirksamkeit bleibt.
Auch andere Länder haben schon den russischen Corona-Impfstoff „Sputnik V“ bestellt – doch Skepsis an der Wirksamkeit bleibt.
Russland entwickelte während der Corona-Pandemie einen eigenen Impfstoff. „Sputnik V“ soll nach russischen Angaben ähnlich wirksam gegen das Virus sein wie der Biontech-Wirkstoff. Doch die frühe Impfkampagne im größten Land der Welt erzeugt Skepsis – innerhalb und außerhalb.

Russland hat ein eigenes Impfmittel entwickelt, das kostengünstiger ist als die bisher auf dem Markt erhältlichen, das zugleich leichter zu handhaben ist, weil es weniger Kühlung benötigt, und das einen Impfschutz von 91,4 Prozent ermöglicht. Diesen Angaben kann man Glauben schenken, denn Russland hat die technischen Möglichkeiten, die Expertise und die Erfahrung in der Entwicklung von Impfstoffen. Der Nachteil: Daran muss man auch glauben, denn wissen kann man es nicht. Und genau daran scheitert vielleicht eine mögliche Erfolgsgeschichte. Die aus Prestigegründen verfrühte Zulassung des „Sputnik V“ getauften Mittels, die bisher weiterhin nicht abgeschlossene dritte Testphase sowie die fehlende Offenlegung der bisherigen Ergebnisse erzeugen Skepsis – international aber auch in Russland selbst. Damit wächst die Gefahr, dass ein vermutlich gutes Impfmittel nicht das nötige Vertrauen gewinnen kann, um es zu Hause und weltweit erfolgreich anzuwenden.

Es bestehen bislang Lieferverträge mit über zehn Ländern über 1,2 Millarden Impfdosen. Seit der Zulassung im August hat Russland allerdings erst 1,5 Millionen Impfdosen hergestellt. Bisher reichen die Kapazitäten bei weitem nicht aus, um den Lieferverpflichtungen zeitnah nachzukommen. Neue Fertigungskomplexe wurden in kurzer Zeit fertiggestellt und sollen ab Februar eine massive Erhöhung der Produktion ermöglichen. Zusätzlich wurden Verträge zur Herstellung des Impfstoffes mit Indien, Brasilien, China und Südkorea abgeschlossen. Auch um eine Kooperation mit Frankreich und Deutschland bemüht man sich. Dies wäre in der Tat eine gute Möglichkeit, nach all den Konflikten der letzten Zeit wieder in eine konkrete Zusammenarbeit einzusteigen, die sowohl für die bilateralen Beziehungen wie auch für die restliche Welt von Vorteil wäre. Jedenfalls, sobald der Impfstoff auch in der EU eine Zulassung erhält.

Eine Million Geimpfte – aber vorrangig Fachpersonal

Das fehlende Vertrauen in die heimische Produktion macht sich aber auch in der russischen Bevölkerung bemerkbar. Zwar steht das Land mit 1 Million Geimpften (Stand Anfang Januar) und einer Impfquote von circa 0,69 Prozent nicht schlecht da. Allerdings wurden in erster Linie medizinisches Personal, Lehrkräfte und Funktionsträger geimpft. In der breiten Bevölkerung ist die Bereitschaft zur Impfung bisher eher gering. Auf die Impfung zunächst verzichten wollen gemäß einer Umfrage des Lewada Institutes ganze 58 Prozent. Die meisten Befragten gaben als Grund für die Zurückhaltung an, dass sie erstmal warten wollen, welche Nebenwirkungen der Impfstoff hat.

Ein weiterer Grund dürfte in der Informationspolitik zur Pandemie liegen. Stets betonte man, dass Russland viel besser durch die Pandemie komme. Niedrige offizielle Todesraten (die massiv unter den Angaben zur Übersterblichkeit liegen) und die sehr zurückhaltenden Schutzmaßnahmen mit nur geringen Eingriffen in den Alltag führen zu einer gewissen Sorglosigkeit. Wozu impfen, wozu ein Risiko eingehen, wenn doch alles gar nicht so schlimm ist, wird ein großer Teil der Menschen denken. Der Staat fängt nun an gegenzusteuern. Ein Impfzertifikat soll ausgegeben werden. Noch ist nicht klar, welche Vorteile es bringen wird. In Moskau kann man das allerdings bereits erahnen. Personengruppen, denen der kostenfreie Zugang zum öffentlichen Nahverkehr mit Beginn der zweiten Welle gestrichen wurde, können diesen wieder nutzen – mit Nachweis der Impfung. Weitere Anreize werden folgen, um die angestrebte Impfquote von 70-80 Prozent bis Ende des Jahres zu erreichen. Spätestens dann weiß man auch sicher, wie gut der Impfstoff wirklich war.

Dieser Artikel erschien zuerst im IPG-Journal am 07. Januar.

Kommentare

Na das übliche

Russenbashing darf natürlich nicht ausbleiben. Wenn der Russische Impfstoff so fragwürdig ist, stellt sich die Frage, warum mittlerweile Astra Zeneca mit den Russen zusammenarbeitet, um die Wirksamkeit ihres, auf Adenoviren von Affen beruhenden Impfstoffs zu erhöhen?
Und warum wohl hat Frau Merkel am 5.1.2021 mit Herr Putin telefoniert, was den Russischen Impfstoff betrifft, wie einem Spiegelartikel zu entnehmen war?

Aus dem Artikel...

Gleich im ersten Absatz nach dem Teaser: "Diesen Angaben kann man Glauben schenken, denn Russland hat die technischen Möglichkeiten, die Expertise und die Erfahrung in der Entwicklung von Impfstoffen. Der Nachteil: Daran muss man auch glauben, denn wissen kann man es nicht."

Wenn diese Art von Kritik als "bashing" bezeichnet wird, dann wissen wir auch nicht mehr weiter...

Beste Grüße
Benedikt Dittrich

Bashing?

Wo ist in diesem Artikel denn jetzt das Bashing?

ich warte sehr auf russische

ich warte sehr auf russische Impfstoff, und hoffe, dass auch in EU wenigstens ein von momentan drei russischen Impfstoffen, die auf unterschiedlichen Plattformen entwickelt wurden, endlich zugelassen wird.
PS: bis jetzt noch kein Mensch in Russland nach der corona-Impfung gestorben.

"Wissen kann man das nicht,

"Wissen kann man das nicht, daran muss man glauben"

Das ist mit den derzeitigen Impfstoffen von Biontech und Moderna doch nicht anders. Oder irre ich mich da?

Impfstoff-Studien

Unseres Wissens nach sind die abgeschlossenen Studien der zugelassenen Impfstoffe (bzw. die Zulassung beantragt haben), der Wissenschaft zugänglich - u.a. in Fachliteratur veröffentlicht worden. Damit sind sie überprüfbar. Beispiel Biontech/Pfizer: https://www.globenewswire.com/news-release/2020/12/10/2143276/0/de/Pfize...

Meines Wissens ist ein Antrag

Meines Wissens ist ein Antrag auf Notfallzulassung (was anderes haben Biontech u. Moderna auch nicht) des russischen Impfstoffes in der EU noch vor Weihnachen gestellt worden. Somit müssten auch für diesen Impfstoff entsprechende Daten vorliegen. Inwieweit der russische Impfstoff mit dem von AstraZeneca kombiniert werden soll, steht wohl noch nicht fest. Doch wenn der Impfstoff von AstraZeneca aus welchem Grund auch immer nicht das Wirkstoffpotential hat, wäre es hinsichtlich des Vertrauens der zu Impfenden besser, gleich das Original zu verwenden als ein "Gepansche".

gelöscht

Dieser Kommentar wurde gelöscht, weil er gegen Punkt 4 unserer Netiquette verstößt.

von den Russen lernen,

heisst siegen lernen. Einmal mehr bewahrheitet sich dieser legendäre Satz. Während wir es in drei Wochen nicht geschafft haben, mehr als 0,5 % der ohnehin geringen Zahl der zunächst impfberechtigten zu versorgen, fabuliert unser Genosse im Schloss Bellevue schon von der Versorgung der ganzen Welt mit dem Impfstoff- die wir zu gewährleisten hätten, und ein MinP will auch noch den letzten hierzulande nicht geimpften zwangsweise impfen. Versagen an allen Orten, gestern kollabierten erneut etliche Berechtigte beim erneut erfolglosen Versuch,einen Impftermin zu bekommen. Und das in einem Jahr mit vielen Wahlen. Ein Versagen in so eklatanter Weise sollte da ansich vermieden werden- es stärkt zuguterletzt die eine Partei, die nirgends mitregiert, also am Versagen unbeteiligt ist- dies jedenfalls für sich in Anspruch nehmen könnte.

gelöscht

Dieser Kommentar wurde gelöscht, weil er gegen Punkt 4 unserer Netiquette verstößt.

impfstoff

was impfungen betrifft, die in weniger als einem Jahr alle pre und klinischen phasen durchlaufen hat, bin ich grundsätzlich skeptisch. was mRNA impfung betrifft, sind die ersten, die seit vorschungsbeginn an human mRNA impfungen zugelassen werden, oder ist das falsch? also vertraue ich eher dem russischen und chinesischen im Moment.

gelöscht

Dieser Kommentar wurde gelöscht, weil er gegen Punkt 4 unserer Netiquette verstößt.

Arg tendenziös

Fakt ist, das über der Überschrift "Wirksamkeit fraglich' steht.
Fakt ist ebenso, das Russland von Anfang an internationale Zusammenarbeit angeboten hat, der behauptete "Alleingang" also wenn überhaupt auf Weigerungen zurückzuführen ist, die nicht auf russischer Seite ihren Ursprung haben. Diese Haltung wurde erst später von AstraZeneca aufgegeben, der Artikel verstösst also in Punkt 4 und 6 gegen die Netiquette, was Artikel aber dürfen wie mir an anderer Stelle bereits mitgeteilt wurde.

Sputnik V - Der Impfstoff ist gut das Problem ist die Politik

Das Problem in Russland von Putin der aus Prestigegründen vorzeitige Zulassung verkündet hat. In der Praxis wurde der Impfstoff jedoch nicht früher zu Massenimpfungen eingesetzt als der von Pfizer. Die Wirksamkeit ist deutlich besser als beim sehr ähnlichen AZD1222 von AstraZeneca. Beide Impfstoffe verwenden als Vektor ein nicht vermehrungsfähiges Adenovirus um das Gen für das SARS-CoV-2 Spike in menschliche Zellen einzuschleusen, die dann das Spikeprotein produzieren ähnlich wie das auch bei den mRNA Impfstoffen geschieht. Bei AstraZeneca wird zwei Mal der gleiche Impfstoffvektor verabreicht. Beim zweiten mal funktioniert das aber nicht mehr so gut da der Körper auch Antikörper gegen den Adenovektor bildet. Bei Sputnik wird daher bei der ersten Impfung wird ein anderes Adenovirus verwendet als bei der zweiten. Der gleiche Effekt tritt auf, wenn der Impfstoffvektor AstraZeneca mit Sputnik V kombiniert würde. Sehr effektiv könnte es auch sein einen mRNA Impfstoff mit einem Adenovirus Vektor zu kombinieren, nur wird das vermutlich nie getestet werden da Impfstoffhersteller grundsätzlich daran kein Interesse haben.

Sputnik V

Durch sein großspuriges Vorpreschen hat Putins Propagandaapparat womöglich einen durchaus brauchbaren Impfstoff im Westen diskreditiert.
Es ist überfällig sich vorurteilsfrei und rein sachlich-wissenschaftlich mit Sputnik V zu beschäftigen.Wir brauchen dringend weitere Impfstoffe,die logistisch einfacher zu händeln sind als Biontech.Diese können über bestehende Strukturen(Hausärzte) verabreicht werden.
Der Plan Menschen im Alter von 80+ in Impfzentren antreten zu lassen, ist ohnehin hanebüchen und wird erhebliches Chaos auslösen.
Das (erwartbare) EU-Versagen bei der Impstoffbestellung,welches von der Bundesregierung zumindest leichtfertig zugelassen wurde,macht die Situation nicht besser.Die Zahl der Neuinfektionen ist weiter unerträglich hoch und die Ausbreitung gefährlicher Mutanten droht.Wir sind nicht mehr in der Situation besonders wählerisch und langsam sein zu können.
Im Kampf gegen Covid-19 sollte jeder brauchbare Waffe im Arsenal willkommen sein.Zumal der Ankauf eines Impstoffs, um temporäre Engpässe zu überbrücken,geopolitisch deutlich unproblematischer ist,als der Bau einer Gaspipiline.