Talkshow

Corona-Debatte im TV: Scholz punktet mit Sachlichkeit

Jonas Jordan29. Januar 2021
Vizekanzler Olaf Scholz lobt das Unternehmen Biontech, hier beim Firmenbesuch mit Gründer Ugur Sahin.
Vizekanzler Olaf Scholz lobt das Unternehmen Biontech, hier beim Firmenbesuch mit Gründer Ugur Sahin.
Mit Ruhe und Sachlichkeit statt aufgeregter Polemik – so steuert Olaf Scholz Deutschland durch die Corona-Krise. Das wird auch in der TV-Auseinandersetzung mit Markus Söder bei ProSieben am Donnerstagabend deutlich.

Olaf Scholz ist kein Lautsprecher. Das muss er auch nicht sein. Seine Stärke sind Ruhe, Sachlichkeit und Verlässlichkeit. So manövriert er Deutschland als Vizekanzler und Finanzminister sicher durch die Corona-Krise, holt einstweilen auch schon mal die Bazooka heraus, um gefährliche Hindernisse aus dem Weg zu schaffen. So tritt er auch am Donnerstagabend in der Talkrunde bei ProSieben auf. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde die erste Corona-Infektion in Deutschland bekannt. Aus diesem Grund hat der Privatsender sein Programm geändert.

Scholz: „Wir werden die Hilfen ausbauen“

„Schlag den Star“ muss warten. Zunächst duellieren sich in einer gut 90-minütigen Sendung SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und der CSU-Vorsitzende Markus Söder, der per Video aus Nürnberg zugeschaltet ist. Zu Gast im Studio sind neben Scholz auch die Ärztin Carola Holzner und der Virologe Uwe Liebert von der Universität Leipzig. Das Besondere an diesem Talk-Format: Zuschauer*innen können anrufen oder werden per Video zugeschaltet, um ihre Fragen an die beiden Politiker hinsichtlich der aktuellen-Corona-Lage zu adressieren. 

Dass die Sorgen vieler Menschen in Deutschland nach einem Jahr Corona-Krise groß sind, wird schon bei der ersten Zuschauerin deutlich: Eine Friseurin aus dem Sauerland drängt vehement darauf, ab Mitte Februar ihren Salon wieder öffnen zu dürfen. Zudem fordert sie höhere staatliche Hilfen und kritisiert, dass die bisherige finanzielle Unterstützung zu langsam ausgezahlt werde. Scholz entgegnet sachlich: „Wir werden die Hilfen, die es schon gibt, weiter ausbauen. Die Überbrückungshilfen III sind sehr viel umfassender als alles vorher.“ Zudem solle schnell eine Abschlagszahlung kommen, die bis zu 100.000 Euro betragen könne.

Keine Impfpflicht notwendig

Die Zuschauerin stellt das nicht zufrieden. Sie will wissen, wieso Friseursalons überhaupt schließen mussten. Schließlich sei kein Fall einer Corona-Übertragung beim Haareschneiden bekannt. Dem entgegnet Virologe Liebert, bei dem engen Kontakt zwischen Friseur*in und Kund*in sei es nachvollziehbar, dass die Politik beschlossen habe, Friseursalons zu schließen. Scholz versucht die Situation durch eine humoristische Erzählung aufzulockern. Er leide auch sehr darunter, dass aktuell kein Friseurbesuch möglich sei. „Ich habe mir jetzt so einen kleinen Rasierer gekauft, aber mein Friseur kann das deutlich besser“, sagt der Finanzminister schmunzelnd.

Ernst ist er wieder, als eine Zuschauerin wissen will, ob es eine Impfpflicht geben werde. „Ich glaube, dass wir keine Impfpflicht brauchen. Es werden sich genügend Leute impfen lassen“, glaubt Scholz und ergänzt: „Wir in der Politik haben gesagt: Wir werden uns impfen lassen, wenn wir dran sind. Wir brauchen genügend Bürgerinnen und Bürger, die geimpft sind. Das ist für den eigenen Schutz wichtig, aber auch für andere.“ Scholz lobt außerdem die Arbeit des Pharmakonzerns Biontech aus Mainz. Erst durch 20 Jahre lange Grundlagenforschung sei deren schnelle Entwicklung eines Corona-Impfstoffes möglich gewesen.

Söder ohne absolute Mehrheit

Während Scholz durch Unaufgeregtheit und Sachlichkeit punktet, gefällt sich Markus Söder einmal mehr in der Rolle als kümmernder Landesvater. „Keine Panik“, rät er einer Abiturientin aus der Nähe von München und verspricht faire Prüfungen. Bayern als Musterbundesland, in dem alles in der Krise etwas besser läuft als im Rest der Bundesrepublik – so verkauft es der CSU-Vorsitzende und Ministerpräsident gerne mit der immer wiederkehrenden Phrase „Wir in Bayern“, auch wenn die Fakten bisweilen eine andere Sprache sprechen. Seit kurzem übrigens nicht nur die Fakten, sondern auch die Umfragewerte: Denn just am Donnerstag veröffentlichte INSA eine neue Umfrage, nach der die CSU erstmals seit gut einem Jahr über keine absolute Mehrheit mehr verfügen würde, wenn am Sonntag Landtagswahlen anstünden.

SPD-Kanzlerkandidat Scholz interessiert hingegen, was die Menschen im Land bewegt: „Es treibt mich um. Es ist schon sehr bedrückend, in konkreten Gesprächen mitzubekommen, wie es den Leuten geht.“ Doch gerade deshalb sei ihm das persönliche Gespräch beispielsweise mit Beschäftigten im Einzelhandel sehr wichtig: „Man kann nicht alles aus Papieren lesen, man muss mit den Leuten reden.“ Und eine kleine Perspektive hat er für ein Ende des Lockdowns auch noch parat: „Wir müssen durchkommen bis möglichst viele Bürgerinnnen und Bürger geimpft sind.“

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Kommentare

Komisch

Es wäre mir neu, das irgendwelche hochrangigen Politiker sich den sprichwörtlichen feuchten Dreck darum scheren, wie es Menschen unterhalb der Beitragsbemessungsgrenzen geht.
Anders lassen sich die ganzen Zusatzlasten wie Pseudo-"Umwelt"-Zwangsabgaben kaum erklären, die keinerlei wirklich steuernde Wirkung im Sinne einer realen Entlastung für die Umwelt aufzuweisen vermögen.

Und auch die Handhabung der "Corona-Krise" zeigt eher, wer sich als unfehlbarer Diktator gefällt und/oder Eitelkeit über Amtspflicht stellt.

Herr Scholz ist mir mit seinen "sachlichen" Ergüssen auf dieser Seite hauptsächlich dadurch aufgefallen, das er drängende Fragen zuschwafelt aber nicht beantwortet. So auch hier.

Nun sei es einer Parteipräsenz gegönnt, die Schwächen ihrer Vorhängeschilder durch einseitigstmögliche Lobpreisungen zu beschönigen doch im Wahljahr nach einem Jahr konzeptlosen und demokratiegefährdenden Corona-Ausnahmezustand (und kein Ende in Sicht) bleibt für halbwegs glaubhafte Exitkonzepte aus der politisch gewollten Hysterie sowie angemessene Entschuldigungsmaßnahmen nicht wirklich viel Zeit.

Countdown: 7 Monate. Aber letzten Sommer war man ja auch nicht wirklich arbeitsam...

Herr Scholz

Er schfft es nicht die Internet- und Plattform-Konzerne ordentlich zu besteuern, Warburg läßt grüßen und auch Wirecard fällt in seine Amtszeit. Ausreden (EU) und Beschönigungen nutzen den Menschen mit niedrigem Einkommen gar nichts. Ich sehe mich schon von der nächsten Mehrwertsteuererhöhung bedroht. Steuersätze wie damals bei Adenauer (1952), Lastenausgleich wie damals, das wäre angemessen. Das waren Maßnahmen einer CDSU/FDP Regierung und die stand wohl nie im Verdacht den Bolschewismus in D herbeiführen zu wollen.