Klimawandel

COP 23: Darum geht es bei der Klimakonferenz in Bonn

Kai Doering19. Oktober 2017
„Wir haben viel zu zeigen, was in anderen Ländern Schule machen könnte.“ Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist vor dem Start der Weltklimakonferenz in Bonn optimistisch.
„Wir haben viel zu zeigen, was in anderen Ländern Schule machen könnte.“ Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist vor dem Start der Weltklimakonferenz in Bonn optimistisch.
Ab 6. November findet die 23. Weltklimakonferenz in Bonn statt. Es ist die erste, nachdem die USA ihren Ausstieg aus dem globalen Klimaabkommen erklärt haben. Vor dem Treffen stellt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks klar: „Das Pariser Abkommen ist nicht verhandelbar.“

Es ist eine Premiere im Bundesumweltministerium. Als Minsterin Barbara Hendricks in ihrem Berliner Dienstsitz der Presse erklärt, was von der anstehenden Klimakonferenz in Bonn zu erwarten ist, hören 600 Kilometer entfernt die Bonner Kollegen per Videoschalte zu. Im Anschluss könner Berliner und Bonner abwechselnd ihre Fragen an Hendricks stellen. Bild und Ton bleiben die ganze Zeit stabil.

Bonn soll starkes Signal der Einigkeit senden

Auch bei der 23. Weltklimakonferenz, die ab dem 6. November in Bonn stattfindet – Fidschi hat die Präsidentschaft inne, Deutschland ist „technischer Gastgeber“ – wird es eine Premiere geben. Ob diese allerdings ebenso reibungslos ablaufen wird, wie die Videokonferenz im Umweltministerium, ist fraglich. Wenn die Delegierten der 197 Vertragsstaaten in der deutschen Bundesstaat zusammenkommen, wird erstmals die Trump-Regierung mit am Tisch sitzen – und ein knappes halbes Jahr nachdem der US-Präsident bekannt gegeben hat, aus dem 2015 in Paris ausgehandelten Klimaabkommen aussteigen zu wollen.

„Wir werden aus Bonn ein starkes Signal der Einigkeit senden“, zeigt sich Barbara Hendricks am Donnerstag kämpferisch. „Der Pariser Abkommen ist nicht verhandelbar.“ Ob es gelingen wird, die USA am Verhandlungstisch zu halten, sei jedoch fraglich. „Es wäre ein riesiger Gewinn“, sagt die Ministerin. Dass mit Thomas Shannon nur ein Staatssekretär aus dem Außenministerium die US-Delegation anführt, lässt den geringen Stellenwert erahnen, den die Trump-Regierung der Konferenz beimisst.

Zum Verhandeln muss nun Handeln kommen

Dass sich auch der kalifornische Gouverneur Jerry Brown angekündigt hat, lässt dagegen hoffen. Er hatte sich als einer der ersten gegen den Austritt der USA aus dem Klimavertrag ausgesprochen und im Juni ein bilaterales Klimaabkommen mit China unterzeichnet. Auch der Klimaaktivist und frühere US-Vizepräsident Al Gore will nach Bonn kommen. „Ich setze darauf, dass die US-Gouverneure nicht aufhören, sich für den Klimaschutz einzusetzen – im Gegenteil“, sagt Barbara Hendricks. Daneben setzt die Bundesumweltministerin auf den zweiten großen CO2-Emitenten. „China wird Treiber des Klimaschutzes bleiben, auch im Interesse seiner Bürger“, ist Hendricks überzeugt.

Nachdem Ende 2015 in Paris das weltweite Klimaabkommen ausgehandelt und unterzeichnet und im darauffolgenden Jahr von den Mitgliedsstaaten ratifiziert worden war, gehe es nun in Bonn „um die Richtlinien zur Umsetzung, das Kleingedruckte sozusagen“. Zum Verhandeln müsse nun das Handeln kommen.

Klima-Primus Deutschland mit Problemen

Dafür ist in den vergangenen Monaten in Bonn eine regelrechte Zeltstadt in der Rheinaue entstanden. Während rund um das Word Conference Center (WCCB), der „Bula-Zone“, die offiziellen Verhandlungen stattfinden, können sich hier in der „Bonn-Zone“ Konferenzteilnehmer und Gäste über gute Ideen beim Klimaschutz austauschen. Die Energieagentur NRW bietet zudem Tagesexkursionen zu Klimaprojekten in Nordrhein-Westfalen an. „Wir haben viel zu zeigen, was in anderen Ländern Schule machen könnte“, sagt Barbara Hendricks.

Doch auch der Klima-Primus Deutschland bekommt zusehends Probleme. Anfang September musste die Bundesregierung einräumen, dass sie ihre Klimaziele für 2020 aller Voraussicht nach nicht erreichen wird. Der Ärger darüber ist Barbara Hendricks anzusehen. „Wir haben weiter einen guten Ruf, müssen aber dafür arbeiten, ihn nicht zu verlieren“, sagt sie. Vor allem in den Bereichen Verkehr, Landwirtschaft und Energierzeugung sei man „nicht so vorangekommen wie gewünscht“. Gut möglich also, dass die Klimakonferenz im eigenen Land auch den deutschen Klimaanstrenungen einen neuen Schub verleiht. Konferenz-Präsident Fidschi, das schon jetzt die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren bekommt, „wird uns alle daran erinnern, worum es geht“.

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