„Saturday Night Live“

Warum eine Comedy-Show Donald Trump auf die Palme bringt

Fabian Schweyher05. März 2018
Donald Trump
Empfindlich und mächtig zugleich: Donald Trump
Donald Trump neigt zu spontanten Twitter-Tiraden. Das ist bekannt. Deswegen fällt es umso mehr auf, wenn er sich zunächst zurückhält, um zeitverzögert auszurasten. Dieses Mal im Fadenkreuz: ein Comedy-Darsteller.

Ungewöhnlich lang hat US-Präsident Donald Trump seinem Drang sich zu äußern widerstanden. Seit Monaten zieht die legendäre US-Comedy-Show „Saturday Night Live“ (SNL) den US-Präsidenten durch den Kakao. Doch Trump, der angeblich jeden Tag stundenlang vor dem Fernseher sitzt, blieb stumm. Monatelang. Das ist ungewöhnlich für einen Präsidenten, der normalerweise höchst gereizt auf jegliche Kritik reagiert und sich mit wüsten Eskapaden auf Twitter Luft verschafft.

Selbstsüchtig und naiv

Für Donald Trumps Ego muss es daher kaum zu ertragbar gewesen sein, von SNL verspottet zu werden. Wesentlich dafür mitverantwortlich ist der Schauspieler Alec Baldwin, der seit dem US-Wahlkampf im Jahr 2016 regelmäßig in die Rolle des Präsidenten schlüpft – mit Schmollmund und Perücke. In seiner SNL-Parodie stellt er den mächtigsten Mann der Welt selbstsüchtig, naiv und kindisch dar, was vermutlich nicht einmal so weit von der Realität entfernt sein dürfte.

Für Trump war die Grenze des Ertragbaren aber offenbar erreicht, als Baldwin am Freitag es als „Qual“ bezeichnete, den US-Präsidenten bei SNL zu verkörpern. Darauf bracht ein kurzes, aber intensives Twitter-Wortgefecht aus.

Zunächst beschimpfte Trump den Schauspieler, in dem er ihm bescheinigte, dass er seine „sterbende zweitklassige Karriere“ nur dank der „schrecklichen Imitation von mir“ habe retten können. Außerdem sei es eine Qual, ihm zusehen zu müssen.

Das ließ Alec Baldwin nicht auf sich sitzen und stichelte kurzerhand zurück, ebenfalls auf Twitter. „Auch wenn es eine Qual ist, ich werde dabei bleiben bis zum Amtsenthebungsverfahren (...)“, schrieb der 59-Jährige.

Es ist davon auszugehen, dass das Verhältnis zwischen Donald Trump und Alec Baldwin auch in Zukunft explosiv bleiben wird. Der Schauspieler hat in der Verkörperung des US-Präsidenten seine Paraderolle gefunden und dafür 2017 einen Emmy erhalten.

Gleichzeitig scheint es Trump auf die Palme zu bringen, sich dermaßen im Fernsehen veräppelt imitiert zu sehen. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Trump die Twitter-App auf seinem Smartphone öffnet und wieder über SNL herzieht.

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