Arbeit

Care-Arbeit: Wenn Frauen schlechtbezahlt im Verborgenen arbeiten

Melanie Schröder28. März 2017
Kind und Beruf: Obwohl immer mehr Frauen einem Beruf nachgehen, sind sie weiterhin für einen Großteil der Kinderbetreuung verantwortlich.
Kind und Beruf: Obwohl immer mehr Frauen einem Beruf nachgehen, sind sie weiterhin für einen Großteil der Kinderbetreuung verantwortlich.
Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen werden noch immer zum Großteil von Frauen erledigt. Zudem ist die sogenannte Sorgearbeit gesellschaftlich wenig anerkannt. Um sie aufzuwerten, braucht es einen langen Atem – und gesetzliche Änderungen.

Die Betreuung von Kindern, die Pflege von Kranken und Alten oder einfach die Führung eines Haushalts – all das macht Arbeit. Arbeit, die meistens gar nicht oder nur schlecht bezahlt wird und häufig von Frauen ausgeübt wird. Und da diese sogenannte Sorge- oder Care-Arbeit meist im Verborgenen stattfindet, gibt es nicht mal gesellschaftliche Anerkennung.

Die „doppelte Vergesellschaftung“ der Frauen

Obwohl immer mehr Frauen einem Beruf nachgehen, sind sie weiterhin für einen Großteil der Haushaltsführung und Kinderbetreuung verantwortlich. Die feministische Forschung spricht von einer „doppelten Vergesellschaftung“. Laut Gleichstellungsbericht der Bundesregierung erledigen Frauen, die in Paarbeziehungen mit Kindern leben, rund 80 Prozent der anfallenden unbezahlten Sorgearbeit. Um für Transparenz zu sorgen, schlägt der Bericht deshalb eine regelmäßige Berechnung des sogenannten Gender Care Gap vor.

Eva Kocher, die Vorsitzende des Sachenverständigenrats, der den Gleichstellungsbericht im vergangenen Jahr vorgelegt hatte, sieht deshalb die Politik in der Pflicht. Bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) forderte Kocher ein Wahlarbeitszeitgesetz, das Arbeitnehmern das Recht auf eine individuelle Anpassung ihrer Arbeitszeit gewähren soll.

Die 30-Stunden-Woche als neue Norm

Eine generelle Veränderung der Arbeitszeitkultur in den Betrieben müsse vorangetrieben werden, um so eine neue Vollzeitnorm von 30 Stunden pro Woche zu etablieren, sagte Kocher. Auch wer in Teilzeit arbeite, müsse Karriere machen können. Das vieldiskutierte bedingungslose Grundeinkommen wurde am Rande der Veranstaltung als mögliche Lösung erwähnt. Denn viele Pflegende, die sich beispielsweise um ihre erkrankten Eltern kümmern, können keiner Vollzeitarbeit mehr nachgehen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern und riskierten so auch eine auskömmliche Rente.

Allerdings – auch das wurde bei der FES-Verstaltung „Von Superfrauen und dienstbaren Geistern“ deutlich – spielen Geschlechterstereotype bei der Verteilung von Fürsorgearbeit noch immer eine wichtige Rolle. So herrsche in vielen Familien die Meinung, dass insbesondere Töchter ihre im Alter erkrankten Eltern versorgen, bzw. als Mütter selbstverständlich die Kinderbetreuung übernehmen müssten. Die Frage, wie hier ein generelles Umdenken stattfinden kann, blieb bis zum Schluss unbeantwortet.

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