Bundestagswahl 2017

Campaign Camp der SPD: Ideen für den Wahlkampf

Ulf Buschmann01. April 2017
Campaign Camp der SPD in Hamburg
Weiß, wie man Wahlkämpfe gewinnt: SPD-Vize Olaf Scholz (Mitte) beim Campaign Camp in seiner Heimatstadt Hamburg.
Die SPD stellt sich auf den Bundestagswahlkampf 2017 ein. Den Auftakt dazu machte das erste Campaign Camp in Hamburg. Einen Tag lang holten sich 500 vor allem die jüngeren Mitglieder Ideen für ihre Kampagne vor Ort.

Die beiden jungen Männer stehen gut gelaunt im Foyer des Bürgerhauses Hamburg-Wilhelmsburg. „Warum grinst Ihr denn so breit?“, fragt ein dritter nicht weniger gut gelaunt. „Ich glaube wir rocken den Wahlkampf in diesem Jahr richtig gut“, antwortet einer der beiden anderen. Nummer drei nickt zustimmend. Sie alle hätten ein gutes Bauchgefühl, befinden sie einmütig auf Nachfrage.

Wahlkampf ist mehr als Plakate kleben und Rosen verteilen

Gute Stimmung, gutes Gefühl – beides beschreibt zurzeit wohl am besten, wie es in der SPD zugeht. Martin Schulz, Spitzenkandidat und neuer Parteivorsitzender, hat der Partei so etwas wie neues Leben eingehaucht. Entsprechend motiviert sind die Mitglieder für den anstehenden Wahlkampf zur Bundestagswahl am 24. September. Ideen und Inspirationen für Aktionen in den Ortsverein und Unterbezirken gab es am vergangenen Samstag im Bürgerhaus Hamburg-Wilhelmsburg beim ersten von mehreren Campaign Camps. Dazu hatten sich 500 Mitglieder angemeldet – darunter viele zwischen Mitte 20 und Ende 30. Für sie gab es eine Art Rundum-sorglos-Paket mit Diskussionen, Workshops und einer Neumitglieder-Runde.

Wahlkampf der SPD besteht aus Plakate kleben, dem Verteilen von Rosen und Kugelschreibern am Infostand sowie Hausbesuchen. So oder so ähnlich wird die Partei in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Dabei tut sich bei den Mitgliedern viel mehr. Beispielsweise berichtete Hamburgs SPD-Landesgeschäftsführer Tim Petschulat im Workshop „Wahlen gewinnen“ über die Reihe „Bürgergespräche“. Sie seien erfolgreiches Angebot an der Elbe. Einerseits erfahre Bürgermeister Olaf Scholz von den Hamburgern dadurch viel mehr. Andererseits sei damit die „Grundlage für einen erfolgreichen Wahlkampf gelegt worden“, sagte Petschulat.

Mit Spaß in den Wahlkampf

„Innovative Wahlkampfideen“ gab es unter anderem auch im gleichnamigen Workshop mit Georg Brockmeyer, Landesgeschäftsführer der niedersächsischen SPD und Leiter des Landtagswahlkampfes 2018. Sein Fazit: „Die Leute gehen mit Spaß in den Wahlkampf, und das ist wichtig.“ Die Niedersachsen hatten schon zur Kommunalwahl diese Art von Veranstaltung angeboten – mit ähnlich durchschlagendem Erfolg wie am Samstag in Hamburg. Brockmeyer weiß warum: „In diesem Format geht es um die Wahlkämpfer vor Ort. Sie können untereinander und voneinander lernen.“

Dies betrifft den Wahlkampf auf der Straße und den im Netz gleichermaßen. Kein Wunder also, dass auch die Workshops zu den Themen Content Marketing und Social Media voll waren. So gab etwa Tobias Nehren, Online-Teamleiter der Kampa, handfeste Tipps für die Arbeit im Netz beziehungsweise den Sozialen Netzwerken. „Man sollte immer alle Kanäle denken“, gab er seinen Zuhörern mit auf den Weg. Und: „Reagiert nicht sofort auf alle Themen. Genau das versucht die AfD zu provozieren.“

Soziale Netzwerke als Wahlkampfplattform nutzen

Wie wichtig die Abstimmung des Online-Wahlkampfs vor Ort ist, machte ein SPD-Mitglied aus dem Kreis Hamburg-Eimsbüttel deutlich. „Wir haben einige Bulletpoint heruntergeschrieben und sie dem Vorstand vorgelegt. Sie sind unser Rahmen“, sagte er. Damit rannte der Hamburger bei Nehren offene Türen ein und empfahl diese Strategie denn auch gleich in der Workshop-Runde weiter.

Welche Instrumente den Mitgliedern zur Verfügung stehen, zeigte der Kommunikations- und Marketingberater Leif Neugebohrn auf. Er zeigte den Wahlkämpfern, wie sich mit auf Suchmaschinen optimierten Texten, Fotos, kleinen Videos und interessanten Postings in den sozialen Netzwerken die Menschen für sozialdemokratische Ideen gewinnen lassen – und am Ende ihre Kreuz bei Schulz und Co. machen. Dabei, so Neugebohrn, sollten die Wahlkämpfer vor Ort nur das machen, was für sie realistisch sei.

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