Heinz Buschkowsky im Porträt

Ein bunter Hund im Rathaus

Birgit Güll16. Mai 2010

Der Sozialdemokrat fordert dazu auf, einzugreifen und mahnt zur Solidarität. Die Chancen seien nicht gleich verteilt - das müsse der Staat ausgleichen. "Wir brauchen eine Bildungspolitik für
Kinder, statt einer Geldscheinpolitik für Eltern", formuliert Buschkowsky eines seiner zentralen Anliegen. Wachsende Armut, ein System, das weniger durchlässig werde - in Neukölln sei all das
sichtbar: "Das tut weh", sagt der Sohn eines Schlossers und einer Sekretärin. Vom Hörsaal in den Plenarsaal, das ist nicht die Welt eines Mannes, der sich in seiner Kindheit im Nachkriegs-Berlin
als "Kartoffelstoppler" auf Feldern verdingte.

Scheitern ausgeschlossen

Der 62-Jährige hält die Investition in Schulen und Kindertagesstätten für mindestens so wichtig, wie die Milliarden-Beträge, die innerhalb kürzester Zeit für die Bankenrettung bereitgestellt
wurden. "Kinder sind auch unsere Zukunft!", wird der Diplom-Verwaltungswirt energisch. Seit er 2001 wieder Bürgermeister wurde - zwischen 1991 und 1992 war er es schon einmal - legt er den Finger
in die Wunde und sorgt für Schlagzeilen: Multikulti sei gescheitert, Wachschutz an Schulen nötig.

Er pflegt eine deutliche Sprache, will mit den Menschen reden, und sie sollen ihn verstehen. Für seine Äußerungen wurde er - auch parteiintern - heftig kritisiert. Heute kontert er Kritiker
stolz mit Erfolgsprojekten wie dem "Campus Rütli", einem modernen Sozialraum und Bildungszentrum, oder dem Integrationsprojekt "Stadtteilmütter". All das koste Geld, "doch nichts ist so teuer,
wie ein nicht in die Gesellschaft integrierter Mensch", sagt er und ist in seinen Ausführungen kaum zu bremsen. Denn Scheitern ist ausgeschlossen - "sonst bereiten wir rechten Rattenfängern den
Weg".

Ein Anpacker, kein Theoretiker

Menschen aus 160 Nationen leben in Neukölln und Buschkowsky will, dass sie Nachbarn werden. "Es ist auch Ihr Land, auch Ihre Stadt, auch Ihr Neukölln", betont er bei der Einbürgerung. Die
nimmt er höchstpersönlich vor, drückt jedem neuen Staatsbürger bei dem kleinen Festakt im Rathaus die Hand. Kein Wunder, dass der korpulente Mann mit Brille bekannt ist "wie ein bunter Hund", wie
er von sich sagt. Wenn er aus dem Neuköllner Süden, wo er mit seiner Frau Christina lebt, an seinen Arbeitsplatz im Norden fährt, wird ihm nicht selten zugewunken. "Ich bin so was wie ein
Beichtvater hier", lacht Buschkowsky vergnügt und man glaubt es ihm gerne. Er kennt die Sorgen seiner Pappenheimer. Und er liebt seinen Bezirk: "Neukölln ist mehr als die Summe seiner Probleme",
betont er.

Genugtuung bereitet ihm, dem viel Gescholtenen, der Gustav-Heinemann-Bürgerpreis, den die SPD ihm Mitte April verliehen hat. Sigmar Gabriel bezeichnete ihn in seiner Laudatio als "Kümmerer,
mit viel Verstand, einem großen - und auch heißen - Herzen". Ein Anpacker eben, kein Theoretiker - nicht zimperlich, nicht immer politisch korrekt, aber mit ganzem Herzen engagiert.

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung der
"DEMO" - die Monatszeitschrift für Kommunalpolitik

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