Globaler Kampf gegen die Pandemie

Bulgarien und Corona: Keine Tests, keine Fälle

Helene Kortländer25. März 2020
In Bulgarien wurden lange Zeit keine Covid-19-Infizierte getestet, deswegen gab es offiziell auch zunächst keine Fälle.
In Bulgarien wurden lange Zeit keine Covid-19-Infizierte getestet, deswegen gab es offiziell auch zunächst keine Fälle.
In Bulgarien gab es zunächst laut offiziellen Zahlen keine Covid-19-Erkrankungen. Doch die Bevölkerung traute den Angaben nicht, es gab Hamsterkäufe bei Masken und Desinfektionsmitteln. Inzwischen gilt der nationale Notstand.

Europäische Trends kommen in Bulgarien häufig mit etwas Verzögerung an. Während sich Ende Februar im übrigen Europa die beklommene Erkenntnis durchsetzte, dass das Coronavirus auch hier epidemische Ausmaße annehmen könnte, schien Bulgarien eine Weile lang die Insel der Seligen zu sein. Fälle: Null. Wie sehr die Bulgaren dieser Zahl allerdings trauten, zeigte sich in den Apotheken: Masken, Desinfektionsmittel und Wegwerfhandschuhe waren ausverkauft, ehe es in Bulgarien einen einzigen bestätigten Fall gab.

Erst am 8. März meldete auch Bulgarien offiziell die ersten vier Corona-Erkrankten – in den abgelegenen Städtchen Gabrovo und Pleven. Die Infektionskette kann nicht nachvollzogen werden, die Fälle kommen scheinbar aus dem Nichts. Schon zuvor waren landesweit die Schulen geschlossen worden; angeblich wegen gehäufter Grippeerkrankungen. Mitte März – mittlerweile sind 23 Fälle bestätigt – wird der nationale Notstand beschlossen, werden Schulen und Kitas geschlossen, nach und nach kommen Geschäfte, öffentliche Gebäude und Anlagen hinzu.

Corona-Tests beginnen schleppend

Es passt einiges nicht zusammen in der Corona-Geschichte Bulgariens. Aber die Erklärung ist leicht: keine Tests, keine Fälle. 2 000 Tests hatte die bulgarische Regierung ursprünglich angeschafft – für eine international sehr mobile Sieben-Millionen-Bevölkerung. Inzwischen sind private Geldgeber eingesprungen und insgesamt 5 000 Personen in Bulgarien auf Corona getestet worden – immer noch viel zu wenig, um ein auch nur annähernd realistisches Bild der Lage zu bekommen. Spätestens mit der Rückkehr der bulgarischen Saisonarbeiter aus den geschlossenen norditalienischen Urlaubsorten dürfte die Dunkelziffer enorm sein.

Die Bulgaren reagieren teils zynisch – Bulgarien habe mit seinen ersten Fällen eben darauf gewartet bis es einen europäischen Hilfsfonds gebe – teils mit landestypischem Fatalismus: eine weitere Krise, die sich in die lange Kette bulgarischer Katastrophen einreiht. Zuversicht ist derzeit wenig vorhanden – kaum jemand traut der Regierung oder dem Gesundheitssystem das Management der Krise tatsächlich zu. Das Vertrauen in die bulgarischen Institutionen ist gering: Entsprechend blühen auch Fake News und Verschwörungstheorien, aber vor allem die bulgarische Überzeugung, dass man sich nur auf sich selbst verlassen kann.

Lebensmittelversorgung: Engpässe gewohnt

Während allenthalben vor Panik gewarnt wird, wirkt niemand panisch. Die Menschen sorgen vor. In der Erinnerung vieler hier sind Engpässe bei der Lebensmittelversorgung bis in die 90er Jahre hinein präsent. Die Versicherung der Regierung, Vorratskäufe seien nicht nötig, in Frage zu stellen, ist eher nüchterner Kalkulation geschuldet als kopfloser Furcht. Und die meisten Menschen setzen darauf, die Krise krank oder gesund zuhause aussitzen zu können.

Schon im Normalzustand ist das Gesundheitssystem defizitär bei Ausstattung und Personal. „Wenn man kein Geld hat, muss man sterben“, sagen sie hier. Was früher die Korruption war, ist heute die Privatisierung – die staatliche Krankenversicherung deckt kaum das Allernötigste ab. Der Rest: Privatleistungen, die man sich leisten können muss.

Und je länger der Shutdown andauert, desto weniger können sich noch etwas leisten. Im ärmsten Land der EU bedeuten zwei Wochen Schließung den Bankrott für viele Kleinbetriebe, den unbezahlten Urlaub für zahllose Angestellte. Bei einem Durchschnittseinkommen von 671 Euro im Monat hat auch die Mittelschicht keine Rücklagen für einen solchen Fall. 

Präsident Rumen Radev warnte zuletzt, die Krise könne Hunderttausende Bulgaren an den Rand des Überlebens bringen: „Der Hunger wird größer werden als die Angst, und die Folgen werden verheerend sein.“

Dieser Artikel erschien zuerst im IPG-Journal am 24. März.

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Kommentare

Nur teilweise wahr

Es tut mir leid, aber dieser Artikel kann ich nicht voll erst nehmen, denn die Informationen und Quellen die hier dargestellt werden sorgen für Irreführung und allgemein für ein übertrieben negatives Gesamtbild des Landes. Seitdem ich in Bulgarien bin habe ich mich hundertmal sicherer gefühlt als ich in Deutschland oder woanders in Westeuropa je sein werde. Zuerst den Titel- am 25 März, der Zeitpunkt der Veröffentlichung gibts mehr als genug Tests und Fälle und um ganz ehrlich zu sein vom Anfang an entsprechende Maßnahmen getroffen, die die Bundesrepublik viel zu lang überlegt hatte. Die Aussage, dass Bulgaren an Engpässe gewohnt sind ist auch nur teilweise wahr, denn dieser Mangel gilt nur für die frühen 90er Jahren nach der Wende. Meinen Einblicken nach gibts in den Märkten genug Lebensmittel vom reichen Sortiment inklusive Klopapier und Nudeln usw. doch das Klischee des Landes der ärmeren Beerenpflücker muss weiterhin verbreitet werden. Das Problem mit dem Wasser gibts in Pernik seit ein paar Monaten wegen veralteten Anlagen und hat’s nichts mit dem Virus zu tun. Auf gar keinen Fall würde ich behaupten, dass das Land keine Probleme hat,aber hier wird ja wohl einseitig berichtet.

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Leider Propaganda, die mit der Realität nichts zu tun hat

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Was soll das? Es gibt über

Was soll das? Es gibt über 250 Fälle in Bulgarien und 3 tote. Es gibt vorbildliche Maßnahmen dort, die früh erteilt wurden. Strenge Ausgangssperre, Grenzen dicht, man darf die Städte nicht verlassen. Einkaufszeiten nur für ältere Menschen ab 60 - zwischen 8:30 und 10:30. Die jungere dürfen in dieser Zeit nicht einkaufen. Alles wird desinfiziert, werden kostenlos Masken und Handschuhe verteilt, maximal 5 Leute werden im Laden gelassen, die andere Warten 1,5 m Abstand draußen. Vorbildlich! Und Corona ist in Griff, deshalb wenig fälle. Vorblidlich, bin positiv selber überrascht von dem Vernunft, mit dem die Regierung und die Menschen selbst agieren. In Deutschland wurd gezögert, verharmloßt und nur halbherzig Maßnahmen getroffen, die nicht wirken.

Dieser Bericht grenzt an eine

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Dieser Bericht grenzt an eine

Dieser Bericht grenzt an eine Beleidigung !! Schlecht recherchiert und aus der Luft gegriffen! Es gibt genau genommen Null Engpässe was Nahrung betrifft, Bulgarien ist kein Entwicklungsland auch wenn viele das so sehen! Mag sein dass das Gesundheitssystem nicht besonders ist, aber immerhin spenden die Reichen eine Menge Kohle um das System in dieser Krise zu unterstützen.... Nur so als Vergleich Italien Spanien und Frankreich nennen...Was die Zahl der erkrankten angeht eher vorbildlich! seit Anfang Februar bis jetzt Ende März sind es im ganzen Land NUR 242 Fälle registriert... und warum? Weil man noch VOR Deutschland reagiert hat!

Einkaufen in Bulgarien

Ich lebe in Bulgarien seit Februar 2020, ich kann das nur bestätigen. Hier wird vorbildlich gehandelt. Wo in Deutschland noch gefeiert wurde, sind in Bulgarien die Menschen schon mit mundschutz und Handschuhen rumgerannt. Es durften nur wenige Leute in die Geschäfte. Draußen wurde vorbildlich gewartet bis Leute rauskamen. Ich habe großen Respekt vor diesen Leuten. Deutschland muss sich hier warm anziehen. Hier gibtves alles zu kaufen sogar jede Menge clopapier

Excuse me! Who are you to

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Koronavirus Bulgarien

Ich habe meinen Namen vollkommen angegeben inkl. Email-Adresse.
Ich bin Deutscher, und lebe seit über drei Jahren in Bulgarien! Was über das Koronavirus geschrieben wird stimmt überhaupt nicht. Wir waren heute in der Stadt einkaufen, die Geschäfte sind alle zu, die Lokale auch. Die Bürger sind sehr diszipliniert, was man von den deutschen nicht behaupten kann. Was man so liest. Die Lebensmittelgeschäfte haben haben alle Regale voll. Klopapier gibt es jede Menge. Daß die Medizinische Versorgung nicht auf dem höchsten Stand ist,das weiß man. Trotzdem kann man der Regierung jetzt nicht vorwerfen sie hätte nichts getan.

Coronavirus in Bulgarien

Ich heiße Ludmila Murawsky, wohne in Bulgarien seit drei Jahren. Diese Titel stimmt im Fall Coronavirus nicht. Ich bin selber angenehm überrascht wegen die gute Organisation der Maßnahmen gegen der Verbreitung diese Infektion. Großen Lob an die Bulgarischen Regierung und Bevölkerung!

Ihr sollt ab sofort diese

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Keine Tests, keine Felle

Liebe Frau Kortländer, ihre politische Überzeugung aller Ehre, aber im Moment ist nicht angebracht falsche Berichte zu verbreiten. Ich bin entsetzt, dass in Deutschland so gut wie nichts über Bulgarien berichtet wird und wenn, dann nur negatives. Weren’t dessen in Deutschland verbreitet wurde das Masken nichts nutzen, könnte Mann in Bulgarien welche kaufen. Jetzt, 2 Tage nach ihrem Bericht würden sich die deutschen für eine Maske schlagen . In Deutschland gab Ende Februar keinen Hand Desinfektionsmittel zu kaufen? Im Bulgarien schon (und die Leute könnten sich eindecken). Bulgarien hat am 13.03. den Ausnahmezustand ausgerufen, in Deutschland spielte mann zu selben Zeit noch Fußball. Warum steht in ihrem Bericht nichts darüber? Wer sowas verbreitet, hat nur eigene Ziele und nicht das Vorhaben über die Wirklichkeit zu berichten und hat nichts übrig für den bulgarischen Volk. Schade dass Sie so eine namhafte Organisation vertreten. Ich bin politisch eher links angehaucht, aber finde nicht in Ordnung wenn Mann die jetzige Regierung so darstellt. Das ist unfair. Gott sei Dank, dass die meisten Bulgaren kein Deutsch können und ihren Bericht nicht lesen können.

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Was für eine Frechheit!

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Sehr geehrte Frau Kortlaender,

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