Ziviler Ungehorsam

Bürgermeister entfernt AfD-Plakat und landet einen Internet-Hit

Kai Doering08. September 2017
„Eine gezielte Provokation, die ich nun abgestellt habe.“ Ebstorfs Bürgermeister Heiko Senking mit AfD-Wahlplakat

Eine Kooperation mit bnr.de

Im niedersächsischen Ebstorf hat Bürgermeister Heiko Senking ein AfD-Wahlplakat vor einem Sportverein entfernt – Selbstanzeige inklusive. Seine Begründung auf Facebook wird zum viralen Hit im Internet.

Die Gemeinde Ebstorf im südlichen Niedersachsen hat etwa 5400 Einwohner. Für bundesweite Schlagzeilen hat sie bisher nicht gesorgt. Dass sich das nun geändert hat, liegt an Heiko Senking. Er ist nicht nur Bürgermeister für die unabhängige Wählergemeinschaft, sondern auch 1. Vorsitzender des TuS Ebstorf. Der Sportverein hat knapp 1500 Mitglieder. Es gibt Sparten für Fußball, Schwimmen und Wandern.

„Eine Provokation, die ich abgestellt habe“

Vor der Geschäftsstelle hatte die AfD im Bundestagswahlkampf ein Plakat aufgehängt. Das hat Heiko Senking am Donnerstag eigenhändig entfernt. Die „hiesige AfD“ informierte er darüber auf seiner Facebook-Seite, inklusive Foto von sich und dem – noch hängenden – Plakat.

Der TuS Ebstorf besteht wie alle Sportvereine Deutschlands zu einem großen Teil aus Menschen mit Migrationshintergrund, verschiedener Religionen, (sie) sind schwul oder lesbisch und was auch sonst immer“, schreibt Senking in seinem Facebook-Eintrag. Für ihn als Vorsitzenden sei es unerträglich, dass die Vereinsmitglieder jeden Tag an dem Plakat (Aufschrift: „Neue Deutsche? Machen wir selber.“) vorbeigehen mussten, um in die Geschäftsstelle zu gelangen. „Meiner Meinung nach ist das eine gezielte Provokation, die ich nun abgestellt habe“, so Senking.

„Endlich mal einer mit Eiern in der Hose“

Da das Abnehmen von Wahlplakaten eine Straftat ist, könne die AfD nun rechtliche Schritte gegen ihn einleiten. „Allerdings habe ich mich bereits dahingehend heute selber angezeigt.“ Im Übrigen sei das Wahlplakat „unversehrt und sie können mir mitteilen, wo dieses anstatt aufgehängt werden soll“.

Im Internet macht Senkings Facebook-Eintrag seit Donnerstag Nachmittag die Runde. In nicht einmal 24 Stunden nach der Veröffentlichung wurde er mehr als 152.000 Mal geliked und knapp 24.000 Mal geteilt. Die mehr als 15.000 Kommentare unter dem Foto reichen von „coole Aktion“ bis „Endlich mal einer mit Eiern in der Hose“. Manche kritisieren jedoch auch, dass Wahlplakate als Meinungsäußerung hingenommen werden müssen. Senkings Aktion sei daher undemokratisch. So oder so ist Ebstorf offenbar ein Ort, den man sich merken sollte.

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