Neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Britta Ernst: Wir wollen die Schulen so schnell wie möglich wieder öffnen.

Kai Doering14. Januar 2021
Neue KMK-Präsidentin Britta Ernst: Präsenzunterricht ist und bleibt aber die beste Form des Unterrichts.
Neue KMK-Präsidentin Britta Ernst: Präsenzunterricht ist und bleibt aber die beste Form des Unterrichts.
An diesem Donnerstag übernimmt Britta Ernst die Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz (KMK). Im Interview sagt sie, wie sie die Digitalisierung der Schulen vorantreiben will – und was passieren muss, damit sie wieder öffnen.

Unter den Bedingungen eines Lockdowns und geschlossenen Schulen haben Sie den Vorsitz der Kultusministerkonferenz übernommen. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Es eine große Ehre, Präsidentin der Kultusministerkonferenz zu sein. Es geht um die Koordinierung der Bildungspolitik von 16 Bundesländern und um den Einfluss auf die Meinungsbildung in den wichtigen schulpolitischen Fragen. Das ist viel Arbeit, macht aber auch Spaß. In der Zeit der Corona-Pandemie haben wir unsere Zusammenarbeit unter der Präsidentschaft von Stefanie Hubig deutlich intensiviert. Das war dringend nötig, denn Bildung ist eines der wichtigsten Themen im Umgang mit der Pandemie. Neben den Routinesitzungen, bei denen die Tagesordnung immer schon sehr voll ist, haben wir uns flexibel nach Bedarf häufig per Videokonferenz zusammengeschaltet, um uns eng abzustimmen. Das werden wir sicher beibehalten.

Britta Ernst, Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Die KMK rät zu einem stufenweisen Start der Schulen je nach Höhe der Infektionszahlen in einem Bundesland. Was ist der Gedanke dahinter?

Uns ist wichtig, dass klar ist, welche Schülergruppen zuerst wieder in die Schulen dürfen. Im Bund-Länder-Beschluss aus dem Dezember gab es ja bereits eine Ausnahmeregelung für die Abschlussklassen, die auch weiter gilt. Wir müssen unbedingt verhindern, dass die Schülerinnen und Schüler wegen Corona ihre schulische Bildungsbiografie nicht vollenden können. Als zweite Gruppe müssen bei möglichen Lockerungen die Grundschülerinnen und Grundschüler zurückkehren, weil für sie kompletter Distanzunterricht sehr schwierig ist. Sie können nicht so gut eigenverantwortlich arbeiten. Hinzu kommt, dass wir für diese Schülerinnen und Schüler auch eine Betreuungsaufgabe haben, vor allem für Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen.

Lehrer*innen und Eltern kritisieren, dass die Zeit seit dem ersten Lockdown nicht ausreichend genutzt wurde, um die Schulen auf eine erneute Schließung vorzubereiten. Wurde die Situation unterschätzt?

Nein. Ich teile diese Einschätzung auch nicht. In den vergangenen Monaten wurde an den Schulen und in den Bildungsministerien sehr viel dafür getan, um die Schulen digital besser auszustatten und Konzepte für Wechsel- und kompletten Distanzunterricht zu erstellen, ebenso wie Hygienekonzepte. Präsenzunterricht ist und bleibt aber die beste Form des Unterrichts. Deshalb war unser Ziel auch immer, die Schulen möglichst lange offenzuhalten. Jetzt wollen wir sie so schnell wie möglich wieder öffnen.

Bei der Digitalisierung hinken die Schulen nicht erst seit Corona hinterher. Sie haben sich Unterricht in Zeiten der digitalen Transformationen als Schwerpunktthema für Ihre Amtszeit vorgenommen. Was wollen Sie bis Ende des Jahres erreicht haben?

Der Digitalpakt hat bereits gute Wirkungen erzielt. Im Frühjahr stockte es etwas bei der Antragsstellung, weil zunächst mal der Unterricht unter Coronabedingungen geplant werden musste. Es konnten Schulkonferenzen und Stadtverordnetenversammlungen wegen der Corona-Pandemie nicht tagen und die Medienentwicklungspläne verabschieden. Ende des Jahres waren wir aber wieder gut im Plan. Es geht jedoch bei weitem nicht nur um Ausstattungsfragen. Der rote Faden der Bildungspolitik ist guter Unterricht, der schwächeren Schülern genauso gerecht wird wie den leistungsstarken und einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit leistet. Digitale Medien sind tragen ebenfalls dazu bei. Bereits 2016 unter der Präsidentschaft von Claudia Bogedan war das Lernen mit digitalen Medien Schwerpunktthema der KMK. Daran möchte ich gerne anknüpfen und die wichtige Frage beantworten, wie wir guten Unterricht mit den Möglichkeiten digitaler Technik verbinden können.

Welche Rolle spielt die Qualifizierung der Lehrkräfte dabei?

Eine ganz zentrale! Deshalb sind auch alle Länder dabei, ihre Fortbildungsaktivitäten auszubauen. Ich merke aber auch, dass sich viele Lehrkräfte in den vergangenen Monaten selbst viele Kenntnisse angeeignet haben, ganz ohne Fortbildungen.

Nochmal zurück zur aktuellen Situation: Wann können Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern wieder mit einer Beschulung im Regelunterricht rechnen?

Das Unbefriedigende an der derzeitigen Situation ist, dass wir leider nicht in die Zukunft blicken können. Das Virus und das Infektionsgeschehen gibt den Takt von Lockerungen vor. Genauso wenig wie wir in anderen gesellschaftlichen Bereichen sagen können, wann etwa Theater oder Museen wieder öffnen, können wir leider auch nicht vorhersagen, wann die Schulen wieder im Regelbetrieb arbeiten werden. Wir können nur sagen, dass sich die Schultüren für alle wieder öffnen werden, sobald es das Infektionsgeschehen zulässt. Das ist die klare Position der Kultusministerkonferenz.

Die Gesprächspartnerin

Britta Ernst ist seit 2017 Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Zuvor war sie Ministerin für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein. Für 2021 wurde sie zur Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) gewählt.

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Kommentare

ich rege an

die Titel sorgfältiger zu formulieren und immer die Frage im Auge zu behalten, ob auch eine gegenteilige Äusserung denkbar wäre, also hier:
Wir wollen die Schulen so spät wie möglich wieder öffnen.

Einen solchen Satz würde niemand in den Mund nehmen. Weil das so ist, verkommt die Schlagzeile zur Banalität- damit locken Sie "niemanden hinter dem Ofen hervor.

Das wäre aber falsch

Die Überschrift ist eine Zitat aus dem Interview. Ob banal oder nicht – das Gegenteil als Schlagzeile zu formulieren wäre irreführend, würde dem Artikel wiedersprechen und hat Britta Ernst auch nicht gesagt.

Beste Grüße
Benedikt Dittrich

Warum es nicht machen wie die

Warum es nicht machen wie die Schweden und somit Schulen und Kits grundsätzlich offen lassen!?
"Grundschulen sowie Kindergärten sind grundsätzlich geöffnet. Gymnasien (ab Jahrgangsstufe 10) sind vom 7. Dezember 2020 bis 24. Januar 2021 geschlossen, der Unterricht findet digital statt."
https://www.handelskammer.se/de/corona

es geht nicht darum

das Gegenteil formuliert zu verwenden, sondern darum, mit einer Formulierung des Gegenteils quasi die Tauglichkeit der beabsichtigten Aussage zu testen.

Zentrale Aussage+Bekenntnis

Das Zitat erschien uns als tauglich, weil es eine zentrale Aussage im Text beinhaltet und außerdem eine Stellungnahme zu der Frage ist, welchen Kurs Britta Ernst in der Bildungspolitik verfolgt. Deswegen halten wir die Überschrift für tauglich.

Und dass wir an dieser Stelle darüber debattieren, ist ja auch ein Hinweis darauf, dass das Interview angeklickt wurde und hoffentlich auch gelesen wurde. ;-)

ich verkenne nicht

die gute Absicht- aber das Gegenteil wird erreicht, ein Schatten fällt zurück auf Frau Ernst, die, wenn Sie sich derart banal äußert, den Anschein erzeugt, sie habe nicht substanzielles vorzutragen.
Für Ihren Gatten, unseren Kandidaten Nummer 1 - gilt dasselbe. Er will das WIR gestärkt sehen (sh Artikel vor wenigen Tagen).

Ja was denn sonst? Das ICH kann es doch wohl nicht sein, das Stärkung erfahren soll oder muss.

Also- die Aussage diskreditiert den Sprechenden und sollte deshalb nicht so herausgestellt werden

Und was hindert nun daran ?

Ist es nicht irgendwie wenig werbewirksam wenn man so liest, was angeblich "gewollt" ist und anschließend mitbekommt, das dann nicht wirklich was unternommen wird um den angeblichen Willen auch umzusetzen ?

Das kann man eigentlich für sämtliche großspurigen Ankündigungen und Willensbekundungen so sehen.

Die Anschaffung beleuchteter Grabbelbretter erzeugt keinen Lerneffekt. Auch wenn die Schulbuchverlage schon vor Jahren angefangen haben, ihre Bücher mit CD-ROMs zu gesalzenen Preisen "aufzuwerten", eine technische Unterstützung von Lernvorhaben bedarf deutlich besser durchdachter Konzepte als mit dem Marketingblabla "Digitalisierung" letztlich doch nur Mehrkosten zu erzeugen, die funktional betrachtet keinerlei Mehrwert generieren sondern im Gegenteil Dank der Zuwendung der Digitalindustrie zu Abonnementmodellen permanente Folgekosten und Zwangsbindung an den Lizenzgeber verursachen.

Das britische Konzept der 1980er, mit Hilfe einheimischer Rechner (BBC Micro) Grundkenntnisse in der Computertechnik und Bedienung zu vermitteln war weit ausgereifter als die Seifenblase "Digitalisierung" die außer Kaufimpulsen keine klaren Merkmale besitzt.