SPD-Geschichte

Brandenburg – das rote Bollwerk der Sozialdemokratie

Klara Geywitz17. September 2021
Sozialdemokratische Landesväter: Der aktuelle Ministerpräsident Dietmar Woidke (l.) und Manfred Stolpe (gestorben 2019), der erste Regierungschefs Brandenburgs nach der Wiedervereinigung, im Jahr 2015.
Sozialdemokratische Landesväter: Der aktuelle Ministerpräsident Dietmar Woidke (l.) und Manfred Stolpe (gestorben 2019), der erste Regierungschefs Brandenburgs nach der Wiedervereinigung, im Jahr 2015.
Das Land Brandenburg ist die Hochburg der SPD in Ostdeutschland. Bereits seit der Gründung der Partei spielten brandenburgische Sozialdemokrat*innen eine sehr wichtige Rolle. Über diese spannende Geschichte von 1868 bis 1933 berichtet nun ein Buch.

30 Jahre Brandenburg, das sind auch 30 Jahre SPD an der Spitze der Landesregierung. Als Manfred Stolpe die SPD 1990 trotz CDU-Hoch im Osten zum Sieg führte, legte er das Fundament für eine sozialdemokratische Erfolgsgeschichte, die bis heute ungebrochen ist.

Er knüpfte damit aber auch an eine große Vergangenheit der Sozialdemokratie in Brandenburg an. Persönlichkeiten wie Otto Wels, Otto Braun oder Marie Juchacz prägten die SPD in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg. Sehr früh nach der Wende benannte die SPD ihre neue Parteizentrale in der Friedrich-Ebert-Straße nach dem letzten Fraktionsvorsitzenden im Reichstag in Otto-Wels-Haus. Otto Wels hatte eine zentrale Funktion beim Aufbau der Parteiorganisation am Anfang des 20. Jahrhunderts. Durch seine Agitation als erster hauptamtlicher SPD-Sekretär wuchs die Zahl der Parteimitglieder rasant von 17.000 im Jahr 1907 auf 35.000 im Jahr 1914. Eine Zahl, die bis heute nicht wieder erreicht wurden.

Ministerpräsident Otto Braun, der rote Zar

Jahre später setzte sich insbesondere der damalige Generalsekretär der SPD-Brandenburg Klaus Ness für die Benennung eines Platzes am neuen Landtag nach dem langjährigen preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun ein. Otto Braun füllte dieses Amt von 1920 bis zum Preußenschlag mit nur kurzen Unterbrechungen aus. Er war ein Stabilitätsfaktor in den Wirren der Weimarer Republik und hatte entscheidenden Anteil an der Modernisierung der Mark Brandenburg. Sein Gang ins Exil nach 1932 führte dazu, dass diese prägende Figur der Weimarer Zeit heute fast vergessen ist.

Auch wenn die SPD Brandenburg heute in der Tradition dieser großen Männer und Frauen steht, fehlte es in den ersten Jahren nach der Wende an Zeit für die systematische Aufarbeitung der eigenen Parteigeschichte. Dies änderte sich erst mit der Gründung einer brandenburgischen historischen Kommission im Jahre 2019.

Zwischen Aufstieg und Abgrund

Eines ihrer ersten Arbeitsergebnisse ist das nunmehr erschienene Buch „Sozialdemokratie in Brandenburg (1869-1933) Lebenswege zwischen Aufbruch, Aufstieg und Abgrund.“

Willi Carl, Martin Gorholt und Sabine Hering schufen eine Sammlung von 19 ausführlichen Biografien und 50 Kurzbiografien, die einen guten Überblick geben über die Zeit der Gründung der Sozialdemokratie in der Mark Brandenburg bis zu ihrem Verbot unter den Nationalsozialisten. Eingeleitet wird das Buch von Martin Gorholt mit einem Abriss der Geschichte der SPD Brandenburg von 1869-1933.

Lebenswerke von Frauen und Männern

Bemerkenswert ist, dass die Autoren des Werkes ein großes Augenmerk darauf legten, die Lebenswerke von Männern und Frauen gleichermaßen in den Mittelpunkt zu richten. So erfährt man viel über frühe Frauenrechtlerinnen wie Pauline Stegemann oder Lily Braun und natürlich über die Ikone des Frauenwahlrechtest Marie Juchacz, die spätestens seit dem 100. AWO-Jubiläum vielen ein Begriff ist. Die erste Frau, die im deutschen Reichstag eine Rede hielt, hatte ihren Wahlkreis in Potsdam.

Aber auch durchaus umstrittene Männer wie Gustav Noske spielten eine Rolle beim Aufbau der SPD in Brandenburg. So leitete Gustav Noske bereits mit 24 Jahren den SPD-Ortsverein Brandenburg an der Havel und wurde später Redakteur der Brandenburger Zeitung.

Der Kampf von Generationen

In einigen Biographien, etwa der von Paul Szillat spiegelt sich auch der schwierige Kampf der Sozialdemokraten in der zwangsvereinigten SED wieder. Hier wirft das Buch einen Blick hinaus über den eigentlichen Betrachtungszeitraum und zeigt, wie schwer der Kampf mehrerer Generationen Sozialdemokraten war.

Beginnend mit den Sozialistengesetzen, wo trotz schwieriger Rahmenbedingungen ein rasanter Parteiaufbau erfolgte, über die Gestaltungsphase mit dem roten Zar aus Preußen Otto Braun, bis zu Verfolgung und Exil im Dritten Reich, dem sich eine weitere Phase der Unterdrückung anschloss.

Der im kommenden Jahr erscheinende 2. Band wird die Sozialdemokratie in Brandenburg 1933 bis 1989/90 zum Thema haben.

Willi Carl/Martin Gorholt / Sabine Hering (Hg.): Sozialdemokratie in Brandenburg Aufbruch, Aufstieg und Abgrund (1868-1933) Verlag C H. Dietz , Bonn 24,00 Euro, ISBN 978-3-8012-0596-6