Fotografie-Doppelausstellung

Bilder der Zivilcourage

Johanna Lehn Johanna Schmeller08. Juni 2018
Rund 90 Pressefotografien zeigen die beiden Ausstellungen in Berlin
Zwei Fotografieausstellungen im Willy-Brandt-Haus zeigen die Gewinner des World Press Photo Award – und den südafrikanischen Politiker Nelson Mandela als Staats- und Privatmann.

Über 73.000 Fotos von mehr als 4.500 Fotografen aus 125 Ländern hat die Jury in diesem Jahr gesichtet. Eines hat alle überzeugt: Es zeigt einen jungen Demonstranten mit Gasmaske, dessen Kleidung in Flammen steht. Geschossen hat das World Press Photo des Jahres 2018 Ronaldo Schemidt während der Unruhen in Venezuela.

Aber auch andere der insgesamt 42 Siegerfotografien verschiedener Kategorien, die gerade im dritten Stock des Willy-Brandt-Hauses hängen, stehen dieser eindrucksvollen Momentaufnahme kaum an Ausdruckskraft nach.

Zeitgeschichte in Bildern

In dichten Trauben drängen die Menschen in die SPD-Parteizentrale, um die Bilder zu betrachten. Rund 700 Besucher sollen an diesem ersten Abend zu den beiden Vernissagen gekommen sein.

Eröffnung der Vernissage im Willy-Brandt-Haus

„Die World Press Photos mahnen uns, die Augen vor den Ungerechtigkeiten dieser Welt nicht zu verschließen“, sagt SPD-Schatzmeister Dietmar Nietan, der die Schau nach Berlin geholt hat.  

Blick auf die Apartheid

Einer, der die Augen ebenfalls nicht vor Ungerechtigkeit und Elend der Welt verschlossen hat, ist Nelson Mandela. 45 Porträts des Friedensnobelpreisträgers hängen im Foyer. „Ein Gewinner ist ein Träumer, der nie aufgibt“, hat der erste schwarze Staatspräsident Südafrikas einmal gesagt. Am 18. Juli hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.

700 Besucher sahen die Fotoschau am ersten Abend

Jürgen Schadebergs Schwarz-Weiß-Fotografien bilden vor allem die frühen Jahre ab: Als einer der ersten weißen Fotografen richtet er den Blick auf die Apartheid. Den jungen Rechtsanwalt und ANC-Kämpfer Nelson Mandela begleitet er ab den 1950er Jahren. Mitte der 1990er Jahre kehrt Schadeberg mit Nelson Mandela auf Robben Island zurück, wo der Friedensnobelpreisträger die ersten Jahre seiner 27-jährigen Haftstrafe gefangen war. Die Porträts der südafrikanischen Pressefotografin Louise Gubb fangen ab den frühen 1990er Jahren neben offiziellen Terminen auch den persönlichen Charme Mandelas ein.

Realität und Vision

Gisela Kayser, Geschäftsführerin des Willy-Brandt-Hauses, würdigt Nelson Mandela bei der Vernissage als demokratischen Vordenker: „Realität und Vision kommen in dieser Schau zusammen“, bringt sie das Konzept auf den Punkt.

Dietmar Nietan, Vorsitzender des Freundeskreises des Willy-Brandt-Hauses, stellt Mandelas „Jahrhundertleistung“ beim Kampf gegen die Apartheid heraus – gegen diesen „Schandfleck der Menschheit".

Leid, Katastrophen, Schönheit

Viele World Press Photos zeigen nicht minder schweres, menschengeschaffenes Leid: Kriegsszenen in Syrien etwa, oder Flüchtlingscamps. Mehrere Beiträge dokumentieren Amokläufe in den USA.

Gleichzeitig halten die prämierten Fotografen aber auch Absurdes und Beeindruckendes fest – zum Beispiel einen siebentägigen Marathon in der Wüste, bei dem einzelne Teilstrecken bis zu 80 Kilometer betragen. Gerade die Bilder der Kategorien Umwelt und Natur, also Aufnahmen aus dem Meer, von jungen Elefanten und von Pinguinen, zeichnen unsere Lebenswelt so, wie nur wir sie jetzt erhalten können: so schön und so vergänglich.