Ein Beschimpfungsabend mit Sinasi Dikmen

Edda Neumann18. November 2009

Was wäre, wenn kulturelle Vorurteile nicht mehr gepflegt würden? Es ist doch schön zu wissen, dass natürlich an allem immer die anderen schuld sind. Davon können viele Menschen nicht nur in
Deutschland ein Lied singen. Wie aber sich dagegen wehren? Sinasi Dikmen macht es vor - unter dem Moto "Lassen Sie sich beschimpfen!" schlägt er zurück. In der Reihe Kulturkontraste organisiert
die Friedrich-Ebert-Stiftung von Zeit zu Zeit solche Veranstaltungen. Deren Hintergrund ist, dass Beschimpfungen eine entlastende Wirkung haben. "Längst sind sie zur Tradition im Alltag und sogar
in der Politik geworden. Beschimpfungen sind ungerechte Übertreibungen. Sie bringen nichts, außer einem Quäntchen Wahrheit, über das befreit gelacht werden kann", heißt es in der Einladung. Und
Dikmen kann genau dies tun. Einen ganzen Abend lang bringt er sein Publikum im Berliner Kulturzentrum Wabe zum Lachen.

Ein Türke schlägt zurück

Dikmen wurde am 5. Januar 1945 in Ladik/Samsun, einem kleinen moslemischen Dorf in der Türkei geboren. Seine Urgroßeltern kommen aus dem Kaukasus. Sein Vater ist Tscherkesse, seine Mutter
halb Türkin, halb Tscherkessin. Seine Enkelkinder haben amerikanische, hispanisch-amerikanische oder deutsche Väter und türkische sowie französische Mütter.


In den 70er Jahren kam Dikmen nach Ulm. Dort arbeitete er über 15 Jahr lang als Krankenpfleger für anästhesiologische Intensivbehandlung auf einer Intensivstation, bevor er Schauspieler und
Schriftsteller wurde. Das erste deutsch-türkische Kabarettprogramm "Knobi-Bonbon" brachte Dikmen1985 auf die Bühne. Damit gewann er 1988 den deutschen Kleinkunstpreis. Er war der erste, der sich
mit dem Dasein der Türken in Deutschland humoristisch-satirisch auseinander setzte.


Im Jahr 1997 ging Dikmen schließlich nach Frankfurt/Main und gründete zusammen mit Ayse Aktay das Kabarett "Die Käs". Mit seinen Büchern "Wir werden das Knoblauchkind schon schaukeln"
(1983), "Der andere Türke" (1986), "Hurra, ich lebe in Deutschland" (1995) und "Integrier dich, Opa" (2008) wurde er auch als Autor in Deutschland bekannt. Für sein Engagement wurde Dikmen 1991
mit dem Journalistenpreis der IG-Metall und 2003 den Frankfurter mit dem Kulturpreis "Skyline" ausgezeichnet.

Was ist Integration

Hinter allen seinen Beschimpfungen steckt natürlich Dikmens Hoffnung auf mehr Verständnis bei allen Beteiligten. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist für den Kabarettisten noch lange
keine Garantie auf Integration. Diese fange in den Köpfen der Menschen an und jeder habe dabei seine ganz eigene Interpretation von Integration. Ein halbwegs harmonisches Zusammenleben zwischen
Deutschen, Türken und anderen Nationalitäten sollte vor allem auf mehr Verständnis, Toleranz und Akzeptanz des anderen bauen, so das abschließende Fazit der ungewöhnlichen Veranstaltung mit
Sinasi Dikmen.

Edda Neuman